Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHWEIZ/IRAN: Die Fromme und das Bier

Die TV-Moderatorin gilt als stockkonservativ. Eine Flasche Bier löst Entrüstung in ihrer Heimat aus.
Michael Wrase, Limassol
TV-Moderatorin und Schauspielerin Azadeh Namdari. (Bild: PD)

TV-Moderatorin und Schauspielerin Azadeh Namdari. (Bild: PD)

Sie trug nicht nur den Tschador, sondern machte – zur grossen Freude der Geistlichkeit – für die schwarze Ganzkörperverschleierung auch noch Reklame: «Mit einem Tschador fühle ich mich wohl, sicher, respektiert und geschützt», hatte die bekannte iranische TV-Moderatorin und Schauspielerin Azadeh Namdari vor zwei Jahren in einem Interview verkündet.

Frauen wie Namdari sind im Iran selten geworden. Die meisten tragen den Hidschab oder ein Seidentuch eher locker, und nicht selten sind noch einige gut frisierte Haare unbedeckt. Die sogenannten Tschadoris fallen auf. Um glaubwürdig zu bleiben, hätte die selbst ernannte iranische Moralapostelin daher auch während ihrer Ferien in der Schweiz nicht auf ihre Verhüllung verzichten dürfen. Beim Picknick im Grünen war jedoch ihr schwarzes Haupthaar zur Gänze zu sehen. Damit aber nicht genug: Die tugendsame Azadeh trank sogar Bier – aus der Flasche.

Die Empörung im Iran war daraufhin gross. Anstatt demütig zu schweigen, stellte die ertappte Fernsehansagerin ein zwei Minuten langes Rechtfertigungsvideo ins Internet. Ihr Kopftuch sei «beim Stillen» heruntergefallen, behauptete sie leicht weinerlich. Ausserdem habe sie sich im Kreise ihre Familie aufgehalten. Über die Bierflasche in ihrer Hand verlor Azadeh kein Wort.

«Eine Beleidigung für das ganze Volk!»

Denn auch ohne den Versuch, sich vom Alkoholkonsum reinzuwaschen, war – und ist – der «Shitstorm», den das ungeschickte Rechtfertigungsvideo der Iranerin ausgelöst hat, gewaltig.

In fast durchweg wütenden Kommentaren wird Azadeh als «Lügnerin» und «Heuchlerin» beschimpft. «Dein Problem ist nicht, dass du Bier trinkst und kein Kopftuch trägst, sondern das iranische Volk für dumm verkaufen willst», ereiferte sich eine Facebook-Userin. Auf Twitter fragte ein Aktivist, «wie lange sie noch das iranische Volk hinters Licht führen wolle». Ihr Verhalten sei «eine Beleidigung für das ganze Volk».

Michael Wrase, Limassol

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.