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SPIELZEUG: Barbie schwingt den Säbel und trägt Kopftuch

Die bald 32-jährige Muslimin Ibtihaj Muhammad gewann als Säbelfechterin verschleiert eine olympische Medaille. Nun dient sie «Barbie» als Vorbild.
Ibtihaj Muhammad. (Bild: EPA)

Ibtihaj Muhammad. (Bild: EPA)

Sie steht mit beiden Beinen auf dem Boden trotz des Rummels um ihre Person. «Ich bin ein einfaches Mädchen aus Jersey», pflegt Ibtihaj Muhammad zu sagen, «das einen Traum hatte und bereit war, für die Erfüllung dieses Traumes hart zu arbeiten.» Aber natürlich ist sich die Säbelfechterin, die im Dezember ihren 32. Geburtstag feiern wird, bewusst, dass sie alles andere als ein normales «Jersey Girl» ist.

Denn welches andere «Mädchen» aus einem Vorort der Millionen-Metropole New York kann schon von sich sagen, dass sie Patin für eine «Barbie»-Puppe stand? Eine Puppe notabene, die nicht nur ähnlich muskulöse Beine aufweist wie Muhammad – sie spricht in diesem Zusammenhang von Beinen, die eine olympische Medaille gewinnen können –, und die entsprechende Schutzkleidung, sondern auch den charakteristischen Hidschab, den die Sportlerin in der Öffentlichkeit stets trägt. Darauf bestand Muhammad übrigens, als der «Barbie»-Hersteller Mattel an sie herantrat. Wenn sie einer neuen «Barbie»-Puppe als Vorbild diene, soll sie gesagt haben, dann müsse jedes Detail stimmen.

Muhammad bezeichnet die «Barbie»-Puppe, die ab 2018 in den USA im Handel erhältlich sein wird, mit dem Wort «revolutionär». Als Kind habe sie in Maplewood (New Jersey) oft und gerne mit Puppen gespielt; aber «Barbie», die viel zu lange dem Schönheitsideal der späten Fünfzigerjahre entsprach, habe ihr nicht geglichen. Also habe sie zusammen mit ihren Schwestern Kopftücher und Schleier geschneidert. Nun hoffe sie, dass die neue Puppe vor allem Mädchen mit dunkler Hautfarbe als Inspiration dienen werde und dass diese Mädchen «umarmen werden, was sie einmalig macht».

Muhammad hat diese Umarmung längst vollzogen. Zum Fechtsport fand sie als sportlich begabtes Mädchen auch, weil sie während der Wettkämpfe einen Hidschab tragen konnte – ohne dabei wertvolle Punkte preiszugeben. Sie studierte an der renommierten Duke University in North Carolina und lancierte 2014 ihre eigene Kleiderlinie (Louella) für Frauen, die in der Öffentlichkeit sittsam auftreten wollen. Bekannt wurde Muhammad im vorigen Jahr, als sie die erste amerikanische Muslimin war, die verschleiert an Olympischen Spielen teilnahm – und im Mannschaftswettkampf der Säbelfechterinnen zusammen mit dem Team USA eine Bronzemedaille gewann. Dank diesem Erfolg könne sie nun Stereotype über den Islam ausräumen.

So warf Muhammad in diesem Frühjahr Präsident Donald Trump in einem offenen Brief vor, er schüre den Hass gegen Menschen wie sie. So werde sie regelmässig auf der Strasse beschimpft, und wildfremde Menschen forderten sie auf, zurück in ihr Heimatland zu gehen. Ihren Hidschab werde sie deshalb aber nicht ablegen, sagt die religiöse Sportlerin. Denn dank der Verschleierung werde sie nicht aufgrund ihres Aussehens beurteilt, sondern aufgrund «meiner Stimme».

Renzo Ruf, Washington

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