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RAUMFAHRT: Jedem sein eigener Satellit

Der frühere Nasa-Cheftechnologe Chris Kemp sieht das grosse Geschäft im All. Auf Schweiz Besuch erklärt er, warum der Himmel bald von Satelliten überzogen sein wird.
Bruno Knellwolf
Raketenbauer Chris Kemp spricht am Start Summit 2018 über das vielleicht bald boomende Satellitengeschäft. (Bild: Michel Canonica)

Raketenbauer Chris Kemp spricht am Start Summit 2018 über das vielleicht bald boomende Satellitengeschäft. (Bild: Michel Canonica)

Bruno Knellwolf

Muss man sich davor fürchten, dass der Himmel sich bald verdunkelt? Nicht etwa wegen der Wolken, sondern weil uns bald Heerscharen von Satelliten umkreisen? Das ist wohl übertrieben, aber Lieferungen von Satelliten ins Weltall könnten das grosse Zukunftsgeschäft werden. Das sagt Chris Kemp, der frühere Cheftechnologe der US-Raumfahrtbehörde Nasa, vor den 2500 Teilnehmern des Start Summit 2018 in St. Gallen.

«Menschen wollten schon immer die höchsten Berge besteigen», sagt Kemp. Was sie schliesslich in den 1960er-Jahren in einem Wettlauf zwischen der USA und der Sowjetunion bis auf den Mond führte. Jetzt locke das All wieder und erlebe eine Renaissance. Tatsächlich waren die Raumfahrtaktivitäten nach der Eroberung des Mondes lange Zeit zusammengesackt. Jetzt aber sind wieder Mondflüge im Gespräch und ein Privater wie Tesla-Chef Elon Musk will mit seiner Firma Space X auf den Mars.

Die Welt wird klein

Real und handfest noch mehr Bedeutung haben zurzeit allerdings die Satelliten. Kemp zeigt, wie die Welt damit klein wird, weil jede Bewegung auf der Erde damit erfasst werden kann. Er zeigt Satellitenbilder einer Shrimps-Farm, auf der man beinahe die einzelne Crevette erkennen kann. Satelliten schiessen Livebilder, um Umweltkatastrophen zu erkennen, zur Spionage und für vieles mehr. «Die Sicht auf die Welt ist eine neue», sagt Kemp.

Ein solcher Beobachtungssatellit ist der «Landsat 8», der vor vier Jahren von der Nasa ins All geschickt worden ist. Er kann Bilder von der Erde mit Pixelauflösungen von 15 bis 100 Meter liefern und wird im «Earth Observing System» eingesetzt. Er bewegt sich auf einer polaren Erdumlaufbahn und passiert einen Punkt der Erde jeden Tag zur selben Zeit, was sich für Vergleiche bestens eignet. Solche Satelliten, die in grosse Forschungsprogramme eingebunden sind, kosten viel und sind gross und schwer. Dementsprechend brauchen sie grosse, teure Trägerraketen, um ins All zu gelangen.

Die Zukunft gehört nach Kemp aber kleinen Satelliten, die leichter und billiger sind. «In die man Chips einbauen kann, die in Smartphones von Samsung und LG vorkommen.» Zum Beispiel die Dove-Satelliten, mit denen Google vor zweieinhalb Jahren ins Satellitengeschäft eingestiegen ist. Die kleinen Satelliten sollten helfen, den Kartendienst Google Maps noch aktueller zu halten. Doch das Geschäft scheint dem IT-Riesen nun wohl doch nicht so lukrativ. Google hat die sieben Satelliten an eine junge Firma namens «Planet Labs» verkauft. Doch Kemp hält fest: «Hunderte von Firmen haben begonnen, Satelliten und Produkte dafür zu erstellen.» Milliarden würden in den nächsten Jahren in die Raumfahrt investiert. «Über 2600 kleine Satelliten mit einem Gewicht von 180000 Kilogramm werden zwischen 2015 und 2023 ins All geschickt», sagt der Nasa-Entwickler.

Tote Satelliten und viele Trümmer

Angesichts dessen, dass man jetzt schon von einem zugemüllten All spricht, weil tote Satelliten oder Trümmer davon dauernd die Erde umkreisen und manchmal wie Geschosse auf die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS treffen, nicht nur eine positive Nachricht. Dazu sagt Kemp nur, dass kleine Satelliten wohl bei Eintritt in die Erdatmosphäre verglühten. Um das Müllproblem zu lösen, zerbrechen sich viele schon seit langem die Köpfe, von einer Lösung hat man noch nichts gelesen.

Wie auch immer. Um die vielen kleinen Satelliten ins All zu bringen, braucht es Raketen. Diese müssen nach Kemp fünfzig Mal kleiner werden. Deshalb sagt er – vor den versammelten Jungunternehmern aus aller Welt am Start Summit – brauche es junge Unternehmen, die sich daran machten, solche kleine Raketen zu bauen. Denn «Space Delivery» sei heute fünfzig Mal zu teuer, zu selten, zu langsam und zu massig. Doch die neuen Kommunikationsgeräte, die Sensoren in Autos und an anderen Orten brauchten diese globale Vernetzung über die Satelliten.

Er selbst hat deshalb eine Firma gegründet, die kleinere Raketen als jene von Elon Musk bauen will, noch keinen Namen hat, sich aber Experten aus verschiedenen Bereichen gesichert hat. Den Raketenbau sieht Kemp als Geschäft, und im Video zeigt er seine Entwicklung schon mal her bei einem Trockenstart bei San Francisco. «Unsere Mission ist es, den täglichen Lieferservice ins All zu ermöglichen», sagt Kemp. Und das viel billiger als es Space X tue.

Noch ist es eine Vision, wie jene über die später Eliott Broström von Volvo und Raphael Grindrat vom ETH Lausanne Start-up Best Mile sprechen. Beide arbeiten an der Entwicklung des Autonomen Fahrens. An verschiedenen Orten lassen sie Autopiloten fahren, Volvo beispielsweise in Göteborg und für das Unternehmen Uber. Soll sich das Autonome Fahren sicher sein, braucht es die Kommunikation der Fahrzeuge miteinander in Echtzeit. Die ist nur über das riesige Satellitennetz, von dem Kemp spricht, möglich.

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