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QUALLEN: Wunderschön, aber tödlich

In den Ferien können wir ihnen an südlichen Stränden begegnen. Nicht zu unserem Vorteil. Denn Quallen können brandgefährlich werden. Aber zum Staunen sind diese uralten Tiere auch.
Rolf App
Ein alter Bekannter von südlichen Stränden: Oft werden Portugiesische Galeeren an die Küsten getrieben. Und werden dort mit ihren giftigen Tentakeln den Menschen gefährlich. (Bild aus Gershwin: Quallen)

Ein alter Bekannter von südlichen Stränden: Oft werden Portugiesische Galeeren an die Küsten getrieben. Und werden dort mit ihren giftigen Tentakeln den Menschen gefährlich. (Bild aus Gershwin: Quallen)

Rolf App

Die giftigsten Tiere der Welt sind nahezu unsichtbar. Am besten erkennt man die Irukandji-Qualle am Schatten, den sie auf den Meeresboden wirft. Wobei es dann schon zu spät sein kann. Wenn man mit ihren langen, spinnfädendünnen Tentakeln in Berührung gekommen ist, treten nach fünf bis vierzig Minuten extreme Schmerzen im unteren Rücken auf. Das Opfer gerät in Atemnot, und ein extrem angestiegener Blutdruck kann zu Herzversagen oder Schlaganfall führen. Auch die Portugiesische Galeere kann mit ihren blauen, sehr langen Tentakeln für einen gesunden Menschen den Tod bedeuten. Aber sie kann auch ganze Fischschwärme lähmen.

Es sind sogenannte Nesselzellen, mit denen das Tier in Küstengewässern, an tropischen Riffen und Inseln auf die Jagd geht. Der durchsichtige Körper ist Tarnung. Mit der Hilfe von Transparenz und Gift haben die Quallen unglaubliche Zeiträume überlebt. Vor 600 Millionen Jahren, als sie den Planeten der Meere nach und nach besiedeln, ist vom Menschen noch weit und breit nichts zu sehen.

Eine Miniharpune trifft den Menschen

Nicht alle Quallen sind giftig. Viele Arten verströmen eine Art Klebstoff, bei andern ruft das Nesselgift nur verbrennungsähnliche Symptome hervor. Es sind kleine Wunderwerke, die das zu Stande bringen. Die Rippenquallen lassen kleine Bläschen mit Klebstoff platzen, wenn sie stimuliert werden. Die Nesselzellen vieler anderer Arten dagegen verschiessen eine Miniharpune, und zwar mit dem 40000-fachen der Erdbeschleunigung. Sowohl an der Aussenseite wie im Innern dieser Harpune steckt Gift. Dass Quallen in den letzten Jahren zum Thema geworden sind, hängt mit jenem massenhaften Auftreten von Quallenschwärmen zusammen, die man als Quallenblüte bezeichnet. Sie können sogar Kraftwerke verstopfen und ihr notfallmässiges Abschalten erzwingen. Studien haben gezeigt, dass dies vor allem in jenen Lebensräumen geschieht, in denen das natürliche Gleichgewicht gestört ist. In einem normalen, gesunden Ökosystem konkurrenzieren sich vor allem kleinere Fische und Quallen, wobei Fische unter normalen Umständen cleverer und schneller sind.

Warum sich die Quallen so sehr vermehren

Nimmt aber durch den Fischfang ihre Zahl ab, dann steht den Quallen mehr Nahrung zur Verfügung. Eine Abwärtsspirale setzt ein: Quallen fressen zum einen die Eier und Larven der Fische und zum andern das herumschwimmende Plankton, auf das diese Larven angewiesen sind. Sie fangen an, das Ökosystem zu dominieren. Das durch den Klimawandel erwärmte Wasser kurbelt ihren Stoffwechsel an, lässt sie schneller wachsen, mehr fressen, mehr Nachkommen hervorbringen und länger leben.

Dass Quallen von Haus aus Überlebenskünstler sind, kommt ihnen dabei sehr zugute. In Jahrmillionen haben sie sich über die Meere ausgebreitet, obwohl sie ganz einfach gebaut sind. Sie kommen ohne Gehirn, Skelett oder Blut aus – lauter Dinge, die die Natur erst nach ihrem Auftauchen erfunden hat. Dafür haben sie sich in Gestalt, Grösse und Spezialisierung an ihren jeweiligen Lebensraum angepasst. Würfelquallen zum Beispiel können besonders gut schwimmen. Ihr gallertartiger, mit Meerwasser gefüllter Körper gibt ihnen Auftrieb, und sie können ihn mit gut entwickelten Muskeln zusammenziehen. Durch eine dicke Gallertschicht erscheinen manche Quallen auch sehr viel grösser – und schrecken damit Fressfeinde ab.

Quallen können sich auch zu Verbänden zusammenschliessen. Bei der bereits erwähnten Portugiesischen Galeere handelt es sich in Tat und Wahrheit um eine Kolonie von Einzeltieren. Und in den ungiftigen, bis zu zwanzig Meter langen Feuerwalzen finden sich viele Einzeltiere eingefügt in eine Matrix. Wird eine solche Feuerwalze berührt, dann sendet sie viele kleine Lichtblitze aus.

Quallen sind auf dem Weg zur Unsterblichkeit

Als Überlebenskünstler muss man die Quallen auch deshalb bezeichnen, weil sie fehlende Körperteile oft problemlos ersetzen können. Mehr noch: In gewissem Sinn sind sie unsterblich. Ihre genetische Identität lebt nämlich in einem andern Körper weiter – einem festsitzenden Polypen, aus dem dann eine schwimmende Meduse entsteht, oder eine Meduse, die vom ursprünglichen Körper abgeschnürt wurde. Perfektioniert hat diesen Prozess eine unscheinbare Qualle namens Turritopsis dohrnii. Gerät sie in Stress, dann degeneriert der Schirm, und die Qualle scheint zu verschwinden. Doch ihre Zellen formieren sich innert weniger Tage neu. Auch den Alterungsprozess kann Turritopsis umkehren. Plötzlich werden ihre Zellen nicht mehr älter, sondern sie verjüngen sich.

Ein Wesen, das nicht nur unsterblich ist, sondern auch jünger wird: Welch ein Wunder hat die Natur da geschaffen. Ein Wunder, welches das lebhafte Interesse vieler mit ihrer Sterblichkeit hadernden Menschen weckt. Nur sind wir halt komplexe Lebewesen und keine einfachen Quallen.

Hinweis
Einen umfassenden Einblick in die Welt der Quallen gibt Lisa-Ann Gershwins gerade erschienenes Buch «Quallen – Von der Faszination einer verkannten Lebensform». (Delius Klasing)

In den vielen feinen Tentakeln der Haarqualle bleibt so allerhand hängen. Sie ist denn auch ein guter Jäger. (Bild aus Gershwin: Quallen)

In den vielen feinen Tentakeln der Haarqualle bleibt so allerhand hängen. Sie ist denn auch ein guter Jäger. (Bild aus Gershwin: Quallen)

Nur fingerhutgross, aber unsterblich: Turritopsis dohrnii. (Bild aus Gershwin: Quallen)

Nur fingerhutgross, aber unsterblich: Turritopsis dohrnii. (Bild aus Gershwin: Quallen)

Die Feuerwalze gehört zu den bekanntesten leuchtenden Organismen der Erde. Warum sie leuchtet, bleibt aber ein Rätsel. (Bild aus Gershwin: Quallen)

Die Feuerwalze gehört zu den bekanntesten leuchtenden Organismen der Erde. Warum sie leuchtet, bleibt aber ein Rätsel. (Bild aus Gershwin: Quallen)

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