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STERBEHILFE: Auf der letzten Reise

Weil er seines Lebens nach 104 Jahren müde ist, lässt sich der australische Wissenschafter David Goodall in der Schweiz eine tödliche Infusion geben.
Wissenschafter David Goodall. (Bild: Getty (Basel, 8. Mai 2018))

Wissenschafter David Goodall. (Bild: Getty (Basel, 8. Mai 2018))

Im Basler Flughafen haben am Montag zahlreiche Journalisten aus aller Welt auf einen ganz besonderen Passagier gewartet. Ankommende Touristen und Geschäftsleute fragten sich: Wird eine Fussballmannschaft erwartet? Oder ein Filmstar?

Nichts von alledem – mit dem Easyjet-Flug aus Bordeaux erreichte der britisch-australische Wissenschafter David Goodall die Stadt am Rheinknie. Der 104-Jährige befindet sich auf seiner letzten Lebensreise, die ihn von Perth über Frankreich und Basel nach Liestal führt. Dort erhält Goodall morgen mit Hilfe der Stiftung Eternal Spirit eine Infusion mit Natrium-Pentobarbital. Nach dreissig Sekunden wird er einschlafen. Innert vier Minuten wird der Herzstillstand eintreten.

In einem Interview mit dem australischen Sender ABC bedauerte Goodall, dass er wegen des Sterbehilfeverbots in Australien nicht in seiner Heimat sterben könne. «Ich möchte nicht in die Schweiz, obwohl es ein nettes Land ist», sagte er. «Aber ich muss das tun, um die Möglichkeit zu einem Suizid zu erhalten, die das australische System nicht erlaubt.» Wegen dieser Situation sei er «sehr aufgebracht».

«Ich will sterben»

In Australien ist Sterbehilfe ab Juni 2019 zwar im Bundesstaat Victoria erlaubt, allerdings nur für unheilbar kranke Menschen, die im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind und nur noch weniger als sechs Monate zu leben haben. Goodall ist nicht unheilbar krank, er klagt aber über einen fortschreitenden Verlust an Lebensqualität.

Die Schweiz ist zwar nicht das einzige Land, aber es ist der einzige Staat, in dem diese Dienstleistung auch Ausländern angeboten werden darf. Goodall selbst möchte eine Debatte anstossen. «Ich glaube, dass meine Reise einen Beitrag zur Veränderung leistet. Und ich freue mich, dass die Menschen darüber reden, was ich tue», sagte Goodall.

Zu seiner Entscheidung und dem bevorstehenden Tod äussert sich der Botaniker nüchtern: «Ich bedaure es sehr, dieses Alter erreicht zu haben. Ich will sterben.» Das sei nicht traurig. «Traurig ist», sagt er, «wenn man davon abgehalten wird.» Goodalls Fall ist auch für die Schweiz speziell. Sein assistierter Suizid entspricht wohl den Gesetzen, aber kaum den Richtlinien der Schweizer Akademie der Medizinischen Wissenschaften. Diese werden zurzeit überarbeitet. Ende Jahr soll die definitive Fassung veröffentlicht werden. Die Bedingung für Sterbehilfe bleibt eine tödliche Krankheit. Die Ärztegemeinschaft lehnt den Altersfreitod ab. Die Debatte darüber läuft bei Exit Schweiz: An der nächsten GV wird über eine Anpassung der internen Regeln abgestimmt.

Der gebürtige Engländer Goodall findet, dass «jeder über 50 oder 60 frei sein sollte, zu entscheiden, ob er weiterleben möchte oder nicht». Zum Umstand, dass er ausgerechnet an Auffahrt sterben wird, meint er trocken: «Ach, ist das so?» Das habe für ihn keine spezielle Bedeutung, denn «ich bin nicht religiös». (red/sda)

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