SPRACHE: Das Problem mit dem ;-)

In Norwegen beginnen Behörden, Briefe mit Smileys zu verfassen. Sprachforscher sorgen sich um die Kommunikation und fordern klare Regeln. Denn was freundlich aussieht, führt oft zu Missverständnissen.

Niels Anner/Kopenhagen
Merken
Drucken
Teilen
Emoticon-Symbole sind aus der heutigen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. (Bild: Stephen Lam/Getty)

Emoticon-Symbole sind aus der heutigen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. (Bild: Stephen Lam/Getty)

Niels Anner/Kopenhagen

Sie tanzen, hüpfen, grinsen und sind aus der heutigen Kommunikation nicht mehr wegzudenken, die lustigen Symbole der Smartphone-Generation, die Emojis. Die guten alten Smileys wirken schon fast altbacken, sind aber immer noch praktisch. Emojis laufen den Zeichenfolgen wie :-) allerdings den Rang ab, da sie wesentlich mehr Möglichkeiten bieten und sich im Handygebrauch rasend schnell verbreiten. 2015 wählten die Linguisten der altehrwürdigen «Oxford Dictionaries» einen vor Lachen Tränen weinenden Smiley zum Wort des Jahres.

In privaten Texten sind grinsende oder winkende Gesichter bereits internationales Standardinventar, doch in Norwegen werden neue Grenzen gesprengt. Die skandinavische Gesellschaft ist von Smartphone-Kommunikation durchflutet, wie auch jene in Finnland, wo laut einer Erhebung von Instagram drei von fünf Nutzern Emojis verwenden. «In Oslo sind die ersten Smileys in offi­ziellen Behördenbriefen aufgetaucht», sagt der Sprachforscher Jan Olav Fretland Radiosender NRK. Da stelle sich die Frage, wie Smileys im offiziellen Sprachgebrauch verwendet werden sollen.

Emoticons brauchen Regeln

Das Smiley ist laut Fretland für viele Leute ein nützliches Werkzeug geworden, allerdings sei unklar, was damit ausgedrückt werden solle. Laut Linguist Fretland zeigen zahlreiche Forschungsarbeiten über das Smiley, dass es vor allem gebraucht wird, um ­etwas Positives zu verstärken oder etwas Negatives abzuschwächen. Das Problem der Schriftsprache sei aber, dass sie klare Regeln brauche. Emoticons, meint der norwegische Publizist Frank Rossavik, führen dazu, dass wir Gefühle und Ironie schlechter mit Worten ausdrücken können.

Die Sprachforscherin Aud Söyland, Verfasserin eines Buches über norwegische Rechtschreibung, sagt, unter jüngeren Leuten werde ein E-Mail ohne Smiley oft als direkt unhöflich empfunden. Aber bei seriösen Briefen rät sie «vorläufig» noch zur Zurückhaltung, weil Emoticons vielen Erwachsenen unpassend erscheinen oder falsch verstanden werden.

Deutsche Psychologen haben in einer Studie herausgefunden, dass Vorgesetzte durch den Gebrauch von Emoticons in E-Mails unterschiedlich wahrgenommen werden: Wer viele Smileys verwendet, erhält einen Sympathiebonus, wirkt aber auch weniger durchsetzungsfähig. Und wer gar keine Smileys verwendet, wird schnell als ernst, humorlos oder gar deprimiert eingeschätzt.

Als neue Lingua franca taugen die Zeichen ebenfalls nicht. Das zeigt sich deutlich bei den in ­Japan erfundenen Emojis (japanisch für «Bilderbuchstaben»), die dort Ende der 1990er-Jahre entwickelt wurden. Ein rot angelaufenes, zusammengekniffenes Gesicht steht in Japan für «schmollen», auf Deutsch hingegen für «wütend». Die hoffnungsvolle Einschätzung der «Oxford Dictionaries», dass Emoticons und Emojis Sprachgrenzen überwinden können, erfüllt sich also kaum. Dennoch scheint ihr Erfolgszug ungebremst. Die Kulturhistorikerin Sofie Klemetzen sagte dem norwegischen Radio, sie habe ihren Widerstand gegen Smileys aufgegeben, weil sie oft als schlecht gelaunt und unfreundlich aufgefasst worden sei: «Die Zeichen sind zu einer sozialen Norm geworden.»