SEBASTIAN VETTEL: «In Walchwil ist es wie im Paradies»

Seit knapp anderthalb Jahren wohnt Sebastian Vettel in Walchwil. Der neue Stern am Formel 1-Himmel fühlt sich da «wie im Paradies.»

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Sebastian Vettel bleibt trotz des Erfolgs bescheiden. (Bild Keystone)

Sebastian Vettel bleibt trotz des Erfolgs bescheiden. (Bild Keystone)

Erst vor 75 Tagen, also am 3. Juli, ist der im deutschen Heppenheim geborene Rennpilot 21 Jahre alt geworden. In der Königsklasse des Rennsports ist Sebastian Vettel durch lauter Youngster-Rekorde aufgefallen. Zuerst als jüngster Fahrer der Geschichte, der in einem Freitagstraining (2006 für BMW-Sauber) den ersten Platz erzielte. Dann auch als jüngster Pilot, der je in die Punkteränge fuhr. Das war der 8. Rang bei seinem Formel 1-Debüt 2007 in Indianapolis für den gleichen Hinwiler Rennstall, der sich jetzt wohl hintersinnt, dass er ihn dann für Toro Rosso freigab. Für dieses italienische Team heimste Vettel am Wochenende beim Heim-Grand-Prix in Monza gleich zwei weitere Jugend-Rekorde ein: Er ist der jüngste Pole-Position-Pilot – und der jüngste GP-Sieger aller Zeiten, viele feiern ihn schon als den neuen «Schumi».

Er bleibt bescheiden
Das alles freut den bescheidenen jungen Mann zwar riesig. Aber er bleibt ganz sich selbst: Freundlich, umgänglich, bodenständig und fern jeglicher Arroganz. «Ich bin gerührt und stolz», sagt Vettel denn auch. «Aber das alles ist noch lange kein Grund, jetzt abzuheben.» Zeit zu feiern oder etwas auszuspannen in Walchwil? Weit gefehlt! Von Italien gings gestern schon für Testfahrten direkt nach Spanien.

Nur wenig zu Hause?
«Während der Saison bin ich halt sehr wenig zu Hause», erzählte der Mann, den man laut Team-Teilhaber Gerhard Berger«ganz genau im Auge» behalten muss. Berger ist überzeugt, dass Vettel mal «ein ganz Grosser» wird.

In Walchwil gefällt es Vettel sehr gut. «Ich fühle mich hervorragend da», erzählte er. «Es ist wie im Paradies hier. Wunderbar, ruhig und auch sehr zentral gelegen. Zudem hat es unglaublich viele nette Leute da, die ich ab und zu auch im Restaurant treffe, die einem aber auch in Ruhe lassen. Da alles schätze ich sehr.» Beim Vorschlag, in Walchwil eine Strasse nach ihm zu benennen, bleibt er ebenfalls ganz sich selbst und lächelt nur: «Nun, das muss ja nicht unbedingt sein?»

Kanu, Velo und Fussball
Sebastian Vettel geniesst sein Leben als Profisportler im Kanton Zug. Auf dem Zugersee gehe er im Sommer oft Kanu fahren, auf dem Velo sitze er ebenso oft und mit dem einheimischen Fussballklub habe er auch schon mittrainiert. «Schliesslich muss ich für die Piloten-Mannschaft um Michael Schumacher, in dem ich auch mitkicke, fit sein», schmunzelte er. Schumacher, der siebenfache Weltmeister, hat denn auch die Karriere seines Landsmannes in der Zeit als Kart-Fahrer seit 1995 grosszügig gefördert. Noch aber will Vettel nicht mit «Schumi» verglichen werden. Er bleibt eben nüchtern und bescheiden, wie er ist: «Dahin ist es doch noch ein sehr langer, steiniger Weg.»

André Häfliger