Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHÖNHEITSPFLEGE: Bio im Badezimmer

Naturkosmetik ist im Trend. Konzerne wie L’Oréal wollen auf den Zug aufspringen und lancieren «grüne» Shampoos. Aber: Bio- und Naturkosmetik ist nicht automatisch besser.
Melissa Müller
Was ist drin in der Gesichtsmaske? Die Konsumentinnen wollen keine schädlichen Inhaltsstoffe in ihren Kosmetikprodukten. (Bild: Petri Oeschger/Getty)

Was ist drin in der Gesichtsmaske? Die Konsumentinnen wollen keine schädlichen Inhaltsstoffe in ihren Kosmetikprodukten. (Bild: Petri Oeschger/Getty)

Melissa Müller

Modeschöpferin Victoria Beckham pflegt ihren Luxuskörper mit der «Skin Food»-Crème von Weleda. Dass eine Glitzer-Lady wie sie dazu greift, schien bis vor kurzem unvorstellbar. Die 100-jährige Schweizer Marke mit Sitz in Arlesheim kommt mit ihren klobig-bunten Verpackungen und dem anthroposophischen Schriftzug etwas altbacken daher. Auch das schwäbische Unternehmen Dr. Hauschka, seit 45 Jahren für seine Rosencrème bekannt, wirkt eher bodenständig als prestigeträchtig und fristete jahrelang ein Nischendasein in der Ökoecke. Heute sind Julia Roberts und Jennifer Lopez bekennende Fans. Hipster und Fashionistas wollen zurück zur Natur.

Dass Kosmetikhersteller, die mit altem Kräuterwissen arbeiten, gerade jetzt einen Aufschwung erleben, ist kein Zufall. Die Konsumentinnen und Konsumenten denken um. So, wie sie es etwa auch bei der Ernährung tun und auf saisonale, einheimische Bio-Produkte achten. Oder auf vegan umstellen. Durch das Internet sind sie gut informiert und wollen wissen, was in der Tube steckt. Viele US-Blogger misstrauen der Industrie und stellen ihre Kosmetik aus Küchenzutaten selber her.

Konsumentenschützer weisen seit geraumer Zeit auf schädliche Inhaltsstoffe hin. Aluminiumsalze in Deodorants sind ein wiederkehrendes Thema. Ob sie das Krebsrisiko steigern oder Alzheimer begünstigen, ist nicht endgültig geklärt. Die meisten Make-ups und Lotionen enthalten Mineralölprodukte wie Paraffine. Sie legen sich wie ein Film auf die Haut, machen sie geschmeidig und sorgen bei Lippenstiften für Glanz, stehen jedoch im Verdacht, Krebs zu erregen. Sabrina Pesenti, PR-Managerin bei L’Oréal, betont die Vorzüge dieser Ingredienzien: Mineralöle würden seit über 100 Jahren häufig in kosmetischen Mitteln eingesetzt. «Sie bieten pflegende und schützende Eigenschaften. Wir verwenden nur hoch raffinierte, hochwertige Mineralöle.»

Kosmetikriese fordert zu Abfalltrennung auf

Die Basler Beauty-Bloggerin Katrin Roth (sonrisa.ch) benutzt seit Jahren ausschliesslich Naturkosmetik, «seit ich mich mit den schädlichen Wirkstoffen auseinander gesetzt habe». Während der Kosmetikmarkt insgesamt eher stagniere, prosperierten die Sparten Natur- und Männerkosmetik. Der Jahresumsatz von Weleda hat sich im Bereich Naturkosmetik seit dem Jahr 2000 verdreifacht: 2016 lag er bei 301.05 Millionen Franken.

Auch Kosmetikriese L’Oréal, bislang eher für die Produktion in Chemielaboren bekannt, will von diesem Trend profitieren. Die Rezeptur der neuen Shampoo-Linie «Botanicals Fresh Care» soll sich aus natürlichen Pflanzenölen zusammensetzen, die dunkelbraune Flasche ist recycelbar und schlicht aufgemacht, mit Schreibmaschinenschrift auf der Etikette. «Denken Sie an die Abfalltrennung und beim Duschen an einen sparsamen Umgang mit Wasser», steht darauf.

Die Marke Garnier, die ebenfalls zu L’Oréal gehört, verspricht in ihrer Linie «Skinactive» 96 Prozent Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs. «Prinzipiell sollte man Natur- respektive Biokosmetik nicht mit unseren Produkten vergleichen», sagt jedoch die PR-Managerin von L’Oréal. Viele Unternehmen betreiben Greenwashing – ein Marketing, das darauf abzielt, sich ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zuzulegen. Auch L’Oréal? «Wir haben uns zu einem ehrgeizigen Ziel verpflichtet: Bis 2020 sollen 100 Prozent unserer Produkte einen ökologischen oder sozialen Nutzen aufweisen», heisst es beim Konzern.

«Nicht sexy, aber qualitativ hochwertig»

Da der Begriff Naturkosmetik nicht geschützt ist, stehen viele Mogelpackungen in den Regalen der Warenhäuser. Pioniere wie Weleda geniessen Vertrauen: Die Demeter-zertifizierte Firma legt seit einem Jahrhundert Heilpflanzengärten an. Die Pflanzen werden teils nach den kosmischen Rhythmen des Mondes angebaut – getreu dem anthroposphischen Firmengründer Rudolf Steiner. Auch Coop und Migros folgen mit eigenen «grünen» Kosmetiklinien dem Ruf der Zeit. «Diese Crèmes kommen zwar nicht sexy daher, aber sie sind qualitativ hochwertig», heisst es in der Beauty-Branche.

«Echte» Naturkosmetik enthält keine Erdölderivate. Darum waren die Texturen früher eher pampig und schlecht haltbar. «Das hat sich geändert, die Branche hat enorme Fortschritte gemacht, gerade bei den Texturen», sagt Katrin Roth. Luxus­labels wie Tata Harper, Kypris, Lina Hanson und Soap Walla aus Brooklyn holen Käuferinnen von Chanel- und Dior-Kosmetik ab, die eine hochpreisige Alternative suchen. Viele Hersteller präsentieren sündhaft teure Bio-Kosmetik im «Clean Chic»-Stil: In betont seriöser Aufmachung, die an Arzneien erinnert.

Natürliche Öle und Alkohol reizen die Haut

Naturkosmetik ist aber nicht automatisch besser. Natürliche ätherische Öle werden schneller ranzig, sie oxidieren und verändern die Farbe einer Crème. Zudem können sie allergische Reaktionen auslösen. Ausserdem enthalten solche Produkte oft viel Alkohol, was die Haut ebenfalls reizen kann.

Noch vermisst Bloggerin Katrin Roth zwei Sachen: Die Naturparfums lassen zu wünschen übrig, sie seien viel zu flüchtig. Auch der Sonnenschutz im Bereich Naturkosmetik tauge nicht viel: «Er weisselt die Haut, so dass man aussieht wie eine Geisha auf Speed.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.