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PIONIERINNEN: Sie gehört zu den ersten Pilotinnen der Schweiz

Sie waren ehrgeizig, sportlich, abenteuerlustig: Margaret Fusbahn, Else Haugk und Myriam Stefford gehörten zu den ersten Pilotinnen der Schweiz. Heute kennt sie niemand mehr.
Christina Genova
Margaret Fusbahn mit ihrem Klemm-Flugzeug, Böblingen 1930. (Bild: Haus der Geschichte Baden-Württemberg)

Margaret Fusbahn mit ihrem Klemm-Flugzeug, Böblingen 1930. (Bild: Haus der Geschichte Baden-Württemberg)

Christina Genova

An einem prachtvollen Morgen im August 1929 startet die 22-jährige Margaret Fusbahn mit ihrem Leichtflugzeug vom Flughafen Konstanz aus Richtung Jungfraugebiet. Es sollte der schönste Flug ihres Lebens werden: «Er hat mir gezeigt, was Fliegen heisst, was Fliegen zu bieten hat. Ich wünsche jedem Menschen in seinem Leben einmal einen Alpenflug.»

Margaret Fusbahn kommt als Rosa Margaretha Billwiller am 14. Juli 1907 in St. Gallen zur Welt und wächst in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie am Rosenberg auf. Mit 20 Jahren heiratet sie den deutschen Ingenieur Heinz-Werner Fusbahn. Margaret gehört zu einer Handvoll Flugpionierinnen, die sich in der Zwischenkriegszeit aufmachen, die Lüfte zu erobern. Es ist keine nachhaltige Entwicklung: Bis heute sind Frauen in der Aviatik nur marginal vertreten. Die Historikerin Barbara Waibel vom Zeppelinmuseum in Friedrichshafen spricht von einem «Fenster der Möglichkeiten», das sich den Frauen öffnet, das aber in Deutschland mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wieder zuschlägt. Für die Schweizerinnen bedeutet spätestens der Beginn des Zweiten Weltkriegs das Ende ihrer fliegerischen Ambitionen.

Hang zum Aussergewöhnlichen

Kaum jemand erinnert sich heute an diese abenteuerlustigen Frauen, die sich in den 1920er- und 30er-Jahren von der Aufbruchsstimmung und Flugbegeisterung der Frühzeit der Luftfahrt anstecken liessen. Margaret Fusbahn ist in ihrer Heimatstadt völlig unbekannt, im Gegensatz zu männlichen Flugpionieren wie Walter Mittelholzer oder Eduard Spelterini.

Ebenfalls in Vergessenheit geraten ist Else Haugk, die erste und lange einzige Pilotin der Schweiz. Die Zürcherin erhält schon am 11. Mai 1914 das Brevet, die Flugschule hat sie in Hamburg besucht. Wie Margaret Fusbahn stammt sie aus vermögenden Verhältnissen, ein Umstand, der auf die meisten der frühen Fliegerinnen zutrifft. Die relative ökonomische Unabhängigkeit erlaubt es ihnen, sich selbst zu verwirklichen und aus den traditionellen Geschlechterrollen auszubrechen. Doch sind es weniger emanzipatorische Anliegen, die sie dazu bewegen, sondern der grosse Menschheitstraum des Fliegens. Der Preis, den die Flugpionierinnen für ihre Duldung in einer Männerdomäne zu zahlen haben, sei der Nachweis ihrer «Weiblichkeit», schreibt die Historikerin Evelyn Zegenhagen. Margaret Fusbahn wertet sich selbst ab indem sie behauptet, von Technik nicht viel zu verstehen: «Und doch bin ich Fliegerin mit ganzer Seele, nur mit der Einschränkung, dass ich dabei eine Frau geblieben bin, mit allen meinen Schwächen.» In der Schweiz sind es etwa 25 Frauen, die bis zum Zweiten Weltkrieg einen Flugschein erwerben, in Deutschland etwa 50. Ein Standardwerk über Frauen in der Schweizer Luftfahrt existiert nicht. Entsprechend spärlich sind die Informationen zu diesen Pionierinnen. So kennt man Elsie Attenhofer zwar als Schauspielerin und Kabarettistin des berühmten «Cabaret Cornichon». Aber kaum jemand weiss, dass sie 1931 das Fliegerbrevet erwirbt.

«Zumindest einen gewissen Hang zum Aussergewöhnlichen mussten sie besitzen, um sich der Fliegerei zuzuwenden», schreibt die Historikerin Maria Osietzki über die ersten Pilotinnen. Eine besonders schillernde Biografie besitzt die Bernerin Rosa Margarita Rossi, bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Myriam Stefford. Die Schauspielerin heiratet mit 25 Jahren im Markusdom in Venedig den exzentrischen Millionär Raúl Barón Biza und folgt ihm in seine Heimat Argentinien. Dort entdeckt Myriam die Leidenschaft für das Fliegen und macht innert zweier Monate ihr Flugbrevet. Ende August 1931 unternimmt sie den Versuch, 14 argentinische Städte in fünf Tagen anzufliegen. Bevor sie ins Flugzeug steigt, sagt Myriam Stefford zu ihrem Mann: «Egal wenn etwas schiefgeht, denn zu den grössten Erfüllungen meines Lebens wird es gehören, nicht eines gewöhnlichen Todes gestorben zu sein.» Sechs Städte liegen bereits hinter ihr, als sie auf dem Weg nach San Juan abstürzt und stirbt. Sie wird nur 26 Jahre alt. Untröstlich über den Tod seiner geliebten Frau errichtet ihr Raúl Barón Biza ein 82 Meter hohes Grabmal in Form eines Flugzeugflügels – es steht noch heute.

Höher als alle andern

Meistens gibt es für die Pionierinnen ein persönliches, auslösendes Moment, sich der Fliegerei zuzuwenden; so auch bei Margaret Fusbahn. Als sie an einem Märztag des Jahres 1928 mit ihrem Auto Richtung Heidelberg unterwegs ist, überholt sie ein Flugzeug. Margaret beschliesst spontan, auf den nahe gelegenen Flughafen Böblingen zu fahren. Dort befindet sich eine von insgesamt drei Flugschulen des deutschen Luftfahrtverbandes, die überhaupt Frauen aufnehmen. Kurze Zeit später beginnt sie mit dem Unterricht und erhält am 16.8.1928 ihren Flugschein, als erste Frau auf dem Böblinger Flugplatz überhaupt. Damit ist sie nach Else Haugk die zweite Schweizer Pilotin.

Weltweit bekannt wird Margaret Fusbahn als es ihr im April 1930 gelingt, den internationalen Höhenrekord für Leichtflugzeuge in der Klasse C zu brechen. Sie erreichte eine Höhe von 4614 Metern – über 600 Meter mehr als die bestehende Bestmarke. Margaret Fusbahn ist sportlich und ehrgeizig. Sie nimmt an zahlreichen Flugwettbewerben teil. Ihr Mann Heinz-Werner lässt sich von ihrer Flugleidenschaft anstecken und erwirbt ebenfalls das Brevet. Sie werden als das «fliegende Ehepaar» bekannt. 1932 fliegen sie zum ersten Mal nach Äthiopien. Danach fliegt Heinz-Werner jährlich nach Afrika – ohne seine Frau. 1938 lässt sich Margaret Fusbahn scheiden. Wenige Monate später heiratet sie in Angola einen Portugiesen, bekommt mit ihm eine Tochter. Ob sie jemals wieder geflogen ist, ist nicht bekannt. 2001 stirbt sie mit 93 Jahren in Portugal.

Die Parade von Eiger, Mönch und Jungfrau

Der schönste Flug Margaret Fusbahns erreicht kurz vor Mittag seinen Höhepunkt: «Die Parade von Eiger, Mönch und Jungfrau; schneebedeckt fast bis auf die halbe Höhe stehen sie vor uns, als ob sie ihr Sonntagskleid angezogen hätten.» Dann heisst es, die Heimreise zurück an den Bodensee anzutreten. Die sengende Mittagshitze empfängt das Ehepaar Fusbahn über dem Flughafen Konstanz: «Wir rollten zum Hangar. Schnallten uns los. Eilten rasch in den Hangar, Heinz-Werner meinte: ‹Es war ergreifend schön.› Ich sagte – eine Frau denkt vielleicht impulsiver: ‹Der Flug ist das Leben wert!›».

Ein Buch zu Schweizer Flugpionierinnen muss noch geschrieben werden

Informationen zu Schweizer Flugpionierinnen sind spärlich gesät. In Publikationen zur Geschichte der Schweizer Aviatik ist kaum etwas zu finden. Die Situation für Deutschland umfassend aufgearbeitet hat Evelyn Zegenhagen in ihrem Buch «Schneidige deutsche Mädel» (Wallstein 2007). Interessante Beiträge ebenfalls mit Fokus auf Deutschland finden sich in der Publikation «Frau und Flug: Die Schwestern des Ikarus», die 2004 zur gleichnamigen Ausstellung im Zeppelinmuseum Friedrichshafen erschienen ist (Jonas-Verlag). Die Anregung zu diesem Artikel gaben die Recherchen der SRF-Wissenschaftsredaktorin Cathrin Caprez. Die Sendung «Mit Schnaps im Gepäck bis nach Kamerun» gibt es online zum Nachhören.(gen)

HINWEIS

SRF-Sendung zu Margaret Fusbahn: https://www.srf.ch/kultur/wissen/mit-schnaps-im-gepaeck-bis-nach-kamerun

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