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SCHMUCK: Liebesperlen

Kleopatra, Maria Tudor und Elisabeth I von England, Liz Taylor oder Coco Chanel, sie alle liebten Perlen. Und wenn es eine Perlengeschichte zum Valentinstag gibt, dann die der «Peregrina».
Ingrid Schindler
Die «Peregrina» auf Liz Taylors Decollté (1976). (Bild: Terry O’Neill/Getty)

Die «Peregrina» auf Liz Taylors Decollté (1976). (Bild: Terry O’Neill/Getty)

Ingrid Schindler

Wenn ein Mann den Valentinstag vergisst oder ignoriert, kann das zum Verhängnis werden. Wenn er seiner Frau an dem Tag Rosen schenkt, ist das nett. Wenn er sie zu einem, sagen wir mal, Candlelight-Dinner einlädt, romantisch. Wenn er ihr ein kleines Schmuckstück schenkt, herzig. Weltbewegend ist es nicht. Wenn das aber ein Filmstar tut und die Beschenkte die «schönste Frau ihrer Zeit» ist, dann schon. Die Rede ist von Richard Burton, Elizabeth Taylor und «La Peregrina», der Wanderperle. Was für eine Geschichte! Filmreif im doppelten Sinn. Alles beginnt mit einer Wette im alten Ägypten, die der römische Gelehrte Plinius der Ältere der Nachwelt überliefert hat.

Um Marcus Antonius ihre Liebe zu beweisen, wettete Kleopatra, sie könne ihm das teuerste, luxuriöseste Essen der Welt vorsetzen. Die Königin bat den römischen Feldherrn zu Tisch, nahm die beiden tropfenförmigen Orientperlen – die grössten und kostbarsten der Welt – aus ihren Ohrringen und warf eine in ihren Becher mit Wein (oder Essig). Diese löste sich darin auf. Kleopatra trank den Perlenwein und reichte Antonius die andere Perle, um dasselbe zu tun. Er gab sich geschlagen.

1963 wiederholt sich die Szene mit Richard Burton als Antonius und Liz Taylor als Kleopatra.

13,2 Gramm Perle zum Valentinstag

Der gefeierte Shakespeare-Darsteller lernt bei den Dreharbeiten die «schönste Frau ihrer Zeit» kennen. Taylor wird die Liebe seines Lebens. Sie heiraten, lassen sich scheiden, heiraten wieder, lassen sich wieder scheiden und können doch nicht voneinander lassen. Burton schreibt ins Tagebuch: «Elizabeth ist ein ewiger One-Night-Stand...ich bin verrückt nach dieser Frau.» Wie der Erbe Cäsars aus Liebe zur ägyptischen Königin die Weltherrschaft verspielt, verfällt Burton seiner «Königin» und verspielt die Fortsetzung seiner Weltkarriere. Er verwöhnt sie mit Luxus und Juwelen. 1969 ersteigert er während Ehe Nr. 1 in Anlehnung an die Szene im Film die weltberühmte, tropfenförmige «Wanderperle» bei Sotheby’s in New York und schenkt sie Liz zum Valentinstag.

Die Geschichte der «Peregrina» beginnt auf den Islas de las Perlas, einer Inselgruppe im Golf von Panama. Die Indios leben gut vom Handel mit Perlmuscheln, bis die spanischen Conquistadores Wind davon bekommen, die Inseln erobern und die Bewohner ausrotten, um Sklaven als Perlentaucher anzusiedeln. Ein afrikanischer Sklave holt Mitte des 16. Jahrhunderts eine Perlmuschel mit einer 13,2 g schweren, perfekten Perle aus dem Pazifik herauf. Sie geht an die spanische Krone, schmückt zahlreiche Königinnen, wandert durch die Schatullen der Tudors, Windsors, Bonapartes, bis sie schliesslich in bürgerliche Hände gelangt.

Perlen sind die ältesten Juwelen der Menschheit, die einzigen, die die Natur in vielen Farben und Formen gebrauchsfertig liefert. Seit mindestens 5000 v.Chr. in China bekannt, verbinden sie alle Kulturen mit Göttern, Mythen und Magie, insbesondere den Gottheiten der Liebe und interpretieren sie u.a. als Tautropfen oder Tränen der Götter.

Die Kirche entdeckt sie erst im Mittelalter für sich. Umso stärker finden Perlen als Symbol der reinen, unbefleckten Liebe Eingang in die christlich-sakrale Kunst. Auch Altartextilien, Bischofsmützen, Mess- und Brautgewänder werden mit Perlen bestickt. Sie etablieren sich, wie schon bei den Indern, Persern, Griechen oder Römern, als Brautgabe des Vaters an die Tochter oder Bräutigams an Braut. Freilich nur in den obersten Kreisen.

Gesetz gegen Perlensucht im alten Rom

So hält etwa der spanische Prinz Philipp II. just mit «La Peregrina» um die Hand Maria Tudors, der Königin von England, an. Wie üblich lernen sich die beiden 1554 erst Tage vor der Hochzeit kennen. Die Königin verliebt sich in Prinz und Perle, sein Herz erobert sie nicht. Die «Peregrina» trägt sie an einer Brosche über ihrem Herzen, dann an einem Collier bis zu ihrem Tod. Ihre Nachfolgerin Elisabeth I. von England zeigt sich als unmässige Perlenliebhaberin. Sie trägt sieben, bis knielange Perlenstränge gleichzeitig sowie perlenbesetzten Kopfschmuck und Perücken und lässt ihre Kleider mit Tausenden von Perlen verzieren. Der verschwenderische Umgang ist nicht neu. Schon Kaiser Caligula war derart von Perlen besessen, dass er sein Lieblingspferd und seine Stiefel damit schmückte. Die Perlensucht grassierte so masslos im alten Rom, dass schliesslich ein Gesetz regelte, wie viele Perlen eine Person tragen dürfe.

Mitte des 19. Jahrhunderts lösen sie Diamanten als girl’s best friends ab, trotzdem bleiben Perlenkette und -ohrringe die Schmuckklassiker des Adels und der Bourgeoisie. Das eng am Hals anliegende, mehrreihige Collier de chien wird modisch. Im 20. Jahrhundert gehören Perlen zur zeitlosen Grundausstattung einer jeden Dame. Die Einführung von japanischen Zuchtperlen 1919 macht sie erschwinglich – im Gegensatz zu wilden Perlen, die immer rarer werden wie die Perlentaucher selbst, wobei auch die Verschmutzung der Meere den Muschelbänken zusetzt.

Coco Chanel und Scarlett Johansson

Für Stilikone Coco Chanel bleibt die Perlenkette ein Must, sie trägt Perlen en masse, echte und falsche zugleich. Und zeigt damit, dass frau auch mit billigem Modeschmuck Dame von Welt sein kann und Eleganz keine Frage des Geldbeutels ist.

Seit der Verfilmung des Romans «Das Mädchen mit dem Perlenohrring» 2003 mit Scarlett Johansson, der sich am gleichnamigen Porträt Jan Vermeers von 1665 orientiert, sind Perlen auch bei jungen Frauen wieder «in». Während «Die Perlenwägerin» auf einem anderen Gemälde des holländischen Meisters echte Naturperlen zählt, sind heute nur noch Zucht- und Imitationsperlen im Handel, von historischen Schmuckstücken mit Naturperlen abgesehen, die astronomische Preise auf Auktionen erzielen. So gesehen hat Richard Burton 1969 ein echtes Schnäppchen gemacht, als er die «Peregrina» für lediglich 37 000 Dollar erstand. Nach Elizabeth Taylors Tod 2011 brachte die Versteigerung des «Peregrina»-Colliers bei Christie’s 11,8 Mio. Dollar ein. Sie ging an einen anonymen Käufer in Asien. Der Sklave, der die Wanderperle 500 Jahre zuvor entdeckte, ging seinerzeit leer aus, aber er erhielt im Gegenzug etwas Unbezahlbares: seine Freiheit.

Werfen Sie keine Perle in den Wein!

Erzählen Sie doch Ihrem Partner am Valentinstag bei einem Glas Wein diese Geschichte! Aber werfen Sie keine Perle hinein! Der Wein wird weder perlen, noch diese auflösen. Auch mit Essig funktioniert das nicht. Perlwasser, aqua perlata, gibt es dagegen tatsächlich. Im Mittelalter war der Drink aus Perlenpulver, Essig, Zucker und Kräutern aus gesundheitlichen und aphrodisischen Gründen beliebt.

Im 16. Jahrhundert schmückt die «Peregrina» Maria Tudor. (Bild: Getty)

Im 16. Jahrhundert schmückt die «Peregrina» Maria Tudor. (Bild: Getty)

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