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STERBEHILFE: Leben und Sterben selbst verwalten

Exit verzeichnet einen starken Mitgliederanstieg. Es zeigt sich: Der Wunsch nach Selbstbestimmung über den eigenen Tod ist bei immer mehr Menschen stärker als religiöse Überzeugungen.
Andreas Faessler
Immer mehr Menschen haben den Wunsch, über das eigene Ableben selbst entscheiden zu können, und sind bereit, im Falle des Falles die Freitodbegleitung durch eine Organisation wie Exit in Anspruch zu nehmen.

Immer mehr Menschen haben den Wunsch, über das eigene Ableben selbst entscheiden zu können, und sind bereit, im Falle des Falles die Freitodbegleitung durch eine Organisation wie Exit in Anspruch zu nehmen.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

In den Medien war im Februar zu lesen, dass immer mehr Menschen Exit, der Schweizer Ver­einigung für humanes Sterben, beitreten. Über 10 000 sind 2017 hinzugekommen, somit hat sich die Mitgliederzahl in der Deutschschweiz und im Tessin innerhalb eines Jahres um fast ­einen Zehntel erhöht.

Durch die steigende Mitgliederzahl steigt auch die Nachfrage nach Freitodbegleitungen. Ein konkreter Grund hierfür sei die Alterung der Gesellschaft, wie Exit festhält. Innerhalb eines Jahres sei das Durchschnittsalter der in den Tod begleiteten Menschen von 76,7 Jahren auf 78,1 Jahre angestiegen. Obschon die effektiven Freitodbegleitungen durch Exit aber bislang eher selten bleiben, ist die Bereitschaft, im Falle schwerwiegender Umstände freiwillig aus dem Leben zu scheiden, gestiegen. Die Sterbehilfe entspreche einem Bedürfnis der Bevölkerung, stellt Exit fest.

Erlernte Selbstbestimmung

Der steigende Anspruch, über das eigene Ableben selber zu bestimmen, steht stark in Zusammenhang mit dem Wandel der Gesellschaft. Jürg Wiler, Kommunikationsverantwortlicher bei Exit Deutschschweiz, erklärt: «Mittlerweile kommt eine Generation ins Alter, die gewohnt ist, selbstbestimmt über ihr Leben zu entscheiden. Diese Menschen haben beispielsweise über ihren beruflichen Weg und sich für oder wider eine Familie entschieden. Dieses Recht wollen sie sich auch für das Sterben erhalten.» Gläubige Menschen müssen sich hierbei mit dem religiösen Aspekt der Thematik auseinandersetzen. Doch auch hier scheint sich ein gewisser Wandel in der Sinneshaltung abzuzeichnen, wie Jürg Wiler weiter erklärt. So haben sich Gläubige mit dem immer wieder mal von kirchlichen Repräsentanten kommunizierten Grundsatz auseinanderzusetzen, wonach der Mensch «nur Verwalter, nicht aber Eigentümer des Lebens sei, das Gott ihm anvertraut hat». «Viele leidende Sterbewillige kommen dabei jedoch zum Schluss, dass, wenn das ganze Leben in die Verantwortung eines Menschen gestellt ist, diese Verantwortung auch für die letzte Phase seines Lebens gelten soll.» Patienten, die an Exit gelangen, hätten diesen Prozess bereits hinter sich, so Wiler. «Wer jedoch zum Beispiel streng katholisch ist, kann eine Freitodbegleitung wohl nur schwerlich mit sich persönlich vereinbaren.»

Es zählt das Leiden, nicht die Meinung der Kirche

In Religionsfragen gibt sich Exit zurückhaltend und erteilt als konfessionell unabhängige Vereinigung weder Ratschläge, noch arbeitet sie mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern zusammen, geschweige denn führt sie Statistik über die Konfessionen ihrer Mitglieder. Selbstverständlich aber spielten die Themen Kirchen und Gott bei existenziellen Entscheiden wie einem Freitod sehr wohl häufig eine Rolle, wenn sich Menschen an Exit wenden, sagt Wiler. «Doch was am Lebensende zählt, ist oftmals nicht die Meinung der Kirchen, sondern es sind unzumutbare Leiden.» Auch an dieser Tatsache äussert sich der gesellschaftliche Wandel, denn hätten sich frühere Generationen beispielsweise noch Rat bei einem Geistlichen geholt, ob und wie lange sie ihre Leiden ertragen müssen, so würden Betroffene heute vielmehr selbst oder gemeinsam mit ihrem Arzt über die «letzten Dinge» entscheiden. Die fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft trage bestimmt ihren Teil dazu bei, meint Jürg Wiler. «Doch Tatsache ist: Selbstbestimmung ist ein Grundrecht, auf das sich immer mehr Menschen berufen. Im Gleichschritt dazu findet ein weitverbreiteter Gesinnungswandel in der Gesellschaft zu Gunsten von Freitodbegleitung statt.»

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