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PRÄSENTE: Weihnachten: Das sind die acht verschiedenen Schenk-Typen

Fast jeder tut es, und jeder tut es anders: Die einen basteln, die anderen hetzen zwei Tage vor dem Fest ins Geschäft, die Dritten verwöhnen vor allem sich selbst. Eine Typologie der Schenkenden.
Bild: Illustration: Sandra Näf

Bild: Illustration: Sandra Näf

Der Verweigerer

Weihnachten ist für ihn die krankhafte Zuspitzung des Konsums. Er flüchtet auf eine Insel an der Sonne und schlürft aus einer Kokosnuss, statt an Geschenke zu denken. Bleibt er doch mal daheim, arbeitet er, um seine festtagaffinen Kollegen zu entlasten. An die Familienfeier geht er mit leeren Händen. Wir besitzen alle zu viel, ist er überzeugt. Obwohl er die Liebsten stets dazu überredet, auf die Bescherung zu verzichten, ist er immer der Einzige, der sich tatsächlich daran hält.

Der Bastler

Er kauft keine Geschenke, er hat sein Hobby. Im Sommer, wenn die anderen draussen grillieren, brütet er in seinem Kämmerlein über Bauplänen – für ein Buchregal (für die liebste Leseratte), eine Kleiderkiste für den VW-Bus (für den reisefreudigen Bruder), ein Mobile (fürs wenige Monate alte Göttikind). Dann schleppt er Unmengen Holz und anderes Material herbei, verschanzt sich bis kurz vor Weihnachten hinter der Kreissäge, investiert Herzblut und Zeit, auch mal bis die Finger bluten. Wenn er das Präsent überreicht, leuchten seine Augen noch mehr als jene des Beschenkten. Manchmal überschätzt er sich und seine Geschicklichkeit aber: Das Regal wackelt, die Bücher fallen immer wieder um. Und wenn er sich als Koch versucht, schmeckt Eierlikör plötzlich nach bitterer Medizin und nicht mehr nach einer Köstlichkeit. Der Wille zählt.

Die Herausschieberin

Sie braucht zuerst einmal ein Glas Rotwein, um herunterzufahren. In den letzten 48 Stunden ist sie von einem Geschäft zum anderen gespurtet, hat mitgenommen, was noch erhältlich war. Im besten Fall einen Gutschein aus dem Lieblingsladen, im schlechtesten Fall krümelige Pralinen von der Tankstelle. Doch nicht einmal mit Alkohol gelingt es ihr nun, sich zu entspannen: Wegen Businessmeetings, dem eigenen Vergnügen und anderem, das ihr wichtiger ist, blieb keine Zeit, sich Gedanken über die Menschen zu machen, um die es nun geht. Wie werden sie reagieren? Vielleicht hatte sie auch einfach so viele Einfälle, dass sie sich nicht entscheiden konnte. Wie gut, dass bald Silvester ist. Ausgelassen Feiern und sich gute Wünsche überbringen, das liegt ihr eindeutig mehr.

Die Belehrerin

Sie träumt von einer besseren Welt. Das merkt man ihren Geschenken an: Die Gabe hat immer eine Botschaft. Keine banale, eine bedeutsame, eine sehr bedeutsame. Denn sie beschäftigt sich mit den grossen Themen. Macht sie sich Gedanken über Armut und Analphabetismus, verschenkt sie eine Patenschaft auf Bali. Damit wird einem Jugendlichen ein Studium ermöglicht. Oder sie überrascht mit einem Shampoo aus biologischen Ölen, für dessen Entwicklung keine Tierversuche nötig waren. Die Aufforderung: Trag der Umwelt Sorge. Für den Freund mit Bauch hält sie ein Diätbuch bereit: «Buddha Bowls», Gerichte ohne Fett und Zucker, die auch innerlich ausgleichen. Dass all das manchmal zu belehrend wirkt, übersieht sie bewusst. Schliesslich ist der Weg bis zum Ziel noch weit.

Der Weitergeber

Ihm fehlen Ideen oder Budget. Oder beides. Und er ist gerne los, was daheim unnütz herumliegt. Der Riesen-Parmesan, ein Geschenk eines Geschäftskunden, legt er für die Grossfamilie seiner Schwester unter den Baum. Die Wollsocken, die Grossmutter für ihn gestrickt hat, gibt er dem Freund weiter, der bald nach Lappland in die Winterferien fliegt. Man kann das als ökologisch loben. Moralisch ist es weniger tugendhaft. Es sei denn, man habe sich beim Wichteln für die Verwerter-Variante entschieden. Aus Spass, nicht aus Eigennutz.

Der Pragmatiker

Überraschungen sind nicht sein Ding. Ausserdem liegt er ungern daneben. Deshalb macht er es wie der Weihnachtsmann: Er verlangt Wunschzettel. Weshalb ein Tamtam machen, wo es doch einfach geht? Wer Geld und Gutscheinen vorbeugen und den Pragmatiker herausfordern will, liefert eine lange Liste mit Dingen, die sich nicht kaufen lassen. Statt Fahrstunden wünscht man sich also einen geduldigen Begleiter für die Phase als Lernfahrer. Vielleicht nützt die gemeinsam verbrachte Zeit. Und der Pragmatiker schenkt schon 2018 mit mehr Herz.

Der Egoist

Er ist Verschenker und Beschenkter zugleich. Was er auf den Gabentisch legt, erfreut die anderen, aber auch stets ihn selbst. Die Gattin bekommt netterweise die Küchenmaschine, mit der sie ihm
seit Monaten in den Ohren liegt. Wer sitzt dann am Tisch, geniesst die neuen kulinarischen Kreationen und übernimmt höchstens den Abwasch? Der Egoist unter den Schenkenden. Knausrigkeit kann man ihm in der Regel nicht vorwerfen. So beeindruckt er das Göttikind mit einer mehrtägigen Städtereise. Doch statt ins hippe Berlin geht es nach Warschau. Die Heiliggeistkirche, deren Bild in seinem Büro hängt, will er endlich mal in Realität bestaunen. Dreist wird es, wenn er der kaum technik- und fernsehbegeisterten, noch daheimlebenden Tochter den neusten Flat Screen schenkt. Seine Rechtfertigung: Geteilte Freude ist doppelte Freude, nicht wahr?

Die Streberin

Sie macht alles richtig. Auch weil sie in einem Ratgeber gelesen hat: Schenken ist Beziehung. Nach Weihnachten ist für sie vor Weihnachten. Während andere sich vom Essmarathon und gesellschaftlichen Verpflichtungen erholen, hält sie stets etwas zum Schreiben bereit. Schliesslich können Bemerkungen, die zu gelungenen Geschenken führen, jederzeit fallen; auch kurz nach dem Fest. Sie führt die Ideenliste doppelt nach, auf Papier, im Handy. Nie würde sie sich die Blösse geben, mit Pralinen von der Tankstelle anzutraben. Wenn ein Schleckmaul beschenken, dann so: mit einer Sondergenehmigung, dem Chocolatier bei Sprüngli über die Schulter schauen zu dürfen. Dafür setzt sie alle Hebel in Gang – und jene, die sie beschenken unter Druck. Meist können sie die anspruchsvolle Streberin ohnehin nur enttäuschen.




Diana Hagmann-Bula

Ein Baum aus Geschenken. (Bild: Leserbild Roland Luterbach)

Ein Baum aus Geschenken. (Bild: Leserbild Roland Luterbach)

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