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PSYCHOLOGIE: Kinder leiden nach Verbrennungen auch seelisch

Kinder, die schwere Verbrennungen erlitten haben, entwickeln manchmal auch psychische Probleme. Um ihnen besser helfen zu können, müssen die Eltern mit in die Therapie.
Santina Russo

Eine umkippende heisse Tasse Tee, die Kochplatte oder der Grill: Verbrennungsunfälle sind schnell passiert. Besonders gefährdet sind kleine Kinder: Vier von fünf Kindern, die sich eine schwere Verbrennung oder Verbrühung zuziehen, sind unter fünf Jahre alt. Sie müssen sich meist einer langwierigen und schmerzhaften Behandlung unterziehen.

«Viele leiden an den Folgen des Unfalls jahrelang – nicht nur körperlich, sondern auch psychisch», sagt Ann-Christin Haag, Psychologin am Kinderspital Zürich. So bekommen manche Kinder Schlafstörungen, andere heftige Wutanfälle, wieder andere fürchten sich fortan davor, den Raum zu betreten, in dem der Unfall geschehen ist.

Warum manche Kinder solche Stressreaktionen entwickeln, hat Haag nun in einer Studie untersucht. Sie analysierte rund 140 Verbrennungsunfälle von Kindern zwischen einem und vier Jahren, die am Kinderspital Zürich behandelt wurden, und befragte deren Eltern. So stellte die Psychologin fest: Wie sehr die Kinder psychisch belastet sind, hat kaum etwas mit der Schwere ihrer Verletzung zu tun. Viel entscheidender ist das Befinden der Eltern – vor allem das der Mütter. Stehen sie wegen des Vorfalls stark unter psychischem Stress, besteht die Gefahr, dass sie diesen ungewollt auf ihr Kind übertragen.

Eltern fühlen sich verantwortlich

Die Väter hingegen geben ihre Belastung offenbar viel weniger weiter. «Möglicherweise liegt das einfach daran, dass die Mütter mehr Zeit mit den Kindern verbringen», sagt Haag.

Für die Eltern sei es hart, die lange und schmerzvolle Behandlung ihrer Kinder mitzuerleben. Immer wieder müssen die Wundverbände gewechselt werden, und später tragen die kleinen Patienten monatelang Kompressionsanzüge, damit sich keine schlimmen Narben bilden.

Viele Eltern seien zudem von starken Schuldgefühlen geplagt. Denn meist war zumindest ein Elternteil bei dem Unfall dabei und hat einfach kurz nicht aufgepasst. Daher entwickeln manche Eltern ein überbehütendes Verhalten: Sie versuchen, das Kind vor allen potenziellen Gefahren zu beschützen – und schränken es dadurch ein. «Das Kind kann dann weniger eigene Erfahrungen machen und so weniger gut lernen, dass die Welt nicht nur ein gefährlicher Ort ist», sagt Haag.

Um das zu verhindern, sei es nach einem Verbrennungsunfall mit kleinen Kindern manchmal wichtig, die ganze Familie in die psychologische Betreuung miteinzubeziehen. Erst das gebe den Eltern die Möglichkeit, den Unfall zusammen mit ihrem Kind zu verarbeiten.

Santina Russo

wissen@luzernerzeitung.ch

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