Roderer führte an Trauerfeier selbst Regie

Mit einer Gedenkfeier in der Zürcher Kreuz-Kirche haben am Freitag Weggefährten, Prominente und langjährige Zuschauer vom Volksschauspieler Walter Roderer Abschied genommen. Den Ablauf der Feier hatte er selber bis ins letzte Detail geplant.

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Pfarrerin Katharina Hoby hält die Predigt an der Gedenkfeier für den Walter Roderer in der Kreuzkirche in Zürich. (Bild: Keystone)

Pfarrerin Katharina Hoby hält die Predigt an der Gedenkfeier für den Walter Roderer in der Kreuzkirche in Zürich. (Bild: Keystone)

Für Roderers langjährigen Manager Freddy Burger war die Gedenkfeier der beste Beweis dafür, dass der Schauspieler ein Perfektionist und «Tüpflischiisser» war. Bereits vor einem halben Jahr habe er ihm bei einem Mittagessen den gesamten Ablauf vorgelegt. «Nichts sollte dem Zufall überlassen werden», sagte Burger.

Auch die Todesanzeige mit dem Hinweis auf die Gedenkfeier schrieb Roderer selbst. Etwas Pompöses oder allzu Aufwendiges wusste er so wirksam zu verhindern. Passend dazu füllten am Freitag denn auch nicht Prominente die Bankreihen, sondern viele, die ihn lediglich als «Mustergatten» oder «Buchhalter Nötzli» kennengelernt hatten.

Anina Stancu, links, Witwe von Walter Roderer, mit Pfarrerin Katharina Hoby. (Bild: Keystone)
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Ein Porträt des verstorbenen Walter Roderer steht an der Gedenkfeier in der Kreuzkirche in Zürich (Bild: Keystone)
Ein Porträt des verstorbenen Walter Roderer steht an der Gedenkfeier in der Kreuzkirche in Zürich (Bild: Keystone)
Pfarrerin Katharina Hoby hält die Predigt an der Gedenkfeier für den Walter Roderer in der Kreuzkirche in Zürich. (Bild: Keystone)
Anina Stancu, links, Witwe von Walter Roderer, mit Pfarrerin Katharina Hoby. (Bild: Keystone)
Eingang zur Kreuzkirche in Zürich. (Bild: Keystone)
Pfarrerin Katharina Hoby hält die Predigt an der Gedenkfeier für den Walter Roderer in der Kreuzkirche in Zürich. (Bild: Keystone)
Zahlreiche Medienvertreter warten auf die «Prominenz», die dann letztlich doch nicht erscheint. (Bild: Keystone)
Walter Roderer vor seinem Haus in Illnau. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer an seinem 85. Geburtstag mit seiner Grossnichte Anina, die er 2005 heiratete. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer in seinem Garten in Illnau. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer mit seinem Bentley. (Bild: Archiv Neue LZ)
Zusammen mit Schauspielerin Lilo Pulver, anlässlich der Abdankungsfeier für Anne-Marie Blanc in der Kirche St. Peter in Zürich, (14. Februar 2009). (Bild: Keystone / Patrick B. Kraemer)
Prominente werden Taufpaten für die jungen Tiger des Zirkus Nock: Walter Roderer, Zirkusdirektor Franz Nock, Schauspielerin Ruth Jecklin, Kurdirektor Hanspeter Danuser und Bobfahrerin Francoise Burdet (von links nach rechts) am 27. Juli 2002 in St. Moritz. (Bild: Keystone / R. Stifel)
Das Schauspielerehepaar Ruth Jecklin und Walter Roderer, rechts, zusammen mit dem inzwischen ebenfalls verstorbenen Schweizer Bandleader Hazy Osterwald, Mitte, am 30. Januar 1994. (Bild: Keystone / Str.)
Walter Roderer mit Hauptdarstellerin Ursela Monn, während den Feierlichkeiten zur Open Air Premiere seines Films «Ein Schweizer namens Nötzli», am 30. September 1988 in Appenzell. (Bild: Keystone / Str)
Walter Roderer in seiner Glanzrolle, der Bauernkomödie «Der verkaufte Grossvater», am 5. November 1991 in Chur. Das Stück brachte es auf 749 Aufführungen. (Bild: Keystone / W. Bieri)
Der Schweizer Schauspieler mit seiner Frau, Ruth Jecklin Roderer, während der 4. Oltener Cabaret-Tage, am 26. Mai 1991. (Bild: Keystone / Str.)
Der «Polizist» Walter Roderer überführt einen Parksünder, das eingetriebene Geld kommt der Krebshilfe Schweiz zu Gute. Aufnahme vom 24. Oktober 1990 vor dem Opernhaus in Zürich. (Bild: Keystone / Str.)
Der Schauspieler nimmt an einem Prominenten-Trabrennen in Aarau teil (17. April 1989). (Bild: Keystone / Str.)
Walter Roderer mit seiner Frau, der bekannten Volksschauspielerin Ruth Jecklin Roderer, anlässlich der Premiere seines Films «Ein Schweizer names Nötzli» im September 1988 in Appenzell. Ruth Jecklin Roderer starb am 7. März 2004, im Alter von 69 Jahren an Krebs. (Bild: Keystone / Str.)
Walter Roderer feiert am 13. November 1987 im Stadthaus in Zürich das Jubiläum «30 Jahre Gastspieltheater Walter Roderer». V.l.n.r.: Stadtpräsident Thomas Wagner, Roderer, Emil Steinberger. (Bild: Keystone / Str.)
Der Schweizer Schauspieler leitet 1972 als Schiedsrichter ein Fussballspiel im Schnee. (Bild: Keystone / Str.)
Walter Roderer und Olga Gebhardt, aufgenommen 1959 in einer Szene des Erfolgsfilms «Der Mustergatte» unter der Regie von Karl Suter. (Bild: Keystone 7 Str.)
Der Schweizer Schauspieler Walter Roderer startet am 21. Mai 1970 auf dem Flughafen Kloten bei Zuerich, Schweiz, zu einer Amerikatournee, wo er vor Auslandschweizern auftreten wird. Links im Hintergrund steht die Schauspielerin Ruth Jecklin, hinten in der Mitte der Schauspieler Hansjoerg Bahl. (Bild: Keystone)
Der Schweizer Schauspieler Walter Roderer erhält 1977 nach der 50. Aufführung des Theaterstücks «Der Junggeselle» Blumen. (Bild: Keystone)
Portrait des Schweizer Kabarettisten und Schauspielers Walter Roderer, aufgenommen am 20. Juni 2005 in seinem Arbeitszimmer in Illnau. (Bild: Keystone)
Walter Roderer im Jahr 2006. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer bei seinem letzten Bühnenautritt in Bischofszell im Jahr 2006. (Bild: Archiv Neue LZ)
Das Schauspieler-Duo Stéphanie Glaser und Ehren-Prix-Walo-Gewinner Walter Roderer, am Prix Walo 2007 in Interlaken. (Bild: Archiv Neue LZ)
Bauchredner Urs Kliby, Sängerin Lys Assia, Bühnenstar Walter Roderer und Fussball-Legende Fritz Künzli (von links), an der Musical-Premiere «Der Schwarze Hecht» auf Rigi-Staffel 2007. (Bild: Archiv Neue LZ)
Monika Fasnacht serviert Walter Roderer ein Ochsenschwanz-Ragout, Vic Eugster (rechts) prostet zu. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer mit Lys Assia am Abschiedsfest des Landessenders Beromünster in Gunzwil 2008. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer und Jörg Schneider an der Premiere des Weihnachtszirkus Conelli in Zürich 2008. (Bild: Archiv Neue LZ)
Kurt Aeschbacher im Gespräch mit Walter Roderer am 90-Jahr-Jubiläum der Pro Senectute des Kantons Luzern 2009. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer und Jürg Randegger an der Premiere der Kleinen Niederdorfoper im Zürcher Bernhard-Theater 2009. (Bild: Archiv Neue LZ)
Ein Prosit auf Walter Roderer. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer mit Jennifer Ann Gerber an der Premiere des Zirkus Salto Natale 2009. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer an seinem 90. Geburtstag mit Christoph Blocher. (Bild: Archiv Neue LZ)
Freddy Burger, links, und Christoph Blocher, rechts, am 90. Geburtstag von Walter Roderer. (Bild: Archiv Neue LZ)
Trudy Illi sorgt dafür, dass an Walter Roderers 90. Geburtstag die weissen Rosen am Kittel des Jubilars richtig sitzen. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer mit Bandleader Pepe Lienhard. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer mit Silvia und Christoph Blocher vor dem Greifensee-Motorschiff «Stadt Uster'». (Bild: Archiv Neue LZ)
Walter Roderer an seinem 90. Geburtstag mit Silvia und Christoph Blocher in Maur. (Bild: Archiv Neue LZ)

Anina Stancu, links, Witwe von Walter Roderer, mit Pfarrerin Katharina Hoby. (Bild: Keystone)

Zwar waren mit Bauchredner Urs Kliby, Musiker Pepe Lienhard, Country-Musikerin Suzanne Klee und Kabarettist Claudio Zuccholini durchaus einige Prominente anwesend, sie waren aber deutlich in der Minderheit.

Die Witwe verlas seinen Abschiedsgruss

Um auch den Inhalt der Hauptrede bestimmen zu können, schrieb Roderer sie gleich selber. Vorgelesen wurde der Text von seiner Witwe und Grossnichte Anina Stancu (31), die er vor wenigen Jahren heimlich heiratete. Sie betrat die Kirche erst kurz vor Beginn durch den Nebeneingang und wahrte sichtbar Distanz zur Trauergemeinde.

Roderer schrieb in seinem Abschiedstext, dass er seinen ganz persönlichen Frieden gefunden habe. Er müsse sich nicht mehr mit mühsamen Sächelchen abmühen - wie Schuhe anziehen, einkaufen gehen, die Steuererklärung ausfüllen oder die Post holen. Er könne jetzt zurückschauen auf ein interessantes und wunderschönes Leben.

Er schrieb von der langen Durststrecke am Anfang seiner Karriere, von seinen Selbstmordgedanken, weil er auf keinen grünen Zweig kam und von seinen beiden ersten Ehefrauen Lenke Mekkey und Ruth Jecklin, die beide an Krebs starben.

Roderer organisierte Apéro

«Liebe Freunde», schrieb er zum Schluss an Freunde und Publikum gerichtet. «Ich sage euch jetzt nicht Adieu sondern auf Wiedersehen. Daran glaube ich.» Stancu, die den Text vorlas und immerhin den Hauptteil seines Vermögens erbt, wurde in Roderers Lebenslauf mit keinem Wort erwähnt.

Roderer liess im Anschluss an die Gedenkfeier einen Apéro für alle Anwesenden organisieren. Damit sollten Weggefährten, Freunde und Zuschauer noch einmal die Gelegenheit erhalten, Anekdoten über den bekennenden Bünzli und «Tüpflischiisser» der Nation auszutauschen.

Die Beerdigung fand bereits am Montag auf dem Friedhof Illnau- Effretikon statt. Am Grab waren nur engste Familienmitglieder zugelassen. Roderer hatte gewünscht, dass er neben seiner ersten Frau Lenke die letzte Ruhe finden sollte. Er starb am 8. Mai im Alter von 91 Jahren zuhause in Illnau.

sda