RUSSLAND: Flugzeugabsturz fordert 92 Tote

Der Absturz eines russischen Flugzeugs auf dem Weg nach Syrien hat 92 Menschen das Leben gekostet. Die Maschine vom Typ Tupolew Tu-154 ging am Sonntag über dem Schwarzen Meer verloren. An Bord waren 64 Sänger und Tänzer vom Alexandrow-Armeechor, wie das russische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte.

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Ein Archivbild einer TU-154. (Bild: Keystone/EPA/SERGEI ILNITSKY (2. Juli 2002))

Ein Archivbild einer TU-154. (Bild: Keystone/EPA/SERGEI ILNITSKY (2. Juli 2002))

Der Armeechor sollte nach Syrien fliegen, um auf der russischen Luftwaffenbasis bei Latakia ein Konzert zu geben. Die Absturzursache ist noch nicht geklärt. Es gebe keine Hoffnung auf Überlebende, erklärte das Verteidigungsministerium am Sonntag in Moskau. Präsident Wladimir Putin ordnete für Montag einen landesweiten Trauertag an. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sprach von einer "fürchterlichen Katastrophe", wie die Agentur Interfax meldete. Die Maschine aus Moskau hatte in Sotschi eine Zwischenlandung eingelegt und war nach Militärangaben um 5.25 Uhr Ortszeit (3.25 Uhr MEZ) wieder gestartet. Neben den Musikern seien acht Mann Besatzung, neun Fernsehjournalisten der Sender NTW, Erster Kanal und Swesda sowie Militärs und Beamte an Bord gewesen.

Suche nach Opfern

Das Verteidigungsministerium korrigierte die Zahl der Opfer mehrmals und sprach am Nachmittag von 92 Toten. Auch der Chorleiter, Generalleutnant Waleri Chilalow, kam ums Leben. Etwa 3000 Rettungskräfte auf 27 Schiffen suchten die Küste vor dem Ferienort Sotschi ab. Bis zum Sonntagnachmittag wurden zehn Leichen geborgen. Bei einem Flugmanöver im Steigflug könnte es ein "kritisches technisches Problem" gegeben haben, sagte ein nicht genannter Behördenvertreter der Agentur Interfax. Auch ein Fehler der Militärpiloten werde nicht ausgeschlossen, obwohl sie erfahren waren. Routinemässig gingen Ermittler auch dem Verdacht auf einen Anschlag nach. Die Maschine setzte den Angaben nach kein Notsignal ab. Die Trümmer verteilten sich auf dem Wasser über mehrere Kilometer. Ende Oktober 2015 war ein russisches Touristenflugzeug mit 224 Menschen an Bord über der ägyptischen Sinai-Halbinsel in die Luft gesprengt worden.

Reger Luftverkehr

Russland kämpft seit Herbst 2015 im Syrien-Krieg aufseiten des Präsidenten Baschar al-Assad. Die militärischen Verluste waren dabei nach offiziellen Angaben begrenzt. Zur Versorgung der Basis Hamaimim betreibt das Verteidigungsministerium einen regen Luftverkehr. Dabei werden auch alternde Zivilflugzeuge wie die 1983 gebaute Tupolew eingesetzt. Anfang Mai hatte das russische Militär den Stardirigenten Waleri Gergijew und sein Orchester zu einem Konzert in die syrische Wüstenstadt Palmyra geflogen. Die Tragödie werde nichts am russischen Verhältnis zu Syrien ändern, sagte der Vorsitzende des Aussenausschusses im Parlament, Leonid Sluzki. "Die Beziehungen zu Syrien sind und bleiben sehr eng, auch im Rahmen der gemeinsamen Operation, den internationalen Terror vom Gebiet des Landes zu vertreiben", sagte er. Putin wurde nach Angaben seines Sprechers ständig über die Sucharbeiten auf dem Laufenden gehalten. Koordiniert wurden sie von Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Assad kondoliert

Russlands Verbündeter, der syrische Präsident Assad, sprach Putin sein Beileid angesichts der vielen Todesopfer aus. Der Absturz des Flugzeugs, das "gute Freunde" an Bord hatte, habe grosse Trauer hervorgerufen, schrieb Assad der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge. Er betonte den "ehrenhaften Marsch gegen den Terrorismus", den Russland und Syrien gemeinsam führten. Neben der deutschen Kanzlerin Angela Merkel kondolierte auch Bundesrat Didier Burkhalter, wie es am Sonntag aus seinem Aussendepartement hiess. Das Alexandrow-Ensemble hat eine reiche Tradition als Soldatenchor der sowjetischen und russischen Armee. Gegründet wurde der Chor 1928 von Alexander Alexandrow (1883-1946), der auch die Nationalhymne der Sowjetunion komponierte. Das Repertoire umfasst etwa 2000 Werke, zu denen orthodoxe Kirchenlieder, russische Volkslieder, Märsche, aber auch Meisterwerke der Popmusik zählen.

(sda)