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PFARRER ERNST HELLER: «Es ist ein Geschenk Gottes in Weggis»

Es ist eine Geschichte wie im Märchen. Es ist die Geschichte des Luzerner Pfarrers Ernst Heller (63) und dem letzten Willen des Basler Geschwisterpaares Elsa und Helen Gerig.
Pfarrer Ernst Heller vor der Baugrube in Weggis, auf dem seine beiden geerbten Einfamilienhäuser entstehen. (Bild André Häfliger)

Pfarrer Ernst Heller vor der Baugrube in Weggis, auf dem seine beiden geerbten Einfamilienhäuser entstehen. (Bild André Häfliger)

Der letzte Wille der Geschwister Elsa und Helen Gerig besagt, dass der bekannte Schweizer Zirkuspriester Ernst Heller, der seit 18 Jahren in Kriens wohnt, in Weggis das Ferienhaus der Familie Gerig als Schenkung bekommt. Und dass Pfarrer Heller auf der Liegenschaft hinter dem berühmten Park Hotel Weggis zwei aneinanderliegende Einfamilienhäuser erstellen darf. Das gut 50 Jahre alte Ferienchalet ist bereits abgerissen, die Baugrube ist fertig gestellt. Ein Haus wird Pfarrer Heller ab November verkaufen, ins andere wird er zum gleichen Zeitpunkt selber einziehen. «Das ist wirklich wie im Märchen», erklärte Ernst Heller diese Woche bei der Besichtigung der Baustelle in Weggis. «Und es ist ein Geschenk Gottes.»

Das Wunder von Lourdes
Wie ist denn dieses Geschenk Gottes für den Clown Gottes, wie Heller im In- und Ausland liebevoll genannt wird, zu Stande gekommen? Alles begann 1984, als Heller Seelsorger in Horw war, in einem Doppelzimmer des Kantosspitals in Luzern. Pfarrer Heller schenkte in diesem Zimmer einer Patientin das Sakrament der Krankensalbung. Im gleichen Zimmer lag auch Anna Gerig, die Mutter von Elsa und Helen Gerig, die von ihrem Weggiser Ferienhaus aus ins Spital eingeliefert werden musste. «So lernte ich die drei Damen kennen», erinnert sich Heller. «Die Mutter, die kurz darauf ebenfalls zu Gott gerufen wurde, war eine sehr gläubige Frau. In Lourdes wurde ihre Tochter Elsa von einem angeborenen Herzfehler geheilt. Die Ärzte sprachen damals von einem Wunder.»

Eine tiefe, enge Freundschaft
Dieses Wunder hat in der Familie Gerig, die keine Nachkommen hat, eine tiefe und ausgeprägte Dankbarkeit gegenüber Gott und der Kirche ausgelöst. Und: Seit der ersten Begegnung ist zwischen Elsa und Helen Gerig sowie ihrer Mutter mit Pfarrer Heller eine enge, tiefe Freundschaft entstanden. Er wurde fortan richtiggehend verehrt. «Ich fand im alten Chalet überall Bilder von mir an den Wänden hängen», erinnert sich Heller. Dann, als Elsa Gerig vor zwei Jahren 80-jährig starb, wurde die Weggiser Schenkung bekannt. «Noch auf dem Sterbebett sprach Fräulein Elsa, wie sie sich immer noch nannte, ihren letzten Willen aus. Ihre heute 77-jährige Schwester, die von diesem Willen schon wusste, nickte daneben», so Heller weiter. «Wir haben keine Nachkommen, hat Helen Gerig noch gesagt. Es sei ein Zeichen ihrer Dankbarkeit gegenüber Gott und ich dürfe diese Schenkung unter keinen Umständen ablehnen.»

Heller lehnte zuerst ab
Genau das aber wollte Pfarrer Heller, der dieses Jahr sein 30-jähriges Primiz-Jubiläum feiert, zuerst tun. «Ich dachte, sowas kannst du doch auf keinen Fall annehmen.» Aber Helen Gerig habe auch nach dem Tod ihrer Schwester hartnäckig insistiert. Und so wird nun der Traum wie im Märchen wahr: Pfarrer Heller hat die Schenkung angenommen. Das baufällige Chalet liess er – ebenfalls im Einverständnis von Helen Gerig – abreissen und lässt nun auf der Liegenschaft die beiden Einfamilienhäuser erstellen. «Dafür musste ich, wie jeder andere auch, eine Hypothek aufnehmen. Und die Finanzierung konnte ich zudem nur durch den Verkauf des anderen Objektes sicherstellen», erklärte Pfarrer Heller unserer Zeitung. «Schlussendlich habe ich jetzt das Privileg, künftig für ein paar hundert Franken weniger an einem wunderschönen Ort wohnen zu dürfen. Dafür bin ich der Familie Gerig unendlich dankbar.»

Freude herrscht in Weggis
Erfreut und dankbar über den prominenten Neuzuzüger ist man auch in Weggis, wo einst TV-Star Mäni Weber lebte und wo auch sein ebenso bekannter Berufskollege Kurt Zurfluh heute wohnt. «Wir freuen uns auf Ernst Heller», erklärte Gemeindeammann Josef Odermatt gegenüber unserer Zeitung. «Zumal er mit seiner Ländlerformation 'Heu obe-n-abe' mit unserer volkstümlichen Tradition, etwa der Sennenchilbi oder dem Heirassa-Festival, seit Jahren eng verbunden ist. Ihm und seiner Klarinette Frieda gebührt ein ganz herzliches Willkomm!» Das ist sie, die märchenhafte Geschichte von Pfarrer Heller und dem letzten Wille der Familie Gerig. Sie hat übrigens noch einen kleinen Nachtrag: Soeben ist Vera Rüttimans erste Heller-Biografie («Ernst Heller – der Clown Gottes», Rex-Verlag, Luzern) erschienen.

André Häfliger

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