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SPANIEN: Sexattacken an Stierhatz in Pamplona

Unzählige sexuelle Übergriffe überschatten das berühmte Volksfest im Norden Spaniens. Nun kämpfen Behörden, Bürgerinitiativen und Medien gemeinsam gegen das frauenfeindliche Festambiente.
Ralph Schulze, Madrid
Es reicht: Frauen demonstrieren in Pamplona gegen Grapscher und Gewalttäter. (Bild: AP/Alvaro Barrientos)

Es reicht: Frauen demonstrieren in Pamplona gegen Grapscher und Gewalttäter. (Bild: AP/Alvaro Barrientos)

Ralph Schulze, madrid

Spaniens berühmtestes Volksfest, das Stiertreiben von Pamplona, macht nicht nur wegen der lebensgefährlichen Rennen mit den Kampfbullen Schlagzeilen. Auch massenhafte sexuelle Attacken auf Frauen während des neuntägigen Sauf- und Stierfestes, das heute zu Ende geht, empören die spanische Öffentlichkeit. So sehr, dass dieser Tage Tausende Menschen in Pamplona gegen die sexuellen Aggressionen auf die Strasse gingen. Und Einwohner Plakate an Balkone und Fenster hängten, auf denen steht: «Schluss mit den Übergriffen.»

Mehrere Vergewaltigungen von Festbesucherinnen, darunter zwei Touristinnen aus Frankreich und Australien, beschäftigen gerade die Polizei. Eine junge Spanierin soll von gleich fünf Männern, darunter ein Polizist in Ausbildung, missbraucht worden sein. Im Vorjahr hatte der sexuelle Missbrauch einer deutschen Urlauberin während des Volksfestes für internationale Negativschlagzeilen gesorgt.

Die Stiere kommen. Was nicht auf Balkonen und Tribünen ist, schaut, dass er wegkommt (Bild: AP Photo/Alvaro Barrientos)
Der Stier und ein Läufer haben Augenkontakt. (Bild: AP Photo/Alvaro Barrientos)
Der Läufer entscheidet sich zu spät, wohin er flüchten soll. (Bild: AP Photo/Alvaro Barrientos)
Es wird knapp … (Bild: AP Photo/Alvaro Barrientos)
Der Läufer weicht den Hörnern aus. (Bild: EPA / Javier Lizon)
Dieselbe Sekunde, von einem anderen Fotografen festgehalten. (Bild: EPA / Jim Hollander)
Der Mann hat etwas abgekriegt. Er liegt am Boden. (Bild: AP Photo/Alvaro Barrientos)
Die Stiere ziehen weiter (Bild: AP Photo/Alvaro Barrientos)
Die Ambulanz transportiert den Verunfallten ab. Nach Angaben des Spitals wurde ihm ein Horn ins Bein gestossen. (Bild: AP Photo/Alvaro Barrientos)
Die Stierhatz geht weiter. Vier weitere Personen werden im Spital landen. (Bild: AP Photo/Alvaro Barrientos)
Stier Nummer 15 beschäftigt sich mit zwei Wagemutigen. (Bild: EPA/Villar Lopez)
Ein Knäuel Läufer hat die Orientierung verloren. (Bild: EPA/Villar Lopez)
12 Bilder

Die Stiere kommen – und erwischen mehrere Läufer

In vielen Fällen keine Anzeige

Doch das sind nur die extremen Vorfälle auf diesem alkoholreichen Volksfest, das auch Hunderttausende ausländische Touristen anzieht. Hinzu fügen sich unzählige Sexattacken, die in der Regel nicht angezeigt werden: wo Frauen an die Brust, den Po, in den Schritt gefasst wird, sie ungefragt geküsst werden. Die nationale Tageszeitung «ABC» schreibt entsetzt: «Die sexuellen Aggressionen haben sich in den letzten Jahren bei völliger Straflosigkeit ausgebreitet. Jedes Jahr werden Dutzende Frauen begrapscht.»

Bilder von drangsalierten Frauen, die auf Strassen und Plätzen betatscht, ausgezogen und sexuell belästigt werden, sorgten dafür, dass die Polizei mit einem Grossaufgebot die Besucherinnen dieser gigantischen Stadtparty beschützen musste. 3500 Polizisten, so viel wie noch nie, waren im Einsatz, um die Sicherheit zu gewährleisten. Vielerorts wurden hochauflösende Kameras installiert, um Gewalttäter und Grapscher leichter identifizieren zu können.

Werbung mit schlüpfrigen Fotos

Die lokale Plattform «Frauen gegen sexistische Gewalt» beklagt, dass solche Attacken zum Festalltag gehören: «Jede Frau, die hier unterwegs ist, hat dies schon erlebt.» Diese Sexattacken häuften sich auch deswegen, «weil sich die Idee ausgebreitet hat, dass hier alles erlaubt ist». Und weil manche Reiseveranstalter, die Pauschalpakete für Pamplona-Touristen anbieten, mit schlüpfrigen Fotos werben. Auf denen waren zum Beispiel in der Vergangenheit Stiere zu sehen, an deren Hörnern Büstenhalter baumelten.

Als Folge des frauenfeindlichen Festambientes kämpften Behörden, Bürgerinitiativen und Medien gemeinsam mit einer grossen Kampagne für ein «Fest ohne sexuelle Aggressionen». Laura ­Berro, die Frauenbeauftragte der Stadt, sagt: «Alkohol und Drogen sind keine Entschuldigungen, um den Bogen zu überspannen.» Broschüren wurden unter den männlichen Festbesuchern verteilt, in denen zu lesen ist: «Fass mir nicht an den Po.» Oder: «Zieh mich nicht mit deinen Blicken aus.»

Bürgermeister Joseba Asiron hatte die Bevölkerung von Pamplona dazu aufgerufen, nicht wegzuschauen und bedrängten Frauen zu Hilfe zu eilen. Und er versprach nicht zu ruhen, bis diese «untolerierbaren» Vorfälle auf diesem Stierfest, das zu Ehren des Stadtheiligen San Fermín organisiert wird, verschwunden seien. Die Sexangriffe auf Frauen, sagte Asirón, seien «der Schandfleck des San-Fermín-Festes».

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