SHOW: Nik Hartmann: «Die Schweiz gehört nicht mir»

Nik Hartmann (43) startet übermorgen sein erstes Bühnenprogramm. Der Mann, der als beliebtester Moderator der Schweiz gilt, möchte auf der Bühne die Seele seines Landes erkunden. Klar ist: Kantönligeist ist überflüssig.

Interview Susanne Holz
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Nik Hartmann erscheint zum Interview lässig gekleidet und gut aufgelegt. Ins Kino geht er gerne, aber zu selten. Ein Film mit ihm? «Nichts geplant», lacht er da. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Nik Hartmann erscheint zum Interview lässig gekleidet und gut aufgelegt. Ins Kino geht er gerne, aber zu selten. Ein Film mit ihm? «Nichts geplant», lacht er da. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Nik Hartmann, Ihr Bühnenprogramm heisst «Nik Hartmann Live». Im TV oder Radio erlebt man Sie doch auch live? Wo ist der Unterschied?

Nik Hartmann: Im Radio bin ich live auf Sendung, aber nicht zu sehen. Im Fernsehen moderiere ich zwar auch live, aber die Sendungen sind sehr durchgetaktet. Der Wunsch, eine Bühnenshow zu machen, hat auch mit dem Wunsch nach mehr Spontanität zu tun. Ich werde die direkte Reaktion des Publikums geniessen. Zudem darf man das «live» auch durchaus als ein «Life» verstehen: Die Show hat viel mit meinem Leben der letzten zehn Jahre zu tun, sie ist sehr persönlich. Die vergangenen zehn Jahre haben mich geprägt, pro Jahr war ich drei Monate unterwegs, hatte in manchem Jahr 170 Übernachtungen in verschiedensten Hotels der Schweiz.

Ist die Bühne ein alter Wunschtraum oder ein Spontanentschluss?

Hartmann: Weder noch. In meinem Kopf entstand die Idee vor zwei Jahren. Als Freunde dann sagten, «wir produzieren dich», da musste ich aus meiner Komfortzone raus. Und ich bin froh, dass ich das angepackt habe.

Seit 2007 entdecken Sie für «SRF bi de Lüt» die Schweiz. Wird Ihnen diese Reise allmählich langweilig?

Hartmann: Langweilig? Das Fernsehen? Nie! Ich freue mich auf die neue Staffel im April.

Ob Bühne oder Fernsehen, Sie stehen gerne im Rampenlicht, stimmts?

Hartmann: Ja, natürlich – das ist die Grundvoraussetzung für meinen Beruf. Würde ich es nicht tun, müsste ich meine Arbeit als therapeutische Massnahme betrachten (lacht). Allerdings mag ich das Rampenlicht nur beruflich, privat ziehe ich mich gerne zurück und bin auch gerne mal allein.

Sie träumten auch mal von einer Late Night Show?

Hartmann: Da muss man Geduld haben. Man kann nicht so einfach ein ausländisches Format nehmen, einen Schweizer Moderator draufsetzen und dann hoffen, dass es funktioniert. Und ich habe seit Jahren und immer noch das Glück, im Fernsehen ein Gebiet zu besetzen, das mit meiner Person in Verbindung gebracht wird.

Was erwartet denn nun die Gäste Ihrer Bühnenshow? Zusammen mit Ihren Zuschauern betreten Sie hier schliesslich gänzlich neues Territorium.

Hartmann: Dem Publikum wird ein Rucksack an Erlebnissen geboten. Ich erzähle während der Show von Menschen, Orten, Landschaften. Es gibt eine Leinwand und auch spielerische Elemente, die Zuschauer werden einbezogen. Weil ich ein akustischer Mensch bin, biete ich während der zwei Stunden auch verschiedenste Geräusche und Musik. Und obwohl ich Querflötist bin, werde ich auf dem Schwyzerörgeli spielen. (Lacht.) Schon als Bub war es mein Traum, viele Instrumente zu beherrschen. Heute wird unser Musikzimmer zu Hause von allen rege genutzt.

Werden Sie auch singen?

Hartmann: (Fröhlich.) Nein, keine Angst. Und auch meinen Hund werde ich nicht mit auf die Bühne bringen. Ich werde nicht Theater spielen, und es wird keine Comedy geben – aber ich möchte unterhalten und die Leute durchaus auch zum Lachen bringen.

Dann werden Sie auch auf der Bühne der Nik Hartmann sein, den man aus TV und Radio kennt?

Hartmann: Genau, der Nik Hartmann. Allerdings mal mit Berner, dann wieder mit Walliser Dialekt, den ich seit ein paar Jahren lerne. Mit meinen Eltern rede ich übrigens grundsätzlich «Bärndütsch» – meine Mutter kommt aus dem Kanton Bern, mein Vater ist Baselbieter.

Stellen Sie da Mentalitätsunterschiede fest zwischen Mutter und Vater?

Hartmann: Nein, bezüglich der Mentalitäten gibt es meiner Meinung nach viele Vorurteile. Es wird wechselseitig versucht, den anderen Kantonen einen Stempel aufzudrücken, den es so gar nicht geben muss. Ein Kanton hat keine Mentalität. Wenn, dann haben die einzelnen Menschen verschiedene Mentalitäten.

Sie wandern durch die Schweiz, und Schweizerisches wird auch Ihre Bühnenshow prägen. Sind Sie ein Patriot?

Hartmann: Das Wort Patriot ist negativ besetzt, es ist nah am Nationalist. Deshalb möchte ich mich nicht als Patrioten bezeichnen. Aber ich habe mein Land und seine Landschaften extrem gern. Und ich teile gern alles, was schön ist – das habe ich von meinen Eltern gelernt. Ich teile mein Land auch gerne mit Menschen, die neu in die Schweiz kommen. Ich habe keinen Besitzanspruch auf die Schweiz, die Schweiz gehört nicht mir.

Das sind sehr schöne Worte. Ist der sympathische Nik Hartmann aus Fernsehen und Radio eigentlich identisch mit dem privaten Nik Hartmann?

Hartmann: Ich könnte kaum 20 Jahre meines Berufslebens eine Rolle spielen. Vielleicht bin ich privat nicht ganz so präzise wie auf Sendung – aber was ich hier denke und darstelle, meine Haltung, die lässt sich eins zu eins ins Private übertragen.

Noch einmal zurück zum Thema Schweiz. Werden Sie mit Ihren Moderationen und Ihrer Bühnenshow einem Zeitgeist gerecht, oder identifizieren Sie sich auch selbst mit der allgemeinen Sehnsucht nach Heimat?

Hartmann: Ich denke, wir Schweizer sind einfach unglaublich stolz auf das Schöne in unserem Land. Das hat weniger mit einem Zeitgeist als mit unseren Genen zu tun. (Lacht.)

In einem Interview mit Roger Schawinski war mal die Rede davon, Sie seien leidenschaftlich und aufbrausend. Wie das?

Hartmann: Ich ertrage Prinzipien und althergebrachte Routine nur schlecht. Für mich zählt immer die beste Idee – und diese lieber schon gestern und nicht erst heute. So kommt es mitunter zu heftigen Diskussionen.

Gefragt, ob Sie immer der brave und liebe Nik seien, antworteten Sie Schawinski, Sie seien ein respektvoller Mensch. Wie wichtig ist die heute, so scheint es, oftmals vergessene Tugend Respekt für Sie?

Hartmann: Ich versuche, unseren Kindern einen respektvollen Umgang mit allem und jedem zu vermitteln. In meinem Job ist Neugier unglaublich wichtig, sie öffnet Türen zu Geschichten und Menschen. Wird eine Tür geöffnet und geht man mit diesem Privileg nicht sorgsam um, bleibt die Tür beim nächsten Mal verschlossen. Respekt vor dem Gegenüber ist vermutlich die wichtigste Maxime überhaupt bei unserer Arbeit für «SRF bi de Lüt».

Worin liegt der Schlüssel Ihres beruflichen Erfolgs sonst noch? Sie sind in diversen Fernsehformaten sehr präsent und moderieren seit 2009 auch das Spendenprojekt «Jeder Rappen zählt». Bei der Verleihung des Schweizer Fernsehpreises gewannen Sie 2010 in der Kategorie «Star». Sie erhielten die meisten Publikumsstimmen und gelten als beliebtester Moderator der Schweiz.

Hartmann: Ich denke, dass sich diese positive Laufbahn zu grossen Teilen meiner Ausdauer verdankt. Der Erfolg kam ja nicht von heute auf morgen. Ich glaube, dass ich ein verlässlicher Partner bin – vor und hinter der Kamera oder dem Mikrofon.

Noch ein paar Fragen an einen Weitgereisten. Wo ist es schöner als in Ihrer Heimat Zug?

Hartmann: In einem abgelegenen Tal auf einer Bergflanke und im Abendsonnenlicht.

Reisen Sie privat auch gerne in der Schweiz? Und hat der Mensch Nik Hartmann einen Sehnsuchtsort?

Hartmann: Ich bereise sehr gerne die Schweiz. Und am wohlsten ist mir grundsätzlich oberhalb 1000 Meter über Meer.

Zurück zur Tournee: Ein zweistündiges Bühnenprogramm ist nicht ohne. ­Keine Angst zu scheitern?

Hartmann: Nein, Angst habe ich nicht. Aber ich bin aufgeregt. Und ich nehme die Sache sehr ernst – welche natürlich mit ein wenig Risiko verbunden ist. Ich hoffe einfach fest auf die Gunst des Publikums.

Sie starten in Cham. Verlockt da der Heimbonus?

Hartmann: Ja klar! In Cham bin ich so gut wie zu Hause. Und etwas Neues zeigt man zuerst mal in seiner vertrauten Umgebung.

Treten Sie nun bei Radio und TV etwas kürzer?

Hartmann: Nein.

Was sagt Ihre Familie zum Bühnenprojekt?

Hartmann: Die sind an der Premiere dabei. Und wir sind dann alle mal froh, wenn die ersten Vorstellungen gut über die Bühne gegangen sein werden.

Sie werden im Juni 44. Das ist nicht mehr ganz jung, aber auch noch lange nicht alt. Wo sehen Sie sich?

Hartmann: Ich bin voller Tatendrang. Genau gleich, wie ich es mit 30 war.
 

Interview Susanne Holz

 

Hinweis

Mehr über Nik Hartmanns aktuelle Bühnentour unter www.nik-hartmann-live.ch

Wanderer im TV

Zur Person sh. Geboren wurde Nik Hartmann am 1. Juni 1972 in Burgdorf als Dominik-Marc Hartmann. Als Nik sechs Jahre alt war, zügelte die Familie vom Kanton Bern an den Zugersee. Nik Hartmann wuchs in Steinhausen und Hünenberg See auf, in Zug besuchte er die Kantonsschule. Der heutige Schweizer Fernseh- und Radiomoderator brach einst das Jurastudium an der Uni Bern ab und wurde 1996 Moderator und Redaktor bei Radio Extra-Bern und Radio 24.

Seit 1999 moderiert Hartmann bei Radio SRF 3, 2005 begann er seine Fernsehkarriere mit dem «Fensterplatz». Seit 2007 moderiert Nik Hartmann die Sendereihe «SRF bi de Lüt»: Hier machte er sich speziell über das Format «Über Stock und Stein» einen Namen, bei dem er mit seiner Hündin Jabba durch die Schweiz wanderte.

Nik Hartmann ist mit Carla (43) verheiratet. Zusammen haben sie drei Söhne: Constantin (13), Frederik (10) und Melchior (6).

3-mal 2 Tickets für die Live-Premiere

Leseraktion «Nik Hartmann Live» ist die erste Bühnenshow des Zuger Fernseh- und Radiomoderators. Die Premiere findet kommenden Dienstag, 8. März, 20 Uhr, im Lorzensaal in Cham statt. Weitere Vorstellungen in Cham gibt es am Mittwoch und Donnerstag, 9. und 10. März, jeweils um 20 Uhr. Die Live-Tour führt den Entertainer durch die ganze Schweiz – sie endet am 18. Dezember in Bern.
Ist der «Wanderer der Nation» live on tour, dann soll das laut Veranstaltern «eine spannende Reise ins Herz von Schweizer Menschen, Bildern, Geschichten und Bräuchen» werden.

Für die Premiere am Dienstag verlosen wir 3-mal 2 Tickets. Rufen Sie bis morgen Montag, 13 Uhr, unter 0901 83 30 24 an (Fr. 1.50 pro Anruf), oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe an der Verlosung teil. Die Gewinner werden unter allen Teilnehmern ermittelt und informiert.

Kann auch mal nachdenklich blicken: Nik Hartmann. (Bild Stefan Kaiser)

Kann auch mal nachdenklich blicken: Nik Hartmann. (Bild Stefan Kaiser)