REHA IN GRINDELWALD: Sepp Trütsch: «Ich bin über dem Berg!»

Sepp Trütsch atmet auf. Einen Monat nach seiner schweren Darmoperation hat er erstmals kein Gewicht mehr verloren. «Ich habe 700 Gramm zugenommen», so der Volksmusik-König.

Drucken
Teilen
Sepp Trütsch vor der eindrücklichen Eiger-Bergkette oberhalb von Grindelwald. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Sepp Trütsch vor der eindrücklichen Eiger-Bergkette oberhalb von Grindelwald. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Gemütlich spaziert der 61-jährige Hotelier aus Schwyz mit seinem Wanderstock durch die herrliche Bergwelt des Berner Oberlandes. Im Wandergebiet Grosse Scheidegg streichelt Sepp Trütsch flinke Berggeissen und süsse Sommeralp-Kälblis. Beeindruckt beobachtet er auf 1700 Metern Höhe die imposante Eiger-Bergkette mit dem Feldstecher, fleissig hält er die Impressionen für sein Bild-Tagebuch im Fotoapparat fest. In der Regina-Bergütte kocht er Teewasser und räumt die Feuerstelle auf. «Es geht mir wieder gut, ich bin über dem Berg», sagt Trütsch ganz ruhig, aber sichtbar erleichtert.

20 Kilo Körpergewicht verloren
Vor einem Monat war das noch ganz anders: Innerhalb von drei Monaten hatte er 14 Kilo an Körpergewicht verloren, fühlte sich schwach. Da liess er sich bei Professor Fritz Horber in Winterthur untersuchen. Der behielt ihn gleich bei sich, denn er hatte einen Darmtumor entdeckt. In einer sechsstündigen Operation wurde dieser Tumor sofort entfernt, Trütsch lag mit Komplikationen nach der OP vier Tage in der Intensivstation.

Drei bange Tage lang musste er warten, bis die erlösende Nachricht kam: Der Tumor war gutartig! «In dieser Zeit machte ich mir schon einige Gedanken. Gedanken an das Ende des Lebens waren natürlich auch dabei», erzählt Trütsch vor der idyllischen Berghütte, wo ihn am Montagabend in Begleitung von Hotelier Hans Krebs und seinem Sohn Nicola zwei Füchse besuchten. «Sie waren total zutraulich, assen uns aus den Händen – sogar saure Gurken von der kalten Fleischplatte.» In diesen Momenten kamen Trütsch, der jetzt wieder dreimal im Tag «mit viel Appetit» Mahlzeiten zu sich nimmt und auch «recht gut und lange» schlafen kann, ganz andere Gedanken: «Da denkt man, wie schön das Leben ist und wie dankbar man stets für alles sein sollte.»

Ein Wanderstock als Geschenk
Nach der Operation verlor Sepp Trütsch nochmals sechs Kilo. Erst jetzt, nachdem er sich seit acht Tagen im «Regina» in Grindelwald befindet, geht es wieder richtig bergauf: Der ehemalige TV-Star nimmt wieder zu und läuft wieder wie ein junges Reh herum. «Es geht von Tag zu Tag besser», berichtet Trütsch. «Ich kann schon eine Stunde lang auf Wanderschaft gehen, brauche dann allerdings noch eine Siesta. Das ist aber ganz normal.»

Für seine Ausflüge hat Trütsch ein tolles Geschenk bekommen: Sein Schwyzer Freund Kasi Schuler brachte ihm einen Wanderstock nach Grindelwald. «Überhaupt ist die Anteilnahme und Unterstützung von Freunden, aber auch von mir bisher unbekannten Personen gross», so Trütsch. «Ich habe schon weit über 150 Briefe und hunderte von Mails bekommen. Mit vielen Tips für zahllose Säftchen und Kräuter. Ich bin sehr, sehr dankbar für alles. Über einen zehnseitigen Brief eines Kindes, das gerade im Spital ist, habe ich mich besonders gefreut.»

So geht es jetzt weiter
Wie geht?s jetzt weiter? Bis am 24. Juli wird Trütsch zur Rehabilitation noch in Grindelwald bleiben. «Dann hänge ich noch eine Bergwoche mit Wanderungen in Laax an. Am 1. August werde ich dann wieder in meinem geliebten «Rössli» in Schwyz stehen», so Trütsch. Betriebsleiter Thomas Räber und sein Team sorgen bis dann, dass alles rund läuft. Keine Sorgen hat Trütsch auch in seinem zweiten Betrieb: Sein Restaurant im aargauischen Birr hat er seit 1. Januar dieses Jahres verpachtet.

Der Dank des Volksmusik-Königs
«Es ist für mich alles wie hier in der fantastischen Schweizer Bergwelt», sinniert Trütsch über seine aktuelle Lebenssituation. «Es ist alles in Stein gemeisselt und von ganz oben wacht ein schützendes Auge über alles. Ja, ich musste dem Tod in die Augen schauen. Aber jetzt danke ich Gott und allen, die mir geholfen haben, die schwierigste Zeit meines Lebens zu überbrücken.»

André Häfliger, Grindelwald