Pilot fliegt ins Haus der eigenen Mutter

Beim Piloten, der am Samstagnachmittag mit einem Kleinflugzeug in ein Einfamilienhaus in Oberhallau gekracht ist, handelt es sich höchstwahrscheinlich um den Sohn der Hausbewohnerin. Er hinterliess einen Abschiedsbrief.

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Mitarbeiter des kriminaltechnischen Dienstes bei der Spurensicherung. (Bild: Keystone)

Mitarbeiter des kriminaltechnischen Dienstes bei der Spurensicherung. (Bild: Keystone)

Wie die Schaffhauser Polizei am Montagnachmittag mitteilte, geht sie aufgrund neuer Erkenntnisse davon aus, dass der 48-Jährige absichtlich in sein Elternhaus geflogen ist. Erhärtet werde diese Annahme durch einen Abschiedsbrief des verunglückten Mannes, welcher den Untersuchungsbehörden vorliege.

Zugleich weise aber nichts darauf hin, dass der Schweizer einen «gezielten Anschlag» auf seine Mutter geplant habe, sagte Patrick Caprez, Sprecher der Schaffhauser Polizei, auf Anfrage. Nähere Angaben zum Inhalt des Briefes und wo dieser aufgefunden wurde, wollte er aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht machen.

Kein Telefongespräch

Sowohl Behörden als auch Polizei verurteilten am Montag die zahlreichen Spekulationen über die Motive des Piloten. Ein telefonischer Kontakt zwischen der Mutter und ihrem Sohn unmittelbar vor dem Flugzeugabsturz, wie von Medien behauptet, habe nicht stattgefunden, sagte Caprez. Erbost zeigte sich auch der Gemeindepräsident von Oberhallau, Hansueli Graf. Ihn habe die Berichterstattung sehr geärgert, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Nach wie vor unklar ist, ob sich noch weitere Personen im Flugzeug befanden. Aufschluss darüber geben sollen die Ergebnisse des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich. Dieses ist derzeit daran, die menschlichen Überreste zu untersuchen, die an der Unglücksstelle gefunden wurden.

Unbekannte Flugroute

Gemäss derzeitigem Kenntnisstand war der Sohn mit dem Kleinflugzeug am Samstag gegen 11.45 Uhr vom Flughafen Altenrhein SG gestartet. Laut Caprez versucht die Polizei nun in Erfahrung zu bringen, was sich in der langen Zeitspanne bis zum Absturz kurz vor 16 Uhr ereignet hat.

Auf einen Flugschreiber wie er in Grossraumflugzeugen standardmässig eingebaut ist, kann sich die Polizei in diesem Fall nicht stützen, wie Caprez erklärte. Ein Flugschreiber ist für Kleinflugzeuge nicht vorgeschrieben. Die Ermittlungsbehörden setzen deshalb unter anderem auf Zeugenaussagen.

«Wir haben bereits zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung erhalten», sagte Caprez. Bei der Polizei hätten sich Personen aus der ganzen Schweiz gemeldet. Diese Hinweise müssten nun zuerst ausgewertet werden.

sda