SICHERHEIT: Velohelme sind in Mode

Mit dem Frühling ist die Velosaison eröffnet. Experten empfehlen keine Tour ohne Velohelm. Wer sich richtig schützen will, muss dabei einige Punkte beachten.

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Rony Odermatt zeigt im Interbike Sport-Shop in Buchrain
Leonie Odermatt verschiedene Velohelm-Modelle. (Bild Boris Bürgisser)

Rony Odermatt zeigt im Interbike Sport-Shop in Buchrain Leonie Odermatt verschiedene Velohelm-Modelle. (Bild Boris Bürgisser)

livio Brandenberg

Bei Temperaturen über 20 Grad freuen sich gut drei Millionen Schweizerinnen und Schweizer, nun endlich das Velo aus dem Keller holen zu können. Was bei keinem Stadtpendler, Biker, Rennvelofahrer oder Familienausflug fehlen sollte, ist der Velohelm. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) verletzen sich jedes Jahr über 800 Velofahrer schwer. Für rund 30 Personen endet der Unfall tödlich. Oft, weil die Verunfallten ohne Kopfschutz unterwegs waren. Gemäss BfU kann ein Velohelm die Wahrscheinlichkeit von schweren Kopfverletzungen um bis zu 40 Prozent reduzieren.

Männer sorgen für Rückgang

Seit 1998 hat die Helmtragequote in der Schweiz konstant zugenommen: von 14 auf 43 Prozent (siehe Grafik). Die Quote ist laut BfU-Statistik jedoch 2014 gegenüber 2013 leicht gesunken von 46 auf 43 Prozent. Schuld an diesem Rückgang waren vor allem Männer, die den Helm in ihrer Freizeit öfter daheim gelassen haben. «Wir behalten die Entwicklung im Auge», sagt Serkan Isik, Mediensprecher der Suva. Eine mögliche Erklärung für den leichten Rückgang sieht Isik in der Ausrichtung der Velokampagne. «Ab 2012 setzten wir den Schwerpunkt der Velokampagne nicht mehr nur aufs Helmtragen, sondern auch auf sicheres Fahrverhalten.» Um das Bewusstsein der Velofahrer betreffend Kopfschutz weiterhin hochzuhalten, lanciert die Suva zusammen mit der BfU jedes Jahr eine Frühlingsaktion. Auf der Velokampagnen-Website der Suva können Helme verschiedener Preisklassen mit einer Ermässigung von 20 Franken gekauft werden. Die Aktion läuft dieses Jahr noch bis 31. Mai.

Helm ist gesellschaftlich etabliert

Bei den Fachhändlern läuft das Geschäft mit den Velohelmen ohnehin gut: «Wir merken den Frühlingsandrang», sagt Rony Odermatt vom Interbike Sport-Shop in Buchrain. Überdies sei die Nachfrage in den letzten Jahren konstant hoch gewesen. «Der Velohelm hat sich gesellschaftlich etabliert», sagt Odermatt. Jonas Roth vom Zuger Velohändler Cycling Lounge bestätigt den Trend: «Vermehrt wollen nun auch Stadtpendler mit einem Citybike einen Helm.» Was sind denn die Ansprüche der Kunden? «Die Leute wollen ein cooles, schlichtes Design», so der Zuger Fachhändler. Der Trend gehe hin zu kleineren, unifarbenen Helmen, sagt Roth. Rony Odermatt sagt, es komme auf den Typ Kunden an. «Die einen wollen einen klassischen, einfarbigen Helm, die anderen einen möglichst farbigen, auffälligen.» Generell könne man sagen, dass die Helme modischer und bequemer geworden sind. Ein grosses Plus sei auch die stark verbesserte Lüftung der Helme, sagt Odermatt. «Dank den besseren Designs und dem erhöhten Tragekomfort wollen mehr Leute einen Velohelm benutzen», so Odermatt. Bei dieser Entwicklung spielten Marken eine untergeordnete Rolle, sagt Jonas Roth aus Zug. Höchstens Personen, die bereits ein teures Markenvelo besässen oder Fans eines professionellen Rennstalls sind, achteten auf die Marke.

Vom Schutz her seien «die geprüften Helme, die im Fachhandel im Verkauf sind, vergleichbar», sagt Roth. Damit der Helm seine schützende Wirkung behalte, müsse man auf die Pflege und auf die Lagerung achten (siehe Box). Hierzu sagt Rony Odermatt «Man sollte den Helm im Haus aufbewahren. Ansonsten gilt: den gesunden Menschenverstand walten lassen.»

Neues Grössenverstellsystem

Wie bei den Designs geht der Trend auch bei den Grössen in Richtung «weniger ist mehr». So gebe es heute eine kleinere Auswahl an Grössen, «dafür können die Helme viel besser individuell justiert werden», erklärt Odermatt. Möglich ist dies dank einem neuen Grössenverstellsystem. Durch leichtes Drehen an einem Knopf hinten am Helm kann das Band des Innenfutters stufenlos angezogen oder gelockert werden. So kann ein Helm besser an verschiedene Kopfgrössen und -formen angepasst werden. «Das ist ein grosser Vorteil, denn früher war oft der eine Helm im Umfang um zwei Zentimeter zu gross und der nächstkleinere um zwei Zentimeter zu klein», sagt Odermatt. Gerade für junge Leute, die noch wachsen, sei diese Neuerung ein Fortschritt.

Zuversicht bei der Suva

Trotz des leichten Rückgangs im letzten Jahr ist Serkan Isik von der Suva überzeugt, dass die Helmtragequote wieder ansteigt. Er betont, dass die Velohelmträger in den letzten 20 Jahren stetig zugenommen hätten. Das Ziel der Suva sei nach wie vor, eine möglichst hohe Quote zu erreichen.

Hinweis:

www.suva.ch/velokampagne

Bild: Grafik: Martin Ludwig

Bild: Grafik: Martin Ludwig