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SCHWEIZER BUCHPREIS: Schweizer Buchpreis wird zum 10. Mal vergeben

Sie war eine Marketingidee des Buchhändler- und Verlegerverbandes. Die Auszeichnung wird nächstes Wochenende zum 10. Mal vergeben. Zehn Blicke auf eine Erfolgsgeschichte der Buchförderung.
Anne-Sophie Scholl
Die neun bisherigen Gewinnerbücher seit 2008. (Bild: Aargauer Zeitung/Severin Bigler)

Die neun bisherigen Gewinnerbücher seit 2008. (Bild: Aargauer Zeitung/Severin Bigler)

Anne-Sophie Scholl

Der Schweizer Buchpreis geht auf die Initiative des verstorbenen Verlegers Egon Amman zurück. Und auf das Engagement des Geschäftsführers des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes (SBVV) Dani Landolf. Der Bund unterstützt die Auszeichnung nicht, weil sie nicht die vier Landessprachen berücksichtigt.

Die Finanzen

Das Budget des Schweizer Buchpreises beträgt 120000 Franken. Es umfasst das Preisgeld (30000 für den Gewinner, je 2500 für die vier Nominierten), eine Jury-Entschädigung, die Kosten für Lesetour, Preisverleihung und Werbemittel. Das Budget wird je hälftig vom Verein Literatur Basel und vom SBVV gestemmt sowie von Stiftungen und Sponsoren. Das entspricht etwa einem Sechstel des Budgets, das dem Bundesamt für Kultur (BAK) für die Vermittlung der Schweizer Literaturpreise zur Verfügung steht (2017: Gesamtbudget mit Preisgeldern 759195 Franken, davon rund 500000 für Preisfeier, Werbung und Vermittlung). Trotzdem ist die Resonanz des Schweizer Buchpreises ungleich höher.

Die Eklats

Gleich bei der ersten Austragung sorgte Adolf Muschg für einen Eklat. Der Schriftsteller stand mit «Kinderhochzeit» auf der Shortlist, zog sich aber am Vorabend der Vergabe zurück. War es aus Eitelkeit, weil der Doyen der Schweizer Literatur die Hoffnungen auf den Gewinn schwinden sah? Oder war es wegen seines Unbehagens gegenüber der markttauglichen Inszenierung von Literatur? Auch 2016 gab es einen Eklat, als Christian Kracht die Feier verliess, damit die vereinbarten Interviews ausschlug und die Veranstalter brüskierte.

Die Verjüngungskur

Mit «Dr Goalie bin ig» von Pedro Lenz wurde 2010 erstmals ein Mundartroman nominiert. Lenz gewann den Preis zwar nicht, er ging an Melinda Nadj Abonji, was jedoch nicht weniger für das Auffrischungspotenzial des Preises spricht. Ausgezeichnet wurde eine Autorin, die in Serbien geboren war und die in ihrem Roman «Tauben fliegen auf» über ein zerrissenes Europa spricht. Auch in anderen Jahren gelang es, eine Erneuerung in der Wahrnehmung anzustossen, mit der Nomination von Débuts von Frauen oder mit dem Preis für Peter von Matts Essaysammlung «Das Kalb vor der Gotthardpost» 2012.

Die Verkaufserfolge

Der Preis wurde lanciert, um die Buchbranche anzukurbeln. Mit Werbemitteln und einer gut organisierten Auslieferung der Bücher ist er eng mit dem Handel verzahnt. Während die Nomination für die Shortlist nur wenige zusätzliche Verkäufe auslöst, verhilft der Preis dem Gewinnerbuch zu einer zweiten Blüte. Lukas Bärfuss, Catalin Dorian Florescu und Melinda Nadj Abonji konnten bis zu 50000 zusätzliche Exemplare absetzen. Wermutstropfen: Viele, oft die erfolgreichen, Schweizer Autoren publizieren in deutschen Verlagen. Zudem: Durch den Preis werden marktstärkere deutsche Verlage auf Autoren aufmerksam und werben sie ab – etwa Nadj Abonji. Der Preis nutzt so den Schweizer Verlagen nur bedingt.

Der Ruf

Auch wenn die Kandidaten der Shortlist nicht unbedingt in die Bestsellerlisten vorrücken, lenkt die Nomination den Blick auf Autoren, denen neue Beachtung zukommt – auch über die Landesgrenzen hinaus. So war es etwa bei Thomas Meyer (2012), Meral Kureyshi (2015), Christoph Höhtker (2016) oder bei Martina Clavadetscher in diesem Jahr.

Die Reichweite

Seit 2015 wird die Preisverleihung live via Radio SRF übertragen, was die Reichweite und die Resonanz der Preisverleihung massiv erhöhte. Ebenfalls seit 2015 haben die Veranstalter das Echo ins Netz verlängert: Drei Blogs schreiben über den Preis, darunter eine Buchhändlerin und die Studenten von Jury-Mitglied Philipp Theisohn.

Die Juroren

Die Jury wird regelmässig erneuert. Setzte sie sich anfangs ausschliesslich aus Literaturkritikern zusammen, ist seit 2011 eine Person aus dem Universitätsbetrieb dabei, seit 2014 zudem eine Buchhändlerin. Mit der Meinung der Buchhändler wurde die Nähe zu den Lesern stärker gewichtet.

Das Sofa

Schweizer Autoren sollen auch in Deutschland und Österreich mehr ins Gespräch und in den Verkauf kommen. Deswegen führt eine Lesetour die Nominierten ins Ausland. 2016 erhielten sie erstmals einen Platz auf dem Blauen Sofa der Frankfurter Buchmesse, der prominentesten Plattform für Literatur. Und 2017 strahlte der deutsch-französische Kultursender Arte ein Gespräch mit den Kandidaten aus.

Der Ausblick

Die Differenzen zwischen dem Bundesamt für Kultur (BAK) und dem Schweizer Buchpreis haben sich abgeschwächt. Die BAK-Preise sind auf den kulturellen Austausch in der Schweiz ausgerichtet, der Buchpreis orientiert sich am deutschen Sprachraum. Trotzdem bestehen Ideen, beide zusammenzuführen, um das vorhandene Geld und allfällige Synergien zu nutzen, sagt Dani Landolf. Spruchreif ist nichts. Das BAK will sich dazu nicht äussern.

Bekanntgabe Schweizer Buchpreis: Sonntag, 12. November, 11 Uhr, Theater Basel. Live zu hören auf DRS 2.

Jonas Lüscher ist einer der fünf Kandidaten für den 10. Schweizer Buchpreis. (Archivbild) (Bild: Dominic Steinmann / Keystone)

Jonas Lüscher ist einer der fünf Kandidaten für den 10. Schweizer Buchpreis. (Archivbild) (Bild: Dominic Steinmann / Keystone)

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