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SEXOBJEKT: Der grosse Busenfreund

Der grösste und vielleicht auch der letzte Playboy der Welt ist gestorben. Und nun heisst es plötzlich, Hugh Hefner sei ein Feminist gewesen. Nicht ganz.
Katja Fischer De Santi
Noch 2011 provozierte die Eröffnung eines Playboy-Clubs in London eine Frauen-Demonstration. (Bild: Getty)

Noch 2011 provozierte die Eröffnung eines Playboy-Clubs in London eine Frauen-Demonstration. (Bild: Getty)

Katja Fischer De Santi

Nun ist er von uns gegangen, friedlich eingeschlafen, ziemlich sicher in einem rot-schwarzen Morgenmantel aus Seide. Mitten im Luxus, in seinem von ihm selbsterschaffenen Imperium der Lust. Die ein oder andere vollbusige Blondine dürfte zugegen gewesen sein.

In den Nachrufen ist nun zu lesen, was für ein Hecht «Playboy»-Gründer Hugh Hefner gewesen sei. Einer, der zuerst Amerika und dann die Welt von der Prüderie befreit habe. Und das mit nichts als einem Magazin in der Hand, darin die schönsten Frauen der Welt. Nacktheit als Befreiungsschlag. Freizügigkeit statt Freiheit. Auf so was muss man in den 1950er-Jahren erst mal kommen. Was Hugh Hefner aber von Machern anderer Sexheftli abhob, waren sein Stil und seine Intelligenz. Er paarte Sex mit Inhalt. Druckte die progressivsten Autoren seiner Zeit wie Hunter S. Thompson oder Truman Capote ab. Vor allem aber war er schlau genug, seine nackten Girls stets als starke, selbstwusste Frauen darzustellen. Als eine Art Podest für den weiblichen Körper wollte er sein Herrenmagazin verstanden wissen.

Er machte aus Frauen ­hoppelnde Häschen

Die Botschaft kam nicht bei allen so an. Es gab Demonstrationen vor seinen Clubs, Frauen verbrannten öffentlich seine Zeitschriften. «Hugh Hefner ist mein Feind», sagte Susan Brownmiller 1970 während einer Talkshow. «Er erniedrigt Frauen zu Sexobjekten. Macht sie zu Tieren. Frauen sind keine Hasen!» Direkt neben der Feministin sass Hefner, schüttelte den Kopf und verstand die Welt nicht mehr. Wie konnten sich die Frauen, für deren (sexuelle) Befreiung er sich doch mit Millionenauflage und Faltposter für die Werkstatt einsetzte, gegen ihn wenden? Seine Erklärung: Auch der Feminismus sei, wie die ganze Gesellschaft, zu einem gewissen Grad verklemmt und gegen Sex, ergo auch gegen ihn. Aber die Frauen würden schon noch merken, wie gut er es mit ihnen meine. Man könne ja mal eines seiner «Bunnies» befragen.

Hugh Hefner wurde zeit seines Lebens nicht müde, zu betonen, dass sein Magazin ein selbstbestimmtes Frauenbild propagiere. Keine Frau müsse sich für den «Playboy» ausziehen; wenn sie es tue, dann weil sie sich gern so sehe und nicht weil irgendein Mann das wolle, sagte er in einem Interview mit der «Welt».

Das Mädchen von nebenan wird entblättert, und zum Vorschein kommt eine Sexkönigin. Das war die Philosophie des «Playboy»-Gründers. Nacktheit gegen ein bisschen Ruhm und die Aussicht, an «Playboy»-Events im Hasenkostüm aufzutreten. Der Ruhm hielt bei den meisten nicht lange an. Den Ruf des «Playboy»-Girls wurden sie ein Leben lang nicht mehr los.

Es stimmt, Hugh Hefers ­Magazin hat aufgeräumt mit der Scham vor der eigenen und vor allem der fremden Nacktheit. Frauen schämen sich heute nicht mehr, nackt zu sein. Aber sie schämen sich dafür, nackt nicht gut genug auszusehen. Ob das wirklich ein Fortschritt ist, muss man bezweifeln. Ein Resultat davon sind Silikonbrüste, wie sie Pamela Anderson auf dem Cover des «Playboys» zig Mal präsentierte. Innerhalb der ersten sechzig Jahre seines Magazins liess Hefner die Oberweiten seiner Coverfrauen von Mandarinen- auf Melonengrösse anschwellen. Heute prägen saubere, beinahe aseptische Fotos das Magazin. Das Gegenteil von Ekstase, Sex und Befreiung.

In Zeiten des Internetpornos ist Hefner das kleinere Übel

Doch je älter Hugh Hefner wurde, desto weniger bedrohlich wurde sein häschenartiges Frauenbild. Im Vergleich zu den jederzeit verfügbaren Internetpornos wirken die alten Fotos mit den strahlenden Damen in engen Bodies und grossen Bommeln am Po ästhetisch. Löblich, dass Hugh Hefners Begriff von Freiheit auch jene von Afroamerikanern mit einschloss. Früh trat er zudem für die Legalisierung von Abtreibungen ein, öffnete sein Heft auch für homosexuelle Anliegen. Sex für alle, das meinte er wirklich so. Und so wurde aus Hugh Hefner dem Playboy – mit dem langsamen Abdrehen des Zeitgeistes – doch noch der Freund der Frauen, als den er sich schon immer gesehen hatte. Die gleiche Susan Brownmiller, welche ihn in den 70ern noch zum Teufel schicken wollte, sagte 30 Jahre später über ihn: Früher sei er eine einfache Zielscheibe gewesen, jetzt sei er aber der grösste Feminist von allen. Er selbst bezeichnete sich lieber als Humanist.

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