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RUSSLAND: Moskau versinkt im Schnee

In der Hauptstadt schneit es seit Tagen heftig. Es gibt Verletzte und Tote und so viele Auffahrunfälle, dass zahlreiche Autofahrer ihre Blechschäden einfach ignorieren.
Stefan Scholl, Moskau
Auf dem Roten Platz vor dem Kreml in Moskau kämpfen sich Passanten durch den Schnee. (Bild: Maxim Shipenkow/EPA (Moskau, 4. Februar 2018))

Auf dem Roten Platz vor dem Kreml in Moskau kämpfen sich Passanten durch den Schnee. (Bild: Maxim Shipenkow/EPA (Moskau, 4. Februar 2018))

Stefan Scholl, Moskau

Es gibt auch Unfälle in Zeitlupe. Vor einer Fussgängerampel auf der zugeschneiten Krasnaja-Presnaja-Strasse hält ein Renault, auch der Kia-Jeep hinter ihm bremst, rutscht trotzdem weiter über den Schnee, fährt dem Renault ins Heck. Leute steigen aus, gestikulieren, betrachten die angebeulten Stossstangen. Aber als die Ampel wieder auf Grün springt, steigen alle wieder ein und fahren weiter. Offenbar haben die Beteiligten keine Lust, wegen leichter Blechschäden ­einen halben Tag auf die überlastete Verkehrspolizei zu warten.

Über Moskau tobt ein Rekordschneesturm. Seit Samstagmorgen fällt ununterbrochen Schnee, nach Angaben des Hy­drometrischen Zentrums Russlands betrugen die Niederschläge in Moskau am Wochenende 53 Millimeter, 150 Prozent des Monatsdurchschnitts, für Februaranfang Rekord seit Beginn der Messungen. Die Schneehöhe stieg auf 55 Zentimeter. Und gestern schneite es weiter.

Stromversorgung zusammengebrochen

Am Samstag hatte es bei nassem Schnee und starkem Wind erste Opfer gegeben. Ein Mann kam am Abend durch einen Stromschlag ums Leben, als er beim Aussteigen aus dem Auto in eine Eispfütze trat, in der ein gerissenes Starkstromkabel lag. Wegen zerstörter Leitungen brach zwischenzeitlich die Stromversorgung von etwa 40 000 Menschen in Zentralrussland zusammen. In Moskau wurden fünf Menschen durch umstürzende Bäume verletzt, etwa 2000 Bäume knickten unter der Schneelast ein, beschädigten dabei ein Dutzend Fahrzeuge. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, die schon in der Nacht auf Sonntag auf bis zu minus 12 Grad fielen, gefror auf vielen Strassen der Schneematsch und geriet zum eisglatten Untergrund für sich darauf häufenden Schnee. Seit Samstag wurden in Moskau über 2000 Verkehrsunfälle registriert, zum Grossteil nur Blechschäden, weil die Fahrer meist sehr langsam unterwegs waren, lediglich 32 Menschen wurden verletzt. Über 100 Flüge auf den vier Moskauer Passagierflughäfen mussten allein gestern verlegt werden, der Blogger Ilja Warlamow schreibt sogar von 180 verschobenen oder abgesagten Flügen.

Laut Bürgermeister ein Jahrhundertschneefall

«Das war ein Jahrhundertschneefall», erklärte Bürgermeister Sergei Sobjanin gestern. «Aber ein Kollaps oder eine Katastrophe sind ausgeblieben, die Stadt arbeitet normal.» Tatsächlich meldete das Verkehrsportal Yandex Probki gestern eine Staudichte von 60 Prozent, das sind nur 10 Prozent mehr als üblich. Allerdings gab es viele Staus im Moskauer Umland.

Nach Angaben der Zeitung «Komsomolskaja Prawda» räumten in der Nacht auf Montag rund 70 000 Gemeindearbeiter und etwa 5000 U-Bahn-Bedienstete Schnee. Sobjanin, der den Schulkindern gestern freigab, dementierte Meldungen, man habe auch Einheiten der Armee einsetzen müssen. Unter Sobjanins Vorgänger Juri Luschkow war Moskaus Stadtverwaltung für ihre nächtlichen Schneeräumschlachten berühmt. Gestern aber fragten sich viele Bürger, warum tagelang nur wenige der offiziell einsatzbereiten 11 000 Schneeräumfahrzeuge zu sehen waren. «Achtung. In Moskau gab es den Diebstahl des Jahrhunderts», spottet der Blogger Stopliksutow auf Facebook. «Dem Rathaus wurden 11 000 Schneepflüge entwendet.»

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