Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

ROM: Mehrere Verletzte bei Krawallen in Rom

Ein von Migranten besetztes Haus im Zentrum Roms ist am Wochenende geräumt worden. Gestern kam es zu Zusammenstössen zwischen der Polizei und den obdachlos gewordenen Einwanderern.
Dominik Straub, Rom
Die Polizei vertreibt Migranten mit Wasserwerfern von der Piazza dell’Indipendenza. (Bild: Angelo Carconi/EPA (Rom, 24. August 2017))

Die Polizei vertreibt Migranten mit Wasserwerfern von der Piazza dell’Indipendenza. (Bild: Angelo Carconi/EPA (Rom, 24. August 2017))

Dominik Straub, Rom

Bei den Ausschreitungen sind laut Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen insgesamt 13 Migranten verletzt worden. Die Polizei meldete ihrerseits vier verletzte Beamte. Bei ihrem Einsatz bei der Piazza dell’Indipendenza unweit des Bahnhofs Termini sind die Ordnungskräfte massiv aufgetreten und hatten Schlagstöcke und Wasserwerfer eingesetzt. Die Migranten wiederum haben Gasflaschen, Brandsätze und Steine gegen die Polizisten geworfen.

Die Scharmützel, die sich auch vor den Bahnhof Termini und in die belebte Via Cavour verlagerten, haben rund sechs Stunden angedauert. Zu einem totalen Verkehrschaos ist es nur deshalb nicht gekommen, weil sich viele Römer noch in den Sommerferien am Meer befinden.

Wohnalternative zunächst nicht angeboten worden

Auslöser der Zusammenstösse war die Räumung eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes an der Piazza dell’Indipendenza, das sich heute im Besitz eines privaten Fonds befindet. Das Gebäude war 2013 von mehreren hundert Flüchtlingen hauptsächlich aus Eritrea und Äthiopien besetzt worden. Nachdem ein Richter die Räumungsklage der Besitzer 2015 gutgeheissen hatte, wurde das Haus vor vier Tagen von einem Grossaufgebot der Polizei geräumt. Eine Wohnalternative war den Migranten von der Römer Stadtverwaltung zunächst nicht angeboten worden. In der Folge campierten einige hundert von ihnen auf der Piazza, bis diese gestern ebenfalls ­geräumt wurde.

Vor der Räumung hatte die von Virginia Raggi angeführte Stadtregierung den Migranten schliesslich doch noch Wohnraum angeboten – allerdings nicht mehr im Stadtzentrum, sondern weit ausserhalb. Das Angebot wurde von den Betroffenen ausgeschlagen. Die Räumung der Piazza sei damit unumgänglich geworden, zumal die Migranten beabsichtigt hätten, ihr Camp bis mindestens Samstag aufrechtzuerhalten, betonte der Römer Polizeichef. Die UNO-Kinderhilfsorganisation Unicef wiederum kritisierte, dass bei der Räumung Dutzende von Flüchtlingen, darunter auch verängstigte und weinende Kinder, in Bussen abtransportiert worden seien.

Anerkannte Flüchtlinge ­ mit fester Arbeit

Der Sprecher von Unicef Italien, Andrea Iacomini, betonte gestern, dass die Hausbesetzung und die anschliessende Räumung mit der aktuellen Flüchtlingskrise wenig zu tun hätten: Bei den Hausbesetzern handle es sich zum weitaus grössten Teil um Flüchtlinge, die schon seit mehreren Jahren in Rom lebten und nicht nur über eine ordentliche Aufenthaltsgenehmigung, sondern auch über einen Arbeitsplatz verfügten (meist in umliegenden Hotels und Restaurants). Ihre Kinder gingen im Quartier zur Schule. «Es scheint, dass sich bei den Stadtbehörden niemand Gedanken dar­über gemacht hat, was nach der Räumung mit den Migranten geschieht», kritisierte Iacomini.

Dass in Italien ganz allgemein wenig für die Integration der Flüchtlinge unternommen wird, kritisieren Hilfswerke schon länger. Nach der Behandlung des Asylgesuchs werden die Flüchtlinge meist sich selbst überlassen. Wer Glück hat, findet eine Arbeit und eine Wohnung, die anderen landen auf der Strasse oder werden schwarz als eine Art moderne Sklaven ausgebeutet. Die jüngsten Ereignisse in Rom ­haben diesen Mangel wieder einmal in Erinnerung gerufen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.