STARS UND KRITIK AM WEF: Clintons Freude und Geisslers Attacken

Es ist losgegangen in verscheiten Winterkurort: Mit den Stars sind am Mittwoch in Davos auch die WEF-Kritiker eingetroffen.

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Während Ex-US-Präsident Bill Clinton («Hier ist es so schön wie in den Ferien») ein freudiges Wiedersehen mit «Belvédère»-Direktor Ernst Wyrsch und seinem 16-jährigen Sohn Sandro feierte, wurden knapp einen Kilometer entfernt im «Montana» die zum fünften Mal die bissigen «Public Eye»-Awards vergeben. Moderator Anatole Taubman, der Bösewicht Elvis im letzten Bondfilm, liess sich von einem der rund 500 Gäste den Krawattenknopf machen – und verteilte die Awards im Namen der Erklärung von Bern und von Greenpeace Schweiz mit Krawatte.

Wegen «besonders krassen Verstössen gegen ethische Unternehmensführung» musste der US-Bergbaukonzern Newmont Mining den Global Award und auch den People's Award (Internetabstimmung) entgegennehmen. Angeprangert wurde vor allem das Goldminenprojekt in Ost-Ghana der Firma. Mit dem Swiss Award vorlieb nehmen müssen dieses Jahr die Bernischen Kraftwerke BKW, die wegen ihrem geplanten Kohlekraftwerk im niedersächsischen Dörpen kritisiert werden. An der Veranstaltung, die zum 10. Mal stattfand, wurde aber auch gelobt: Die beiden kolumbianischen Gewerkschafter Jairo Quiroz Delgado und Freddy Lozzano erhielten den Positive Award.

Mineral für Cola-Boss
Unterdessen hatten sich in Kloster zwei Luzerner kennen gelernt: CVP-Nationalrat Pius Segmüller und Direktor Armin Amrein vom Prinz-Charles-Hotel «Walserhof». Oben in Davos schüttelte Ernst Wyrsch schon wieder prominente Hände: Jene von Kolumbiens Staatschef Alvaro Uribe und von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao. An der Réception musste Russlands Oligarch Viktor Wechselberg mit seinem Schweizer Berater, dem ehemaligen Botschafter Thomas Borer-Fielding, noch schnell ein Hotelzimmerproblem lösen. Hinten an der Bar hantierte derweil gerade Coca-Cola-CEO Muhtar Kent an seinem Blackberry-Handy herum – und bestellte ein ganz gewöhnliches Mineralwasser. An der gleichen Bar plauderte Box- und Fussball-Promotor Philippe Huber (brachte die Brasil-Natikicker nach Weggis) gemütlich mit Michelle McLean, Miss Universe 1992 aus Namibia, die hier für Südafrikas Tourismus wirbt.

Harte Geissler-Kritik
Da legte der «Public Eye»-Stargast Heiner Geissler erst richtig los. Der deutsche Ex-CDU-Minsiter wetterte zuerst über Eröffnungsredner Wladimir Putin, der in seinem Land eine «besonders hässliche Form des Kapitalismus», der sich bei uns längst selbst zerstört habe, dulde. Genau wie SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer und die Luzerner Greenpeace-Präsidentin Cécile Bühlmann prangerte Geissler das diesjährige WEF-Motto («Die Welt nach der Krise gestalten») an: «Das ist zynisch, denn es suggeriert, dass die Krise schon vorbei ist.» Alle drei forderten mehr Ethik, soziale Verantwortung und Staatskontrolle in der Wirtschaft. «Das jetzige Wirtschaftssystem muss ersetzt werden durch eine Internationale öko-soziale Marktwirtschaft, verbunden mit einem globalen Marshall-Plan vor allem zur Finanzierung der UN-Millenniumsziele», sagte Geissler.

André Häfliger, Davos