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Radikale Wende gegen den Hunger

Walter Brehm

Der Begriff ist veraltet, politisch korrekt spricht man heute von Entwicklungszusammenarbeit. Korrekte Begriffe allein lösen aber keine Probleme. Kein Problem gelöst hat bisher auch die Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika von Staat zu Staat (siehe nebenstehenden Text). Bewusst von europäischer Entwicklungshilfe zu sprechen, ergibt sich aus der zu bewältigenden Aufgabe. Es gilt nämlich tatsächlich Hilfestellungen zu leisten – den Afrikanern, aber auch jenen, die zur Zusammenarbeit mit ihnen bereit sind.

Jungen Afrikanern eine Perspektive geben

Der Grundsatz ist einfach. Entwicklungshilfe muss sich jetzt darauf konzentrieren, jungen Leuten in Afrika eine Perspektive zu geben. Konkret Arbeit, Lohn und ein selbstbestimmtes Leben, das auch die Kontrolle des Geburtenüberschusses enttabuisiert. Auch wer vor ­allem Europa retten will, muss heute damit beginnen, die Perspektivlosigkeit in Afrika zu bekämpfen. Das kann auch auf staatlicher Ebene oder über Investitionen grosser Konzerne passieren – aber eben nicht nur und nicht als Priorität.

In seinen eigenen Volkswirtschaften hat Europa längst erkannt, dass eine erfolgreiche Wirtschaft auch von gesunden mittelständischen Betrieben abhängt – von KMU, wie die Schweizer sagen. ­Etwas, das es bisher in Afrika kaum gibt. Deren Aufbau wird ein langwieriger und schwieriger Prozess sein. Haupthindernisse sind derzeit in den meisten afrikanischen Ländern die Rechtsunsicherheit für Investoren und die Hürden, die ihnen aufgeblasene Behördenstrukturen entgegenstellen. Dies bleibt ein weites Feld für zwischenstaatliche Abkommen.

Dass afrikanische Klein- und Kleinstunternehmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen können, braucht vor allem rechtliche Voraussetzungen. Sie müssen Zugang zu Krediten bekommen, die sie im normalen Bankensystem nicht erhalten. Hier kann eine breitere Mikrofinanz helfen, die heute erst in Engagements vor allem kleinerer Hilfswerke etabliert ist. Was heute schon bei der Gründung kleinster Betriebe Erfolg hat, kann breitenwirksam auf bereits bestehende oder zu gründende Handwerks- und Handelsbetriebe ausgeweitet werden, um Millionen von nachhaltigen Arbeitsplätzen zu garantieren.

Duale Berufsbildung nach Schweizer Vorbild

Diese neuen Unternehmen müssen durch Aus- und Weiterbildung die Qualität ihrer Produkte erhöhen können. Dazu könnte die Hilfestellung europäischer KMU-Betriebe viel leisten. Aufzubauen wäre auch ein duales System der Berufsausbildung ähnlich jenem der Schweiz. Auch dazu gehört ein Umdenken europäischer Experten, die immer noch Ausbildung in staatlichen Einrichtungen propagieren. Afrikanische Betriebe sollen in die Lage versetzt werden, die praktische Ausbildung junger Menschen übernehmen zu können.

Die Leitungsverantwortung für einen radikalen Wandel der Entwicklungspolitik wird in staatlicher Hand ­liegen. Den Staatsskeptikern sei dabei in Erinnerung gerufen, dass gerade sie ­immer fordern, dass Flucht- und Migrationsgründe in den Herkunftsländern bekämpft werden müssten. Und im Zentrum soll ja die nichtstaatliche Ebene einer neuen Entwicklungshilfe stehen. Diese braucht aber die rechtliche und politische Absicherung.

Nur dann können Strukturen der ­Zivilgesellschaft und der mittelständischen Unternehmen prüfen und klären, mit welchen Ressourcen sie Hilfe in ­Afrika leisten können: Gewerkschaften, die Fachleute und Lehrpersonal unterstützen können; Betriebe, welche die Ausbildung afrikanischer Lehrmeister in der Schweiz oder vor Ort unterstützen wollen und allenfalls Aufträge zu vergeben haben. Eine Utopie? Auf jeden Fall könnte die Diskussion über eine neue Entwicklungshilfe mit einer Perspektive auch für hiesige KMU-Betriebe die quälenden jährlichen Debatten über die Höhe schweizerischer Entwicklungs­hilfe entspannen.

Walter Brehm

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