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SAUDI-ARABIEN: Verhaftung wegen Minirock

Ein saudisches Modell zeigt in der Öffentlichkeit Haare und Beine und ruft damit die Religionspolizei auf den Plan. Nur wenige Mutige kritisieren die Doppelmoral der Gesellschaft.
Michael Wrase, Limassol
Kuhlood schlendert im Minirock durch eine Gasse. (Bild: Twitter)

Kuhlood schlendert im Minirock durch eine Gasse. (Bild: Twitter)

Michael Wrase, Limassol

Das saudische Modell mit dem Künstlernamen Khulood wollte provozieren – und das ist ihr trefflich gelungen: Im Minirock und bauchfreiem Oberteil schlendert die unverhüllte junge Frau über die Befestigungsanlagen einer restaurierten Burg und blickt mit einem gekonnten Hüftschwung kurz in die Handy­cam. Ihre Augen sind dabei hinter einer riesigen Sonnenbrille verborgen.

Gerade einmal sechs Sekunden lang ist das via Twitter und Snapchat verbreitete Video aus dem Museumsdorf Ushayqir, das ebenfalls mit Bedacht ausgewählt wurde: Es ist die Heimat von Mohammed Abdel al Wahab.

Die Gefolgsleute des erzreaktionären saudischen Religionsstifters waren dann auch die ­Ersten, die sich berufen fühlten, «im Namen Allahs» zur Bestrafung von Khulood aufzurufen. Schliesslich habe auch «die persönliche Freiheit ihre Grenzen», ereiferte sich ein wahabitischer Frömmler namens Abdelkader.

Die «volle Härte der Scharia», des islamischen Rechtes, müsse jetzt angewendet werden. Das können Peitschenhiebe und Gefängnis sein. In den Chatrooms arabischer Medien soll sogar die Todesstrafe für das saudische Modell gefordert worden sein, das sich so mutig den rigiden Kleidervorschriften des Wüstenkönigreiches widersetzte.

Als Konsequenz ihres skandalösen Handelns müsse jetzt die Religionspolizei wieder aktiv werden. «Das ist ein Muss», ­keifte der Journalist Khaled Zidan. Wenn es Menschen erlaubt werde, gegen die Gesetze des Korans zu verstossen, führe dies in Chaos, belehrte der Schriftsteller Ibrahim al-Munayif seine 41000 Follower auf Twitter.

Dass die sogenannten «Verteidiger des rechten Glaubens» die von einigen Saudis als «heuchlerisch» empfundene «Minirock-Diskussion» dominieren würden, war zu erwarten. Nur wenige Saudis brachten den Mut auf, die enthüllte Khulood mit ihrem vollen Namen in den sozialen Medien zu verteidigen. «Erschrocken und entsetzt» über die wütenden Reaktionen seiner Landsleute zeigte sich der saudische Philosoph Wael al-Gassim. «Ich dachte, die Frau hätte jemanden in die Luft gejagt. Dabei ging es nur um ihren Rock.» Melania und Ivanka Trump hätten dem König sogar im Rock die Hand geschüttelt und seien dafür «bejubelt worden», kritisiert Khaled aus Riad die Doppelmoral der saudischen Gesellschaft.

Macht der Religionspolizei zuvor stark beschnitten

«Wie sollen wir unsere Zukunftsvisionen verwirklichen», fragte der Student, «wenn Frauen wie Khulood im Gefängnis schmoren müssen?» Die Behörden sollen mittlerweile die Einheiten der verhassten Religionspolizei reaktiviert haben, und laut dem saudischen Staatsfernsehen ­wurde das Modell verhaftet. Die Macht der Religionspolizei war von Mohammed bin Salman zuvor stark beschnitten worden. Der neue Kronprinz in Saudi-Arabien ist vor allem bei der Jugend im Staat sehr populär.

Beobachter in Riad halten es für denkbar, dass «MBS», so der Spitzname des künftigen Königs von Saudi-Arabien, das Modell zu ihrer Enthüllungsaktion ermutigt oder diese zumindest gedeckt hat. Den Zorn des religiösen Establishments, das zeigen die Reaktionen auf das Video, kann sich der Kronprinz sicher sein. Ohne eine Konfrontation können die von der Mehrheit der Bevölkerung herbeigesehnten gesellschaftlichen Veränderungen aber nicht in Gang gebracht werden. Die «Enthüllung von Ushayqir», analysiert Alia aus Taif im Internet, sei daher «auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung» gewesen.

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