SCHWEIZER DES JAHRES: Jörg Abderhalden geehrt

Auf der Älggialp wurde der «Schweizer des Jahres» gefeiert. Dieses Jahr fiel die Ehre dem Schwingerkönig Jörg Abderhalden zu.

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Jörg Abderhalden mit Bundesrat Samuel Schmid. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Jörg Abderhalden mit Bundesrat Samuel Schmid. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Es war keine einfache Entscheidung für Bundesrat Samuel Schmid. «Darf man fröhlich sein, wenn andere trauern?» Diese Frage stellte der Magistrat am Samstag bei kühlen acht Grad auf der etwas vernebelten Älggialp in 1650 Metern Höhe oberhalb von Sachseln.

Drei Tage nach dem schlimmen Militär-Bootsunfall im Berner Oberland war es für die 500 Gäste im geografischen Mittelpunkt der Schweiz in der Tat ein freudiges Ereignis. Denn traditionsgemäss wurde der Schweizer des Jahres der «Swiss Awards»-Gala des Schweizer Fernsehens geehrt. Im Januar war für das Jahr 2007 der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden vom TV-Publikum erkoren.

Nach einer Schweigeminute für die Unfallopfer spürte man es an seiner Stimme, wie erschüttert Schmid war, und wie schwer es ihm viel, die Trauer zu überdecken. Aber dann, als er die Gründe für seine Teilnahme erklärte, setzte sich für einige Momente doch die Freude über das Ereignis im Herzen der Schweiz durch. «Ich tue dies hier vor allem auch wegen meiner grossen Verbundenheit zur Familie Abderhalden. Und weil ich mich als Sportminister auch darüber freuen darf, dass mit Jörg nach Roger Federer, Peter Sauber und Köbi Kuhn zum vierten Mal ein Sportvertreter geehrt werden darf.»

Gegend ohne Fanzonen
Als Schmid in die Runde der bunt gekleideten Gäste und den unzähligen Schweizer Fahnen blickte, musste er unweigerlich an die Fussball-Europameisterschaft denken. Er hiess die Gäste herzlich willkommen in einer «Gegend ohne Fanzonen», auf einer Alp «ohne Flachbildschirme», in welcher die Uefa, der europäische Fussballverband, «nichts zu sagen» hat. «So weit weg von der Euro 08 waren wir seit dem 11. Juni, dem Ausscheiden der Schweiz, noch nie», sagte Schmid. «Ja, ich glaube, es gibt ein Leben ausserhalb des Fussballs. Und deshalb wird es auch ein Leben nach der Euro 08 geben. Vielleicht ist das hier ein kleiner Vorgeschmack.»

«Du hast es verdient!»

Dann würdigte Schmid das zu seinem Departement gehörende Institut «swisstopo» (ehemals Landestopographie), das vor 20 Jahren die Älggialp als Mittelpunkt der Schweiz mit den Koordinaten 660 158/183 641 bestimmte. Bei seiner Laudatio für König Abderhalden schliesslich kam Schmid regelrecht ins Schwärmen: «Deine Schwingerkarriere ist einmalig. Aber du bist auch neben deinem Sport ein Vorbild, stellst als Schreinermeister deinen Mann, deine Familie ist dir wichtiger als alles andere – und du hast die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen absolviert.» Der Name Abderhalden stehe jetzt neben drei Sportlern, Afrika-Helferin Lotti Latrous und Kambodscha-Helfer Beat Richner auf der Ehrentafel des Älggialpsteines: «Das hast du verdient, darauf kannst du stolz sein!»

Prominenz auf der Alp
Die Gäste, unter ihnen viele Prominente, pflichteten dem Bundesrat von Herzen bei und anerkannten damit auch spontan seine Anwesenheit. «Wir freuen uns in diesem Moment ganz still und herzlich für Jörg», sagten unisono TV-Direktorin Ingrid Deltenre, TV-Star Sandra Studer, TV-Unterhaltungsschefin Gabriela Amgarten, Ständerat Hans Hess, Filmemacher Luke Gasser, die Ex-Schwingerkönige Ernst Schläpfer und Harry Knüsel sowie Obwaldens Landstatthalter Niklaus Bleiker, der mit viel Schwung durch die Ehrung führte.

André Häfliger, Älggialp