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ROHSTOFFE: Hier entsteht unser nächstes Handy: Die gefährliche Jagd nach Kobalt

Die Nachfrage nach Elektrogeräten treibt die Preise für den Batterierohstoff Kobalt in die Höhe. Der Ruf nach Elektroautos verschärft die Situation weiter. Im Kongo setzen Menschen dafür ihr Leben aufs Spiel.
Adrian Lobe
Kobalt ist in jedem Elektrogerät, der Abbau des Rohstoffs aber gefährlich und ungesund. (Bild: The Washington Post/Getty (Kawama, 8. Juni 2016))

Kobalt ist in jedem Elektrogerät, der Abbau des Rohstoffs aber gefährlich und ungesund. (Bild: The Washington Post/Getty (Kawama, 8. Juni 2016))

Adrian Lobe

Es schimmert leicht silbrig, bildet bizarre Kügelchen an der Oberfläche und gehört zu einem der begehrtesten Rohstoffe der Welt: Kobalt. Der Name des Schwermetalls leitet sich vom bösen Berggeist Kobolt ab. Weil die Erze beim Rösten giftigen Rauch ausstiessen und es nicht gelang, aus dem Röstprodukt Metall zu schmelzen, witterten die abergläubischen Berg- und Hüttenarbeiter darin das Werk von bösen Geistern, den Kobolden, die das Schwermetall dem teuren Silber teuflisch ähnlich machten.

1735 hatte der schwedische Chemiker Georg Brandt das bis dato unbekannte Element in Bismuterzen entdeckt und es auf den Namen «Koboldkönig» getauft. Das Metall, so ist in alten Chemie-Lehrbüchern nachzulesen, diente in Glasmanufakturen dazu, Glas eine blaue Farbe zu verleihen.

Heute dient der Rohstoff einem anderen Zweck: Kobalt ist neben Lithium Bestandteil von Akkus und Batterien. Während in einem handelsüblichen Handy-Akku neben 30 Milligramm Gold lediglich rund sechs Gramm Kobalt stecken, benötigt eine konventionelle Batterie für ein Elektrofahrzeug 21 Kilogramm Kobalt. Neben Batterien ist Kobalt in einer Reihe weiterer industrieller Produkte enthalten: Hartmetalle, Magnete, Katalysatoren, Trocknungsmittel für Farben. Kein iPhone, kein PC, kein (Elektro-)Auto gäbe es ohne Kobalt.

Als BMW 2016 seinen ersten Elektro-SUV präsentierte, lag der Preis für eine Tonne Kobalt bei etwas über 20000 Dollar. Nachdem weitere Autobauer die Produktion von E-Fahrzeugen in Serie ankündigten und die Politik den Druck auf Verbrennungsmotoren erhöhte sind die Weltmarktpreise explodiert. Der Preis für eine Tonne Kobalt liegt heute bei über 80000 Dollar. Die Nachfrage nach dem Rohstoff wird immer grösser. Und damit steigen auch die Preise.

Unmenschliche Arbeitsbedingungen

60 Prozent der globalen Kobalt-Vorkommen befinden sich in Lagerstätten in der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika. Ein Fünftel der Vorkommen wird von Minenarbeitern unter widrigsten Bedingungen mit blossen Händen gefördert. Die «creuseurs», die Gräber, steigen ohne Schutzkleidung in ungesicherte Schächte ab. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat diese skandalösen Arbeitsbedingungen in mehreren Berichten angeklagt. Unicef schätzt, dass in den Minen im Kongo rund 40000 Kinder schuften. Arbeitsunfälle sind an der Tagesordnung. Amnesty International kritisiert, dass Smartphone-Hersteller von Kinderarbeit profitierten, und fordert die Unternehmen auf, die Kobalt-Lieferkette transparent zu machen. Apple hat im vergan­genen Jahr zum ersten Mal eine Liste von Unternehmen veröffentlicht, die Kobalt in seinen Batterien liefern. Der Elektronikkonzern hat sich zudem einer Selbstverpflichtung verschrieben, dass kein Kobalt aus Kleinstbergbau bezogen werde, solange keine «angemessenen Schutzmassnahmen» getroffen würden. Doch ändert diese Absichtserklärung nichts an der Weltmarktsituation.

Das Problem ist, dass 97 Prozent aller Vorkommen nicht in Reinform vorliegen. Kobalt fällt als ein Nebenprodukt bei der Förderung von Kupfer oder Nickel an. Der Rohstoff reicht bei weitem nicht aus. Wenn jedes der eine Milliarde Autos, die auf den Strassen dieser Welt unterwegs sind, durch ein Tesla Model X ersetzt würde, rechnet die Agentur Bloomberg vor, bräuchte man 14 Millionen Tonnen Kobalt – das entspricht in etwa dem Doppelten der globalen Reserven. Selbst in einem realistischeren Szenario, in dem bis 2030 30 Millionen Elektroautos auf den Strassen rollen, müsste man die Fördermenge verdreifachen.

China sichert sich Zugriff auf den Rohstoff Kobalt

China, das einen gigantischen Hunger nach Rohstoffen hat und seinen Verkehr aufgrund der gesundheitsgefährdenden Umweltbelastung in den Metropolen elektrifizieren will, hat sich im Kongo bereits den Zugriff auf den wertvollen Rohstoff gesichert – sieben der zehn grössten Kobalt-Minen befinden sich im Besitz chinesischer Konsortien.

Autobauer wie Volkswagen und BMW setzen alle Hebel in Bewegung, mit langfristigen Lieferverträgen die Versorgung mit dem Schwermetall zu sichern – bislang vergeblich. Um drohende Engpässe zu vermeiden, will Apple den Rohstoff künftig direkt von den Minenbetreibern beziehen. Autobauer rekrutieren reihenweise Geologen, um mehr über die Beschaffenheit des Minerals zu erfahren, von dem Experten schon jetzt sagen, es sei das neue Öl. Derweil investiert die schwedische Regierung 1,2 Millionen Franken in die Erkundung neuer Vorkommen und Fördermöglichkeiten von Kobalt und Lithium. In Tunaberg in Südermannland befindet sich eine der ersten Lagerstätten, wo Kobalt bereits Ende des 18. Jahrhunderts abgebaut wurde. Der Rohstoffboom hat eine neue Goldgräberstimmung ausgelöst. Doch so wie Rohöl sind auch die Ressourcen für Elektrobatterien begrenzt.

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