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SPRACHE: Die Geschichten unserer Redewendungen

Jeder Mensch, ob jung oder alt, braucht zahlreiche Redewendungen pro Tag. Meistens verstehen wir sie sofort, auch ohne zu wissen, woher sie kommen. Viele davon haben eine lange Geschichte.
Jacqueline Schilling
Diese vier Bilder zeigen Redensarten, die Du sicher schon einmal gehört hast. Erkennst Du sie? (Lösungen am Ende des Artikels)

Diese vier Bilder zeigen Redensarten, die Du sicher schon einmal gehört hast. Erkennst Du sie? (Lösungen am Ende des Artikels)

Jacqueline Schilling

Redensarten oder Redewendungen gibt es haufenweise. Und wir brauchen sie so selbstverständlich, dass wir’s manchmal gar nicht merken. Ein Beispiel gefällig? Wer «immer nur Bahnhof versteht», versteht nichts. Und das vielleicht auch noch absichtlich, weil er nicht richtig zuhören kann oder will. Woher kommt diese Redewendung? Deutsche Soldaten waren es, die am Ende des Ersten Weltkrieges nur noch eines im Sinn hatten: Wie komme ich auf dem kürzesten Weg nach Hause. Der Bahnhof stand für Urlaub, Heimkehr und Entlassung aus der Armee. Da konnte einem nichts anderes in den Sinn kommen als Bahnhof. Nur noch Bahnhof. Oder nehmen wir das Beispiel «am Ball bleiben»: Wenn 20 Leute einem Ball nachrennen, ist dieser Ball offensichtlich wichtig. Wer ihn hat, hat einen Vorteil oder im übertragenen Sinn: Er verliert eine wichtige Sache nicht aus den Augen. Nicht so einfach ist’s mit «Da liegt der Hund begraben». Man vermutet, die Vorstellung vom begrabenen Hund gehe zurück auf die Volkssage vom Schatzhüterhund, der die Reichtümer tief in der Erde vor Schatzgräbern bewachte.

Moderne gibt es auch – zum Beispiel aus TV-Sendungen

Oder das «Perlen vor die Säue werfen»: Diese Redensart wenden wir an, wenn jemand eine grosszügige Geste mit Verachtung straft oder sich ihrer unwürdig erweist. Ihren Ursprung hat sie in der Bibel, genauer im Matthäus-Evangelium (Matth 7, 6). Da steht: «Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füssen und sich umwenden und euch zerreissen.» Weil ohnehin niemand auf die Idee käme, Schweine mit Perlen zu füttern, geht man davon aus, dass beim Übersetzen Missverständnisse aufgetaucht sind.

Redensarten sind meistens bildhafte Ausdrücke. Sie stehen nicht für sich allein, sind also nur Wortgruppen und kein ganzer Satz. In Sammlungen werden sie im Infinitiv aufgeführt, also zum Beispiel: «Vom Regen in die Traufe kommen» oder «sich über Wasser halten». Sprichwörter hingegen sind ganze Sätze, kurz und meistens belehrend: «Schuster bleib bei deinem Leisten» ist ein Beispiel dafür. Viele bekannte Redewendung sind alt. Aber auch neue finden den Weg in die Sprache. Manchmal sogar sehr schnell. «Ich habe leider kein Foto für dich» ist so eine. Ihren Ursprung hat sie bei «Germany’s Next Topmodel». Wer kein Foto bekommt, ist ausgeschieden.

Zurück zu den «alten» Redensarten. Wer sagt nicht manchmal: «Er hat sich aus dem Staub gemacht»? Wenn es brenzlig wird, sollte man «die Beine in die Hände nehmen» und sich «aus dem Staub machen», also flüchten. Und zwar unauffällig. Von niemandem bemerkt – in eine Staubwolke gehüllt – will jemand die Szene verlassen. Das Sprachbild entstand auf dem Kampfplatz, wo im Schlachtgetümmel schon mal Staubwolken entstanden und alles verhüllten. «Jemanden in den Senkel stellen» bedeutet, etwas, das in Schieflage geraten ist, wieder ins Lot zu bringen. Mit dem Senkel ist also das veraltete Wort «Senkblei» gemeint, nicht der Schnürsenkel. «Jemanden in den Senkel stellen» steht also etwa für scharfe Rügen erteilen.

«Perlen vor die Säue» – Noch mehr populäre Redensarten, Karl Hugo Pruys, Bebraverlag


Lösungen
Am Ball bleiben, da liegt der Hund begraben, nur Bahnhof verstehen, sich aus dem Staub machen.

Diese vier Bilder zeigen Redensarten, die Du sicher schon einmal gehört hast. Erkennst Du sie? (Bilder: Getty, Urs Bucher, KEY, Getty)

Diese vier Bilder zeigen Redensarten, die Du sicher schon einmal gehört hast. Erkennst Du sie? (Bilder: Getty, Urs Bucher, KEY, Getty)

Dog Memorial (Bilder: Getty, Urs Bucher, KEY, Getty)

Dog Memorial (Bilder: Getty, Urs Bucher, KEY, Getty)

Zuerich, 6.3.2014, Inland - Baustellenbegehung Durchmesserlinie Zuerich, Rundgang durch die Baustelle der Durchmesserlinie am Hauptbahnhof in Zuerich. Passage Loewenstrasse. (Melanie Duchene/EQ Images) (KEYSTONE/EQ IMAGES/Melanie Duchene) (Bild: MELANIE DUCHENE (EQ IMAGES))

Zuerich, 6.3.2014, Inland - Baustellenbegehung Durchmesserlinie Zuerich, Rundgang durch die Baustelle der Durchmesserlinie am Hauptbahnhof in Zuerich. Passage Loewenstrasse. (Melanie Duchene/EQ Images) (KEYSTONE/EQ IMAGES/Melanie Duchene) (Bild: MELANIE DUCHENE (EQ IMAGES))

Young man chasing car (Bild: Michael Blann (Digital Vision))

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