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SKANDAL: Der tiefe Fall des Hollywood-Moguls

Harvey Weinstein ist nach den Enthüllungen über seine sexuellen Verfehlungen entlassen worden. Der Filmproduzent bringt auch politische Freunde unter Druck.
Harvey Weinstein (65). (Bild: Guillaume Horcajuelo/EPA)

Harvey Weinstein (65). (Bild: Guillaume Horcajuelo/EPA)

Nein, sagt Meryl Streep: Es stimme nicht, dass «jeder» in Hollywood das dreckige Geheimnis von Harvey Weinstein gekannt habe. Sie jedenfalls sei von Weinstein immer respektvoll behandelt worden. Sie sei den «mutigen Frauen» dankbar, die von ihm sexuell belästigt wurden und die es endlich gewagt hätten, die Wahrheit zu erzählen.

Die Stellungnahme Streeps ist von einiger Brisanz. Zum einen arbeitete sie eng mit Weinstein und dessen Produktionsfirma zusammen. Zum andern ist sie auch politisch aktiv. Zuletzt fiel sie als harsche Kritikerin von Präsident Donald Trump auf. Streep verkörpert damit die starke Bande, die zwischen Hollywood und dem linken Amerika besteht. Auch Weinstein, der am Sonntag von seiner eigenen Produktionsfirma entlassen wurde, nachdem die «New York Times» ausführlich über massive sexuelle Verfehlungen des Produzenten berichtete hatte, verkörperte diesen Nexus. Dank eines Vermögens von mehr als 150 Millionen Dollar galt Weinstein als Förderer von Talenten in den Reihen der Demokratischen Partei. So gab er jüngst Geld an Corey Booker aus New Jersey, Elizabeth Warren aus Massachusetts sowie an die Präsidentschaftswahlkämpfe von Hillary Clinton und Barack Obama. Zahlreiche Demokraten gaben deshalb über das Wochenende bekannt, dass sie die gespendeten Dollars nachträglich an gemeinnützige Institutionen weiterreichen würden. So spendierte Booker, der immer wieder als Anwärter auf das Weisse Haus genannt wird, 7800 Dollar an eine Organisation, die sich die Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs auf die Fahne geschrieben hat.

Dank seiner Nähe zu führenden Demokraten galt Harvey Weinstein als einer der einflussreichsten Produzenten. Natürlich kam ihm dabei zugute, dass er ein gutes Gespür für den Geschmack eines Nischenpublikums besass. Zusammen mit seinem Bruder Bob spezialisierte er sich in den Siebziger- und Achtzigerjahren auf die Produktion von Filmen, die sich bewusst nicht an ein Massenpublikum richteten. Dabei entstanden Filme wie «Sex, Lügen und Video» oder «Pulp Fiction». 1993 verkauften die Weinsteins ihre Firma an die Walt Disney Company, blieben ihr aber treu. Zwölf Jahre später aber trennten sie sich von Disney. In der Folge gründeten die Brüder das Studio «The Weinstein Company», das mit Werken wie «The King’s Speech» (2010) und «Django Unchained» (2012) Erfolg hatte.

Renzo Ruf, Washington

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