RENÉ PRÊTRE: Prêtre: «Göldi wäre ein würdiger Nachfolger»

Es war bitterkalt, neblig und regnete in Strömen. Aber in den Herzen der 200 Gäste, die am Samstag auf der Obwaldner Älggialp René Prêtre ehrten, war es so warm, als schiene die Sonne.

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Herzchirurg René Prêtre, Schweizer des Jahres 2009, vor der Älggialp-Ehrenplatte. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Herzchirurg René Prêtre, Schweizer des Jahres 2009, vor der Älggialp-Ehrenplatte. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Bei 6 Grad Aussentemperatur wurde in 1650 Metern Höhe auf der Älggialp-Ehrentafel der Name des 53-jährige Herzchirurgen und Chefarztes des Kinderspitals Zürich enthüllt. René Prêtre, der im Januar vom TV-Publikum erkorene Schweizer des Jahres 2009, figuriert jetzt als achter Name auf der Tafel, die an einem Stein exakt auf dem geografischen Mittelpunkt der Schweiz liegt. Schon im März wollte Prêtre diesen Punkt einmal erkunden. «Aber auf halber Strecke musste ich zwischen Sachseln und der Alp wegen dem Schnee umkehren», erzählte der von der Ehrung und den vielen Geschenken - unter anderem auch von 30 Kindern, die mit ihren Eltern Spalier standen - sichtlich gerührte Arzt der Neuen Luzerner Zeitung.

Wie beurteilt denn der amtierende Schweizer des Jahres das Image unseres Landes im Ausland? Wie stark hat das Ansehen der Schweiz nach dem Fall UBS und der Libyen-Affäre gelitten? «Im Fall der UBS hat unser Ansehen, vor allem natürlich in Amerika, sicher Schaden genommen, denn die Marke UBS ist - wie etwa die Swiss - ganz eng an die Schweizer Fahne gebunden», erklärte Prêtre.

«Da ist ja, soweit ich das verfolgen konnte, sicher nicht alles nach geltenden Regeln und Gesetzten gelaufen. Es ist auch noch nicht alles ganz ausgestanden. Aber wenn man jetzt offen und ehrlich zu begangenen Fehlern steht und aus ihnen lernt, ist man sicher auf dem richtigen Weg. Schliesslich gelten wir, auch in Amerika, nach wie vor als seriöses Land, wir sind nicht besser, aber auch nicht schlechter als andere Länder. Insofern hält sich der Imageverlust durchaus in Grenzen.»

Ghadafi-Schaden
In der Libyen-Affäre ist für Prêtre klar: «Da hat nicht die Schweiz, sondern der Ghadhafi-Clan das Gesicht verloren - und dies nach dem Fall der bulgarischen Schwestern gleich ein zweites Mal.» Von der Schweiz hätte Prêtre allerdings ein «entschiedeneres Vorgehen am Anfang der Affäre» erwartet. «Man hätte zu Beginn mehr an die beiden Geiseln denken müssen», ist Prêtre überzeugt.

Der Fall sei immer schwieriger zu lösen gewesen und Max Göldi habe eine «fast unmenschlich lange Zeit» auf seine Befreiung warten müssen. Sollte er der nächste Schweizer des Jahres werden? «Das würde ich sehr begrüssen», meinte René Prêtre gegenüber unserer Zeitung. «Er hat so viel gelitten und so viel für unser Land gegeben. Er ist ein Held und hätte diese Auszeichnung redlich verdient.»

Die spannende Frage im nächsten Januar wird wohl sein, was bei der Publikumswahl mehr wiegt: Das heldenhafte Leiden von Max Göldi oder die ehrenvollen Olympia-Goldmedaillen Nummer 3 und 4 von Skispringer Simon Ammann?

Bundesrats-Lehre
Auch nach Ansicht der übrigen prominenten Gästen hält sich der Imageschaden der Schweiz nach den beiden Krisen in Grenzen. «Im Fall UBS haben sich höchstens Vorurteile derer bestätigt, die schon immer dachten, die Schweiz gehöre zu den Profiteuren dieser Welt», erklärte Ueli Haldimann, der Direktor des Schweizer Fernsehens. «Wir haben beide Fälle, wie schon andere, ohne grossen Imageverlust durchgestanden», sagte Obwaldens Ständerat Hans Hess. Für Regierungsrat Niklaus Bleiker, Kantonsratspräsident Walter Hug und Sachselns Gemeindepräsidentin Margrit Freivogel - sie moderierte die Ehrung - gibt es indes für unsere Landesregierung unisono eine grosse Lehre zu ziehen: «Unser Bundesrat muss endlich wieder mit einer Stimme auftreten.»

André Häfliger