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SIMBABWE: Ein Nationalpark zieht um

Hunderte Antilopen, Dutzende Giraffen und Elefanten: Im Süden Afrikas hat ein ­ Naturschutzprojekt begonnen, wie es der Kontinent bisher kaum gesehen hat.
Markus Schönherr, Kapstadt
Elefanten, Zebras und Giraffen werden unter den ersten überführten Tieren sein. (Bild: Jeff Overs/Getty)

Elefanten, Zebras und Giraffen werden unter den ersten überführten Tieren sein. (Bild: Jeff Overs/Getty)

Markus Schönherr, Kapstadt

6000 Tiere aus Simbabwe sollen innerhalb der nächsten drei Jahre in den mosambikanischen Zi­nave-Nationalpark umgesiedelt werden. Denn in Mosambik hat der 16-jährige Bürgerkrieg fast ­alles Leben ausgerottet.

«Gestern war ich dabei, als wir Impalas einfingen», sagt Willy Pabst am Telefon aus dem Büro seiner Safari-Lodge. «Ich hatte einen der zappelnden Böcke in der Hand. Seine Hörner mussten eingewickelt werden, damit er sich und andere Tiere auf dem Transport nicht verletzt. Die Tiere wissen halt nicht, dass es nur gut für sie ist.» Doch bevor der Hamburger Unternehmer emotional wird, schiebt er nach: «Die Tiere loszuwerden, ist für mich genauso ein Glücksfall.»

Nachhaltiges Reiseziel ­ für Ökotouristen

In Simbabwe betreibt Pabst die Farm Sango, die Teil des privaten Naturschutzreservats «Savé Valley Conservancy» bildet. 50 Elefanten, 200 Zebras, 100 Giraffen und 900 Impala-Antilopen sind unter den ersten Passagieren, die per Diesellaster die Reise nach Mosambik antreten. Insgesamt spendet Pabst 6000 seiner Tiere für das Auswilderungsprojekt, die übrigen 1500 sollen aus Mosambik selbst kommen.

«Wir haben zu viele Tiere. Wir sind zu erfolgreich, das ist ein Riesenproblem», sagt Pabst. Weil die wachsenden Herden in dem Reservat angesichts der aktuellen Dürre nicht genügend Futter fänden, würde sich sein Ökosystem innerhalb eines Jahres selbst zerstören. Die Wiederbelebung eines zerstörten Nationalparks sieht Pabst als «Nobelpreis des Naturschutzes».

Ähnlich denkt Werner Myburgh, Geschäftsführer der Peace Parks Foundation. Der 1997 gegründete Verein widmet sich dem grenzüberschreitenden Umweltschutz im südlichen Afrika und ist für die Umsiedlung der Tiere verantwortlich. 2,5 Millionen US-Dollar soll die Herkulesaufgabe kosten, die 120 Tierärzte, Wildhüter, Ökologen, Fahrer und Helikopterpiloten beschäftigt. Das ist laut Myburgh jedoch nichts, verglichen mit der «astronomischen» Summe, welche die Tiere ohne Spender gekostet hätten.

Nicht nur will die Organisation den Nationalpark wieder­beleben. Es soll auch ein nachhaltiges Reiseziel für Ökotouristen entstehen. Davon sollen die Bewohner der Region profitieren: Zinave ist Teil des «Grenzüberschreitenden Schutzgebiets Limpopo», das die Nationalparks im Dreiländereck von Mosambik, Simbabwe und Südafrika umspannt. Dank Wildkorridoren sollen die Savannentiere frei zwischen den Schutzgebieten herumwandern können.

In Sachen Umweltschutz sind sich Südafrika, Simbabwe und Mosambik einig. Einzig innerstaatliche Konflikte könnten sich für Afrikas Natur erneut als Problem erweisen. Das gilt nicht nur für Simbabwe, wo Langzeit-Präsident Robert Mugabe kürzlich neue Landbeschlagnahmungen androhte. Unterdessen schwelt in Mosambik jener Konflikt weiter, der bereits in den 80er-Jahren den Tierbestand von Zinave auslöschte. Seit den Wahlen 2014 ist die Beziehung zwischen der oppositionellen Renamo und der Regierungspartei Frelimo erneut angespannt. Anschläge auf Polizeistationen, Autobahnen und Regierungsbüros zwangen im vergangenen Jahr mindestens 15 000 Mosambikaner zur Flucht in Nachbarländer.

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