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SPIRITUALITÄT: Wie kann ich dem Tod ohne Furcht begegnen?

Marianne Iten setzt sich künstlerisch mit einer menschlichen Urangst auseinander: Wie kann ich dem Tod ohne Furcht begegnen? Die Antwort liegt in einem seelischen Zustand, den jeder auf persönliche Weise erreicht.
Andreas Faessler
Um die Angst vor dem Tod zu überwinden, braucht es inneren Frieden. Marianne Iten Thürig setzt diese Überzeugung künstlerisch um.

Um die Angst vor dem Tod zu überwinden, braucht es inneren Frieden. Marianne Iten Thürig setzt diese Überzeugung künstlerisch um.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Viele Menschen hadern mit der Tatsache, dass alles Irdische vergänglich ist. Der Gedanke an diese Endlichkeit quält sie, ihre Urangst vor dem eigenen Tod holt sie immer wieder ein.

Die Künstlerin Marianne Iten Thürig aus Cham hat die Gelegenheit erhalten, sich mit dieser zentralen Thematik an einem einschlägigen Ort auseinanderzusetzen: Für das Kunstprojekt «furchtlos» in den lichtdurchfluteten Korridoren des Krematoriums Nordheim in Zürich hat Marianne Iten grosse Seidentücher gestaltet. Für sie ist klar: Wer zum inneren Frieden findet, kann die Angst vor dem Ableben überwinden. Sie selbst hat wiederholt ihr nahestehende Menschen aus der Verwandtschaft in ihren schweren Stunden begleitet, dabei gelernt, Krankheit, physisches Leiden, geistigen Zerfall und Schmerz einzuordnen und zu verstehen – und folglich damit umgehen zu können.

Alles wird eins

«Man kommt irgendwann zum Punkt, an dem Worte bei der sterbenden Person nicht mehr greifen. Dann muss der Beistand auf eine andere Ebene verlagert werden. Schafft man es, die Worte wegzulassen und einfach für den Sterbenden da zu sein, so dringt in dieses Schweigen bald ein überwältigendes Gefühl der bedingungslosen Liebe und des unendlichen inneren Friedens. Alles wird eins. Dieser Friede ist ein Mysterium.» Zu seinem inneren Frieden zu finden, ist für viele Menschen einfacher gesagt als getan. Ein Patentrezept hierfür gibt es freilich nicht, und jeder muss seinen individuellen Weg dazu finden. «Wichtig ist», so Marianne Iten, «dass man aufhört, sich selber einzuschränken und Urteile zu hegen. Es braucht eine Übereinkunft mit sich selber, eine Resonanz.» Aber das erfordere einiges an Disziplin, und für diese wiederum brauche es eine furchtlose Hingabe – und Zeit. Zeit für sich selbst.

«Will man zum inneren Frieden finden, muss man sich auch Ängsten stellen. Dazu wiederum braucht es Mut», fährt die gebürtige Unterägererin fort, die beruflich im Sozial- und Therapiebereich über lange Zeit einen grossen Erfahrungsschatz im Umgang mit benachteiligten und traumatisierten Menschen erworben hat.

Der Weg, via den Marianne Iten, deren Leben wiederholt von schwierigen Phasen geprägt war, zu ihrem Frieden gefunden hat, führte über die Sinne, das Ausleben ihrer Kreativität, übers Gebet und über die Meditation. Sie bezeichnet sich nicht als religiös, sondern als spirituell. Marianne Iten findet in verschiedenen spirituellen Traditionen Wege zu einer bedingungslosen Liebe und zu einem inneren Frieden, indem sie singt, trommelt, meditiert. Selbstverständlich fänden viele Menschen auch über die Religion zum Frieden. «Gott oder das Göttliche – vorausgesetzt, es existiert – darf jedoch nicht einschränken.» Wahrer Friede und bedingungslose Liebe schränkten nicht ein, ist sie überzeugt.

Das spirituelle Kunstprojekt «furchtlos – wie kann ich in Frieden gehen?» im Krematorium Nordheim ist Marianne Itens Versuch, dem Mysterium der Todesangst und dem allumfassenden Frieden mit sich selbst auf den Grund zu gehen. Wiederholt hat sie hierfür gezielt Orte aufgesucht, an denen sie selber zur Ruhe kommt, wo sie sich gesegnet fühlt und unbekümmert sich selbst sein, sich vom Selbstbild lösen kann.

Einen solchen Ort schafft sie nun mit «furchtlos» und ihrer Seidenarbeit. Jedes Tuch ist von einer anderen Thematik geprägt: eine Konfession, ein Kulturkreis, ein spiritueller Grundsatz oder die Phasen des Sterbens. Die Sujets verbildlichen zentrale Komponenten für die Suche nach dem Frieden.

Das menschliche Gesicht als starkes Motiv

Ein immer wieder auftauchendes Motiv auf den Seidentüchern ist das menschliche Gesicht. «Es ist für mich als Künstlerin ein wunderbares Forschungsobjekt», sagt Marianne Iten. «Es zeigt Emotionen, deutet auf Herkunft, Alter, Wesenszüge und Erfahrungsschatz hin.»

Jedes Gesicht auf den Tüchern ist individuell und direkt von einer Person – rund 50 machten mit – mit einer speziellen Abdrucktechnik auf den Stoff übertragen worden. Diese ganz unterschiedlichen Charakteren in den Gesichtszügen bilden den «Rohstoff» für das Projekt «furchtlos». So unterschiedlich in Gestaltungsweise, Thematik und Erscheinung die Seidentücher sind, so identisch ist ihre Botschaft. Die Botschaft von Liebe und Frieden vereint – damit die Furcht vor der irdischen Vergänglichkeit schwindet.

Hinweis

«furchtlos» im Krematorium Nordheim ist zu sehen vom 30. April bis 29. Oktober.

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