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SCHAUSPIELER: «Ich glaube, dass Talent überschätzt wird»

Im Schweizer «Tatort» von heute Abend hat er einen starken mörderischen Auftritt. Antoine Monot, Jr. (40) kann aber auch ganz nett und witzig sein, etwa in TV-Werbesports, die ihm viel Popularität eingetragen haben.
Interview Julia Stephan
Szene aus dem heutigen «Tatort» (SRF 1, 20.05 Uhr) mit Mehrfach- mörder Simon Amstad, gespielt von Antoine Monot, Jr. (Bild Boris Bürgisser)

Szene aus dem heutigen «Tatort» (SRF 1, 20.05 Uhr) mit Mehrfach- mörder Simon Amstad, gespielt von Antoine Monot, Jr. (Bild Boris Bürgisser)

Antoine Monot, Jr., so früh wie im neuen Luzerner «Tatort» wurde ein Täter selten enttarnt. Schon nach Minute zwei steht fest, wer da Jagd macht auf Vergewaltiger und Raser. Sie als Täter bekommen da eine ungewöhnlich grosse Bühne. Konnten Sie die nutzen?

Antoine Monot, Jr.: Dass man als Zuschauer so nah an der Figur ist, ist schon etwas Besonderes! Dieser Simon Amstad, den ich verkörpere, hat ja keine niederen Motive, sondern übt sich in Selbstjustiz, weil das Rechtssystem mit der Verurteilung von Straftätern nicht mehr hinterherkommt. Schon beim Dreh merkte ich: Das komplexe Profil dieses Mannes wird eine Herausforderung für mich.

Inwiefern?

Monot, Jr.: Im Vorfeld dachte ich, das sei kein grosses Ding. Meine Rolle hat ja nicht viel Text, das sind einfache Szenen. Doch während des Drehs hat diese Figur mir psychisch alles abverlangt. Die Rolle war ein Arschloch, und die hat mir von hinten so richtig eins übergezogen. Mich hat das sehr herausgefordert.

Auf Ihrem Youtube-Kanal (siehe Hinweis am Schluss) haben Sie ein Video vom Dreh gepostet. Man sieht, wie das Filmteam darum bemüht ist, dass es so aussieht, als sässen Sie in einem fahrenden Lieferwagen. Amüsiert Sie das auch als Profi noch?

Monot, Jr.: Ja, das war ein lustiger Moment. Film ist Fiktion. Das wissen wir ja alle. Das Blut ist nicht echt, die Gewalt nur gespielt und der Tod eine Behauptung. Aber immer mal wieder erleben selbst wir kleine Perlen. Das war so eine. Wir haben eine Fahrszene im Stand gedreht, und das war so absurd, da musste ich dem Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen gönnen.

Auf Ihrem Youtube-Kanal geben Sie sich sehr publikumsnah und unprätentiös, beantworten jede Frage Ihrer Fangemeinde. Warum etikettieren Sie sich eigentlich mit diesem merkwürdigen Kürzel «Junior»?

Monot, Jr.: Das ist keine Etikettierung, sondern mein Name. Wenn ich früher mit meinem Vater, einem Dirigenten und Komponisten aus der Westschweiz, unterwegs war, hiess es immer, «das ist der Monot, Junior». Das habe ich später beibehalten.

Inzwischen haben Sie Ihren Vater in punkto Bekanntheitsgrad überflügelt. Spätestens, seit Sie für den Elektronikhändler Saturn in der Rolle des sympathischen Fachverkäufers Tech-Nick oder auch in Migros-Spots zur Werbe-Kultfigur wurden, kennt Sie fast jeder. Hat Sie das verändert?

Monot, Jr.: Ich habe der Rolle des Tech-Nick wahnsinnig viel zu verdanken. Ich bin seit 22 Jahren im Geschäft, durfte schon viele Erfolge feiern. Aber der Tech-Nick hat mir noch mal einen ungeheuren Popularitätsschub verpasst, dafür bin ich sehr dankbar.

Hatten Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Monot, Jr.: Überhaupt nicht! Wenn man das denkt, hat man schon verloren. Dass die Menschen diesen Tech-Nick so sympathisch aufnehmen würden, damit konnte ich nicht rechnen. Dass ich damit auffallen würde, schon gar nicht. Wie viele Werbegesichter gibt es, die jahrelang ein Produkt begleiten, ohne dass man sie wahrnimmt?

Ist der Tech-Nick auch ein bisschen eine Leidenschaft von Ihnen? Immerhin haben Sie letztes Jahr im erfolgreichen deutschen Thriller «Who Am I» einen Hacker gespielt.

Monot, Jr.: Und wie! Ich bin ein Technik-Nerd! Ich kann ein bisschen Script-Sprachen schreiben und lesen, habe früh programmieren gelernt. Leider fehlt mir heute die Zeit. Ich weiss in der Regel über alle Technikneuheiten Bescheid, weiss, was auf den Markt kommt und was angesagt ist. Vor einem Jahr habe ich mein Leben umgekrempelt und bin papierlos geworden, seither erledige ich alles digital. Das hat mir mein Leben unfassbar erleichtert.

Als halber Schweizer – Ihre Mutter ist eine deutsche Schauspielerin – haben Sie 18 Jahre lang in der Schweiz gelebt. Welche Schweizer Eigenschaften können Sie heute noch an sich beobachten?

Monot, Jr.: Ich bin relativ diskret. Das ist wohl das Schweizerischste an mir. (lacht)

Ihre Karriere verlief zu Beginn nicht ohne Turbulenzen. In der Schweiz haben Sie an der Zürcher Hochschule der Künste Schauspiel studiert – und wurden rausgeworfen. Mit welcher Begründung?

Monot, Jr.: Rückblickend ist es ganz einfach, ich war zu jung. Man hatte mich mit 15 zum Studium zugelassen. Mit den Strukturen des Hochschulstudiums kam ich überhaupt nicht klar. Ich war ein pubertierender Junge, der gerade neun Jahre Schule hinter sich gebracht hatte. Ich machte einfach weiter wie in der Schule. Zusammen mit Leuten, die diesen Studiengang alle freiwillig gewählt hatten, tat ich so, als müsste ich dort sein, und habe versucht, jede Gruppendynamik zu sprengen.

Fordern Sie diesen Freiraum heute noch für sich ein? Oder hat sich das im reiferen Alter etwas gelegt ...?

Monot, Jr.: Na ja, ich gehe mal stark davon aus, dass ich als 40-Jähriger nicht mehr agiere wie mit 15. (lacht)

Sie wollten mit elf Schauspieler werden. Hat sich das Talent früh gezeigt?

Monot, Jr.: Nein. Talent kann man nur zeigen, wenn man den Beruf ausübt. Mit elf hatte ich noch überhaupt keine Schauspielerfahrung. Sowieso glaube ich, dass Talent – in jedem Beruf – überschätzt wird. Talent ist wichtig, aber Fleiss entscheidet zu 90 Prozent, ob man in einem Beruf erfolgreich ist oder nicht.

Sind Sie ein Fleissarbeiter?

Monot, Jr.: Ich bin sehr zielorientiert, weiss, was ich will,, und setze alles daran, das zu erreichen.

Was man gerne vergisst: Sie sind auch Unternehmer. Sie waren Mitbegründer des Zurich Film Festival, haben eine Produktionsfirma gegründet und sind im Vorstand des Bundesverbands Schauspiel (BFFS) aktiv. Ist diese Seite für Sie mindestens genauso wichtig wie die Schauspielerei?

Monot, Jr.: Das Unternehmertum ist bei mir sehr ausgeprägt. Ich mache sehr gerne verschiedene Sachen. Antoine Monot, Jr. ist eine kleine Fabrik, die mich zum Produkt hat und der ich all meine Aktivitäten unterordne.

Ihr neustes Produkt: ein Besserwisser-Buch, das im Oktober erscheint. Warum sollte man ausgerechnet Sie als Ratgeber konsultieren?

Monot, Jr.: Mir hängt seit jeher das Etikett an, ein Besserwisser zu sein. Damit habe ich erfolgreich schon so einige Frauen in meinem Leben vertrieben. (lacht) Um das quasi therapeutisch aufzuarbeiten, habe ich diese ewige Besserwisserei jetzt mal zu Papier gebracht.

Wem soll das helfen?

Monot, Jr.: Ich wollte endlich mal klarstellen, dass ich kein stoischer Besserwisser bin, sondern einfach nur vieles besser weiss. Das sind nämlich zwei Paar Schuhe. (lacht) Dabei ist es doch nicht verwerflich, sich in vielen Lebensbereichen auszukennen. Ich bin ein Informationsjunkie, der schon immer sehr viel gelesen hat. Von Tageszeitungen über politische Magazine bis zum Kreuzfahrtmagazin. Mein Wissensdurst ist schier unerschöpflich. Mit dem Buch sorge ich endlich für Klarheit. Meine Ex-Freundinnen sollen doch wissen, warum sie mich verlassen haben (lacht), so können sie mir im Nachhinein meine Eigenheiten verzeihen. Ganz schön clever, oder?

Wie äussert sich denn diese Besserwisserei?

Monot, Jr.: Als meine Freundin einmal den «Spiegel» aus dem Briefkasten holte, lag das noch im Bereich des Verkraftbaren. Als sie ihn dann anfing zu lesen, bin ich schon nervös geworden, aber als sie ihn dann umdrehte und von hinten nach vorne las, dachte ich, dass sie wahnsinnig geworden ist. So ein «Spiegel» hat doch einen Aufbau, die Macher haben sich doch in der Reihenfolge der Ressorts etwas gedacht. Als ich dann anfing, ihr zu erklären, wie man den «Spiegel» zu lesen hat, da konnte man die Luft schon schneiden hören. Das Ergebnis? Ich schlief eine Woche auf der Couch. Aber am allerallerschlimmsten ist es, wenn die Tageszeitung vor mir gelesen wird, wenn sie schon benutzt wurde, dann ist das für mich totes Papier. Das fasse ich nicht mehr an. Das ist für immer verdammt.

Sie ersetzen in der Neuauflage von «Ein Fall für zwei» mit Wanja Mues das alte Dreamteam Matula/Lessing. Könnten Sie sich auch eine «Tat­ort»-Kommissarenrolle vorstellen?

Monot, Jr.: Ich kann mir in meinem Leben grundsätzlich alles vorstellen! (lacht)

Interview Julia Stephan

Hinweis

Web-Links: www.monot.com/ und www.youtube.com/user/AntoineMonotJr

Der Charakterkopf lebte in Unterägeri

Vielseitig jst. Einer wie er bleibt im Kopf. Ob als Scharfschütze im neuen Luzerner «Tatort» «Ihr werdet gerichtet», als Rechtsanwalt Benni Hornberg in der Neuauflage der TV-Serie «Ein Fall für zwei» oder als knuffiger Verkäufer in der Werbung für einen Unterhaltungselektronik-Fachmarkt: Der Schauspieler und Filmproduzent Antoine Monot, Jr. (40) ist ein Charaktergesicht. Der Sohn eines Westschweizer Komponisten und einer deutschen Schauspielerin besitzt seit Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit und das Schweizer Bürgerrecht. Aufgewachsen ist er in Deutschland, später lebte er eine Zeit lang in Unterägeri ZG. Monot, Jr. flog als 15-jähriger Pubertierender in Zürich von der Schauspielschule. Er schaffte aber mit dem Film «Absolute Giganten» (1999) dennoch den Durchbruch im deutschen Filmbusiness. Zuletzt machte er mit dem Thriller «Who I Am» (2014) auf sich aufmerksam. Monot, Jr. hat das Zurich Film Festival mitbegründet. Heute lebt er in München und sitzt im Vorstand des Bundesverbands Schauspiel (BFFS).

Den «Junior» aus seiner Kindheit hat er beibehalten, er gehört heute einfach zu seinem Namen: Schauspieler Antoine Monot, Jr. während unseres Interviews in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Den «Junior» aus seiner Kindheit hat er beibehalten, er gehört heute einfach zu seinem Namen: Schauspieler Antoine Monot, Jr. während unseres Interviews in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

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