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SPRACHGEBRAUCH: Lassen wir die Kirche im Dorf

In kaum einer anderen Sprache werden so viele geflügelte Wort verwendet wie im Deutsch. Zahlreiche haben ihren Ursprung in Religion und Glaube. Was genau liegt ihnen zu Grunde?
Andreas Faessler
Menschen in Abrahams Schoss – hier sind sie in Sicherheit. Abbildung aus einer Enzyklopädie des 12. Jahrhunderts.PD

Menschen in Abrahams Schoss – hier sind sie in Sicherheit. Abbildung aus einer Enzyklopädie des 12. Jahrhunderts.PD

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Unsere angewandte Sprache ist gespickt mit Redewendungen und Sprichwörtern. Vor allem das Deutsch weist diesbezüglich ­einen ungeheuren Reichtum auf. Meist sind es kleine Weisheiten oder Bezeichnungen, die eine Tätigkeit oder eine Verhaltensweise auffassen und sie wie eine Art Gleichnis darstellen. Viele dieser Wendungen haben wörtlich keinen direkten Bezug du dem, was sie beschreiben, aber dennoch versteht man grundsätzlich, was gemeint ist. Ein noch spannenderer Aspekt ist es, dass kaum jemand die Herkunft dieser geflügelten Worte hinterfragt, wenn er sie anwendet. Viele von ihnen haben ihre Wurzeln in der Religion. Das ist zwar oft naheliegend, weil ein enthaltener Begriff darauf hinweist. Aber woraus die Wendung einst wirklich hervorgegangen ist, entzieht sich meist der allgemeinen Kenntnis. In der Folge listen wir eine Auswahl an geflügelten Worten und Redewendungen mit religiösem Hintergrund.

«In Sack und Asche gehen»

Bedeutung: Busse tun, etwas bereuen.

Herkunft: Im Alten Testament predigt der Prophet Jona den Menschen, sie sollen Busse tun. Der König zerreisst – so ergriffen von Jonas Rede – seine Kleidung zu Lumpen und streut sich Asche als Zeichen von Reinigung und Wandel auf den Kopf. Er heisst seine Leute es ihm gleichzutun, sie sollen ebenfalls in «Sack und Asche gehen».

«Sicher wie in Abrahams Schoss»

Bedeutung: wohlbehütet und geborgen sein, fern aller Gefahr.

Herkunft: Im Lukasevangelium wird erzählt, wie der heilige Lazarus am Ende seines Lebens in Armut von Engeln in «Abrahams Schoss» getragen wird. Im Judentum gilt der Schoss als Inbegriff der Seligkeit, des Reiches Gottes.

«Eine Gardinenpredigt halten»

Bedeutung: jemanden (meist zu Hause) für ein Fehlverhalten unmissverständlich zurechtweisen.

Herkunft: Das Wort geht auf das Bild der schimpfenden Gattin zurück, die hinter dem Bettvorhang hervor dem zu spät von der Kneipe kommenden Ehemann eine «Predigt» hält und ihm zu verstehen gibt, was sich gehört und was nicht. Ähnlich der Predigt in der Kirche, wo ebenfalls zu Sitte und Moral aufgerufen wird.

«Im siebten Himmel sein»

Bedeutung:überglücklich sein.

Herkunft: Der Talmud beschreibt den Himmel in sieben Sphären. In der obersten liegen Heil, Reichtum und Glück.

«Ein Schweinepriester»

Bedeutung: Bezeichnung für eine widerliche, verachtenswerte Person.

Herkunft: Einst wurden so die Schweinehirten in einem Klosterstall genannt, die auch die Ferkel kastrierten.

«Ein Buch mit sieben Siegeln»

Bedeutung: Wenn ein Thema für jemanden nur schwer verständlich, greifbar ist.

Herkunft: In der Offenbarung des Johannes kommt eine siebenfach versiegelte Buchrolle vor. Bildhaft wird beschrieben, wie Jesus in Gestalt des Lammes ein Siegel nach dem anderen öffnet. Dann bricht die Apokalypse los.

«Ein Tohuwabohu»

Bedeutung: ein Durcheinander.

Herkunft: Im ersten Buch Mose ist von der Schöpfung die Rede. Als Gott Himmel und Erde schuf, war Letztere «wüst und leer». Im Hebräischen heisst das «tohu va vohu». Es wird auch mit «wirr» und «ungeordnet» übersetzt.

«Jemandem die Leviten lesen»

Bedeutung: jemanden harsch zurechtweisen.

Herkunft: Die Leviten waren ein Stamm des Volkes Israel und dafür verantwortlich, dass im Tempel die Vorschriften eingehalten werden. Im dritten Buch Mose (Leviticus) sind diese Regeln und Gebote beschrieben. Einst riefen die Obrigen die Geistlichen zur Ordnung, indem sie ihnen regelmässig die Leviten lasen.

«Drei Kreuze machen»

Bedeutung: erleichtert sein, dass eine schwierige Situation überstanden ist.

Herkunft: Es geht schlicht auf ein katholisches Dankesgebet zurück, bei dem sich der Betende bekreuzigt. Ist er besonders dankbar, tut er es gleich dreimal.

«Die Kirche im Dorf lassen»

Bedeutung: keine zu grosse Sache aus etwas machen, sachlich bleiben, nicht übertreiben.

Herkunft: Generell markierte die Kirche den Mittelpunkt eines Dorfes. Wenn aber kirchliche Ereignisse besonders gut besucht waren, musste man die Zeremonien gelegentlich aus Platzgründen auf dem Feld vor dem Dorf abhalten. Kritische Stimmen sagten dann schon mal, dass die Kirche doch besser im Dorf bleiben solle, denn da gehöre sie hin.

«Das ist nicht der wahre Jakob»

Bedeutung: Etwas ist nicht das Richtige.

Herkunft: Santiago de Compostela gilt als Grabstätte des heiligen Jakobus und ist einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Europas. Doch behaupteten einst auch andere Kirchen, im Besitz der Gebeine des Apostels zu sein – um Pilger anzulocken. Der «wahre Jakob» aber liegt offiziell in Santiago.

«Zur Salzsäule erstarren»

Bedeutung: vor Schreck wie gelähmt sein.

Herkunft: Als Gott Sodom und Gomorrha zerstörte, liess er den rechtschaffenen Lot und seine Familie aus der Stadt fliehen, warnte sie aber unter Strafe, nicht stehen zu bleiben und sich nicht umzudrehen. Lots Frau erlag der Neugier und blickte zurück. Gott verwandelte sie in eine Salzsäule.

«Heiliges Kanonenrohr!»

Bedeutung: Ausruf des Erstaunens oder Entsetzens.

Herkunft: Einst dürfte der Ausruf entstanden sein, um im Moment grosser Betroffenheit eine heilige Instanz anzurufen. Da man aber – je nachdem, worüber man so erschrocken war – keinen «echten» Heiligen mit in die Sache hineinziehen wollte, setzte man an seine Stelle ein Objekt. Beispielsweise das Kanonenrohr.

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