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SPITALEINGRIFFE: Manch ein Knie würde ohne Eingriff besser heilen

Die Gelenkspiegelung gehört zu den populärsten Behandlungen. Doch auch der minimalinvasive Eingriff ist in vielen Fällen unnötig. Es braucht mehr Qualitätsmessung – wie bei den Hüft- und Knieprothesen.
Balz Bruder
Ein Arzt demonstriert die Funktion des Kniegelenks. (Symbolbild LZ)

Ein Arzt demonstriert die Funktion des Kniegelenks. (Symbolbild LZ)

Bei allem Frust über explodierenden Gesundheitskosten, steigende Krankenkassenprämien und zerstrittene Tarifpartner: Zwei Trends sind unverkennbar. Erstens die Verlagerung vom stationären in den ambulanten Bereich. Und zweitens das Vermeiden von unnötigen und schädlichen Eingriffen. Dennoch: Es gibt immer noch zu viele Behandlungen, die zum einen stationär durchge­führt werden und zum anderen ­unnötig sind. Vor allem bei Pri­vatversicherten: Da lohnt es sich für die Spitäler wegen des Finanzierungsmodus, Behandlungen nicht am Tag des Eingriffs abzuschliessen.

Mediale Resonanz hat in der vergangenen Woche eine Studie des «British Medical Journal» gefunden, die schwarz auf weiss bewies: Knie-Arthroskopien werden immer beliebter (bei Medizinern ebenso wie bei Patienten), aber sie bringen auf lange Sicht weniger gute Resultate als konventionelle Behandlungen (Physiotherapie, Medikamente usw.). Kostenpunkt für das Gesundheitswesen: 200 Millionen Franken pro Jahr.

Das Beispiel zeigt: Qualitätsmessungen werden in der Medizin immer wichtiger. Im Interesse der Patienten, die gleichzeitig Prämien- und Steuerzahler sind. Eine Vorreiterrolle nimmt dabei der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) ein. Seit knapp fünf Jahren werden beispielsweise Daten über implantierte Hüft- und Knieprothesen erfasst. Nun liegt erstmals ein wissenschaftlicher Bericht über den Zeitraum 2012 bis 2015 vor. In diesem wurden 130000 Hüft- und Knieprothesen dokumentiert. Das entspricht einer Teilnahmerate von 95 Prozent oder 149 Spitälern und Kliniken.

Auch wenn die Beurteilung von Langzeitverhalten und Funktionsdauer der Implantate erst nach mindestens zehn Jahren möglich ist: ANQ-Geschäftsleiterin Petra Busch ist überzeugt, dass das Register einen Benefit für Patienten, Spitäler und Industrie haben wird. «Die Leistungen von Ärzten, Kliniken und Implantaten werden mit grossen Fallzahlen international vergleichbar.» Auch weil das Register Auskunft über Komplikationen und deren Ursachen gibt. «Das ist wichtig für die Entwicklung der Operationsqualität ebenso wie für jene der Produkte.»

Aufschlussreich: Im Gegensatz zu den Arthroskopien ist bei den Implantaten keine Zunahme festzustellen; bei den Ersteingriffen ist sie sogar rückläufig. Das ist umso bemerkenswerter, als die Gesellschaft altert und im tatsächlichen Sinn arthritischer wird. Zur Illustration: Das durchschnittliche Alter bei Revisionseingriffen an der Hüfte liegt bei 71, am Knie bei 68 Jahren. Ein Lebensalter also, in dem die Arthrose häufig Leiden schafft – und das Implantat Abhilfe.

Balz Bruder

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