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SOMMER: Abtauchen – wo und wie und überhaupt?

Ferien kann man auf ganz verschiedene Weise verbringen. Wir beleuchten – nur mässig boshaft – ein paar Formen und räumen nebenher auch noch mit dem einen und anderen Ferienirrtum auf.
Hans Graber
Der gehört wohl in die Kategorie «Abenteuerferien zu Hause». (Bild: Getty)

Der gehört wohl in die Kategorie «Abenteuerferien zu Hause». (Bild: Getty)

Hans Graber

Was der eine liebend gerne hat, wäre für den anderen die Höchststrafe. Während der eine komplett abschalten will, ist dem anderen nur dann wohl, wenn er auch während der Ferien ein Gefühl der Unentbehrlichkeit hat. Auf einen Nenner gebracht: Wenn es um Ferien geht, sollte man nichts verallgemeinern. Wir tun es hier trotzdem ein bisschen.

Ferien daheim

Zu Hause ist doch am schönsten, ist das Fazit so mancher Ferienreise. Muss man also gar nicht erst weggehen, wenn man doch schon da ist, wo es einem am besten gefällt? Kann sein. Die Einsicht freilich, dass es zu Hause am schönsten ist, will immer wieder aufs Neue verifiziert werden. Denn in den oft langen Phasen zwischen zwei Ferienperioden beschleichen einen ja doch sehr häufig auch Zweifel, ob das alles (Mitmenschen, Job, Wetter usw.) hier wirklich so schön ist. Das spricht dann eher wieder fürs Reisen. Fürs sture Daheimbleiben hingegen spricht, dass jene, die einem unterm Jahr das Dasein verdüstern, endlich mal zwei, drei Wochen weg sind.

Aktivferien

Irgendwie ein Widerspruch in sich, trotzdem ein anhaltender «Megatrend», mit dem Anstrich von Erhabenheit: Ferien sind nicht mehr dazu da, um sich auszuruhen und herumzusinnlosen, sondern um forciert sich sportiv zu betätigen. Im Prinzip nichts dagegen. Nur neigen speziell diese Aktivposten dazu, anderen ihre Ferienerlebnisse weit über das Normalmass hinaus unter die Nase zu reiben. Absolvierte Kilometer, Anzahl bestiegener Gipfel, Tiefe der Tauchgänge, Wildheit der Stromschnellen usw. Oft ebnen erlittene Sportverletzungen den Einstieg in längere, von Handybildern untermalte Vorträge. Diese sind dazu angetan, auch bei notorischen Herumhängern sportlichen Ehrgeiz zu wecken – nämlich schnellstens Reissaus zu nehmen.

(Den Erzählern wiederum sei das Buch «Die Kunst, andere mit seinen Reiseberichten zu langweilen» von Matthias Debureaux zur Lektüre empfohlen.)

Abenteuerferien

Die Steigerungsform von Aktivferien. Abenteuerurlaub ist zum Beispiel, wenn man kein WLAN hat, in unwirtlichen Gegenden enorme Entbehrungen in Kauf nehmen muss, die unglaubliche Gastfreundschaft von mausarmen Völkern erleben darf, zehn Tage nicht warm duschen kann und (mindestens) einmal ganz, ganz knapp dem Sensenmann entwischt. Letzteres gelingt nicht allen. Immerhin ist ihnen dann ein ehrendes Andenken mit fast schon Heldenstatus gewiss.

Wellnessferien

Nette Umschreibung für gepflegtes Nichtstun, ein paar Lektionen Wassertreten, Yoga und Golf ausgenommen. Während einer, zweier Wochen lässt man sich nach Strich und Faden verwöhnen, unter Verabreichung von allerlei sogenannten Anwendungen. Entspricht der heutigen In­stant-Mentalität. Alles ist auf die Schnelle zu haben. Auch Wohl­befinden. Dieses stellt sich denn auch prompt ein. Am meisten bei Anbietern von Wellnessferien.

Badeferien

Obwohl weiterhin häufig prak­tiziert, hat wahrscheinlich der ­Aktivferien-Boom dazu geführt, dass man sich etwas geniert, sich zu Badeferien zu bekennen. Wiederholte Brandreden von Dermatologen haben das Ihre dazu beigetragen, dass diese unter süd­licher Sonne eigentlich recht angenehme Ferienform etwas in Verruf geraten ist. Dass diesen Sommer die jahrelang verpönten Hawaii-Hemden modisch angesagt sind, ist vielleicht ein erstes Anzeichen eines Gegentrends.

Campingferien

Dazu muss man geboren sein. Dann ist es die vielleicht schönste Ferienform überhaupt. Dass es auf Campingplätzen auch zu verbissenen Revierkämpfen, problematischen Nachbarschaften, störenden Geruchs- und Lärmimmissionen sowie anhaltenden Tiefdruckgebieten kommen kann, tut dem keinen Abbruch. Man fühlt sich dann immer gleich ein wenig wie daheim.

Städteferien

Eine taugliche Variante. Die Städte haben sich etwas entvölkert, die Hotelpreise sind günstiger, und wer länger bleibt, findet nach dem Abklappern der vom Fremdenführer empfohlenen Sehenswürdigkeiten Zeit, das normale Leben kennen zu lernen. Ganz Gewitzte verzichten von Anfang an auf die touristischen «Hotspots». Gleichwohl tut man gut daran, sich etwas theoretisches Basiswissen anzueignen, falls zu Hause jemand nachfragen sollte.

Ferien im Bett

Nein, nein, gemeint ist nicht ein ausgeprägt libidinöses Verhalten, sondern das Flachliegen im Bett. Krank in den Ferien. Dieses «Leisure Sickness» genannte Phänomen betrifft Leute, die beruflich oft am Anschlag sind. Haben sie mal Ferien, wird alles runtergefahren. Leider meint auch das zuvor auf Hochtouren propellernde Immunsystem, es nun schleifen lassen zu können, mit unheilvollen Folgen, die von einer kleinen Erkältung bis zum plötzlichen Exitus reichen können. Ob gefährdete Personen am besten gar keine Ferien machen sollten, wird noch diskutiert. Tendenz: jein.

Je länger, je besser?

Einem Gutachten von Psychologen der Universität Bern aus dem Jahr 2011 ist zu entnehmen, dass mehrere Kurzferien jährlich (wahrscheinlich) erholsamer sind als längere Ferien, zumal der Nachhaltigkeitseffekt selbst nach monatelangen Sabbaticals nicht gross ist. Innert Kürze ist man danach wieder im alten Fahrwasser. «Als besonders belastend hat sich erwiesen, wenn man nach den Ferien aufarbeiten muss, was während der Ferien angefallen ist», heisst es in der Studie. Das kann man umgehen, wenn man vor den Ferien tüchtig vorschafft und sich während der Ferien die Arbeit nachschicken lässt.

Reisen trennt

Angeblich haben Paarberater und Scheidungsanwälte nie so viel zu tun wie nach der Sommerferienzeit. Daraus sollte man aber keine falschen Schlüsse ziehen. Guy Bodenmann, Psychologe und Paarforscher an der Universität Zürich, hat kürzlich in einem Interview mit dem «Landboten» klargestellt, dass halt auch viele Paarberater und Scheidungsanwälte im Juli und August Ferien machen würden, weswegen es dann im September zu mehr Anmeldungen komme.

Die Ferienzeit könne bei Paaren zwar schon zum Bruch führen, so Bodenmann, oft sei dann aber bereits zuvor so einiges aus dem Lot gewesen. Falls es also noch einigermassen stimmt in der Beziehung, kann man Ferien zu zweit wagen. Falls es nicht so stimmt und man auf Trennung aus ist, sollteman es wagen.

Reisen bildet

Ein weiteres Sprichwort mit bedingtem Wahrheitsgehalt. Es gibt Leute, die haben die halbe Welt bereist, und sie sind trotzdem nur kleine Kirchenlichter. Wobei man häufig ja nicht weiss, wie sie früher waren, vor der Reiserei. Vielleicht waren sie ja damals die noch grösseren Simpel. Geben wir ihnen also noch eine Chance, bis sie die ganze Welt bereist ­haben.

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