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ROM: Vergebung für Abtreibung

Er wisse um die Gewissensnöte der Frauen, die abtreiben, sagt Franziskus. Jetzt zeigt sich der Papst grosszügig – wenigstens vorübergehend.
Papst Franziskus hat Richtlinien zum Jahr der Barmherzigkeit bekannt gegeben. (Bild: EPA/Maurizio Brambatti)

Papst Franziskus hat Richtlinien zum Jahr der Barmherzigkeit bekannt gegeben. (Bild: EPA/Maurizio Brambatti)

Dominik Straub, Rom

Das Kirchenrecht ist klar: Wer abtreibt, wird exkommuniziert. Den Kirchenbann aufheben kann in der Regel nur ein Bischof oder ein Priester, der vom Bischof einen entsprechenden Auftrag erhalten hat.

«Moralische Tragödie»

Im Frühling hat Papst Franziskus das ausserordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit ausgerufen. Das sogenannte Heilige Jahr dauert vom 8. Dezember 2015 bis am 20. November 2016. In diesem Zeitraum dürfen nun auch Priester Frauen, die abgetrieben haben und dafür «reuigen Herzens um Vergebung bitten», die Absolution erteilen. Dies teilte das Oberhaupt der katholischen Kirche gestern in einem Schreiben an Erzbischof Rino Fisichella, dem Organisator des Heiligen Jahres, mit.

Bei der Abtreibung handle es sich zwar um eine schwere Sünde, betont Franziskus. Aber er wisse um den Druck, der viele Frauen zu dieser Entscheidung geführt habe. «Ich weiss, dass dies eine existenzielle und moralische Tragödie ist. Ich bin sehr vielen Frauen begegnet, die in ihrem Herzen die Narben dieser leidvollen und schmerzhaften Entscheidung trugen.»

Barmherzigkeit im Jubiläumsjahr

Franziskus hat das Jubiläumsjahr nicht umsonst unter das Motto der Barmherzigkeit gestellt: «Die Vergebung Gottes für jeden Menschen, der bereut, kann diesem nicht versagt werden, besonders wenn er mit ehrlichem und aufrichtigem Herzen das Sakrament der Vergebung empfangen will.» Gleichzeitig fordert er die Priester auf, sich auf die «grosse Aufgabe» vorzubereiten und die Absolution mit einer Reflexion zu verbinden, die den Frauen helfe, die begangene Sünde zu begreifen. Vatikansprecher Federico Lombardi betonte gestern, dass der Papst mit seiner Anweisung keineswegs die Schwere einer Abtreibung relativiere: «Es handelt sich nicht um eine Milderung der Sünde, sondern um eine für das Heilige Jahr vorgesehene Erweiterung der Barmherzigkeit.» Lombardi betonte gleichzeitig, dass es sich um eine zeitlich begrenzte Ausnahme handle und nicht neues Kirchenrecht geschaffen werde.

In seinem Brief regelt Franziskus auch die Frage der Ablässe für andere Sünden. Die Vergebung der Sündenstrafen ist traditionsgemäss mit der Begehung eines Heiligen Jahres verbunden. Für das kommende Jubiläumsjahr legt der Papst unter anderem fest, dass die entsprechenden Gottesdienste nicht nur in Rom, sondern an allen dazu eingerichteten so genannten «Heiligen Pforten» in Bischofskirchen und Wallfahrtsorten gefeiert werden können. Alte und kranke Menschen, die nicht in der Lage sind, an den Feiern persönlich teilzunehmen, könnten laut Franziskus ebenfalls an der «besonderen Gnade» des Heiligen Jahres teilhaben, indem sie Gottesdienste zum Beispiel via Medien verfolgen.

Aufruf zu Amnestie

Zu katholischen Jubiläumsjahren gehört auch der päpstliche Aufruf an die Regierungen zu einer allgemeinen Amnestie für Strafgefangene. Dieser Tradition bleibt auch Franziskus treu: In seinem Brief fordert er eine «umfassende Begnadigung, bestimmt für jene, die eine Strafe verdient haben, sich aber des begangenen Unrechts bewusst geworden sind und den aufrichtigen Wunsch haben, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern und dort ihren ehrlichen Beitrag zu leisten».

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