SCHWIMMUNTERRICHT: Peter Hürzeler musste Ian Thorpe überzeugen

Ian Thorpe konnte es nicht glauben. Erst das Schweizer Zeitmess-Urgestein Peter Hürzeler konnte ihn überzeugen, dass Michael Phelps hier tatsächlich sein 7. Gold geholt hat?

Drucken
Teilen
Ex-Schwimmstar Ian Thorpe (rechts) und Omega-Urgestein Peter Hürzeler. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Ex-Schwimmstar Ian Thorpe (rechts) und Omega-Urgestein Peter Hürzeler. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Kopfschüttelnd kam Thorpe nach dem Herzschlag-Final über 100 Meter Delfin zurück in den Schweizer Omega-Pavillon. Der Australier glaubte zuerst an einen Zeitmessfehler und daran, dass der Serbe Milorad Cavic, sehr gut befreundet mit Flavia Rigamonti, vor Phelps angeschlagen hatte. Phelps selbst hatte ja nach dem Rennen erklärt: «Vor dem letzten Zug dachte ich, das Rennen sei verloren.» Aufgeregt ging der fünffache Goldmedaillengewinner und 13-fache Weltrekordler aus Australien deshalb sofort zu Peter Hürzeler, der das Zeitmess-Geschäft seit Jahrzehnten und die Geräte wie seine Hosentaschen kennt.

Fehler ausgeschlossen
«Ein Zeitmessfehler? Völlig ausgeschlossen, mein lieber Freund», schmunzelte Hürzeler nur. «Es mag in den Zeitlupenbilder so ausgesehen habe, als ob Cavic zuerst angeschlagen hat. Doch Phelps, der voll in seinem letzten Zug powerte, gab beim Anschlag auf die hauchdünne, nur 12 Millimeter dicke Auslöseplatte vollen Druck. Cavic, der am Schluss in der Gleitphase steckte, hingegen nicht.» Das ganze System sei von «mehreren offiziellen Stellen» abgenommen worden, «hundertprozentig sicher und unverfänglich», erklärte Hürzeler weiter. Das überzeugte Thorpe dann schnell einmal: «Aha, wenn das so ist, dann glaube ich dir natürlich. Danke, lieber Peter!»

Schon 80 000 im Schweizer Gästehaus
Der Andrang im «House of Switzerland» hält unvermindert an. Bis am Samstag wurden bereits gegen 80 000 Eintritte registriert. «Das sind schon vier Mal mehr als wir uns ursprünglich über die ganzen Spiele zum Ziel gesetzt hatten», freute sich der Luzerner Haus-Vizedirektor Edwin Rudolf. «Das ist eine absolut überzeugende Halbzeitbilanz.» Auch hohe Gäste kamen: SVP-Nationalrat Jürg Stahl traf sich zu einem einstündigen Gespräch mit dem deutschen SPD-Bundestagsabgeordneten Peter Danckert, seit drei Jahren Präsident der Sportkommission im Parlament. «Ich wollte mich genauer über die Sportstrukturen in unserem Nachbarland informieren», erklärte Stahl. Danckert kündigte die Ankunft des Deutschen Sportministers Wolfgang Schäuble, ein grosser Freund der Stadt Luzern, an: «Er wird Mitte der Woche kommen und bis zur Schlussfeier bleiben.»

Schweizer bediente die Bushs
Hoher Besuch aus dem Wallis: Hervé Fournier, der Direktor der Hotel-Universität «César Ritz», kam mit seiner Ehefrau Susan und Sohn Zachary. 15 Absolventen seiner Uni sind im Schweizer Haus tätig. Und Zachary hat anfangs Jahr seine Ausbildung zum Hotelmanager im «Westin» (550 Betten, 880 Angestellte) begonnen. Im nagelneuen Luxushotel residierten 12 Mitglieder der Familie von US-Präsident George W. Bush und dessen Vater. «Es herrschte der ganz normale Ausnahmezustand», schmunzelte Fourier. «Gegen 1000 Sicherheitskräfte, gesperrte Luftwege und Strassen sowie eine Kolonne von 60 Fahrzeugen. Aber die Bushs sind ganz nette, einfache Leute. Am liebsten mochten der Präsident wie auch sein Vater chinesische Küche. Ich hab ihnen mal persönliche ein Peking-Enten-Menu serviert.» Etwas ruhiger wird es jetzt im «Westin»: Wegen des Georgien-Konflikts hat Aussenministerin Condoleezza Rice ihren Schlussfeier-Besuch abgesagt.

André Häfliger, Peking