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STEUERAFFÄRE: Bis zum Haftantritt dauert es noch Wochen

Uli Hoeness zieht einen Schlussstrich: Er akzeptiert das Urteil von dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung und geht ins Gefängnis. Seine Spitzenämter beim FC Bayern legt er nieder.
Bis Uli Hoeness seine Haftstrafe antreten wird, werden noch einige Wochen vergehen. (Bild: Keystone)

Bis Uli Hoeness seine Haftstrafe antreten wird, werden noch einige Wochen vergehen. (Bild: Keystone)

Der 62-jährige Hoeness überraschte am Freitag mit einer persönlichen Erklärung: «Nach Gesprächen mit meiner Familie habe ich mich entschlossen, das Urteil des Landgerichts München II in meiner Steuerangelegenheit anzunehmen», hiess es darin.

Er habe seine Anwälte beauftragt, nicht in Revision zu gehen. Das entspreche seinem «Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich», hiess es in der Erklärung von Hoeness.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Noch ist aber der juristische Teil der Steueraffäre von Hoeness nicht beendet. Das Oberlandesgericht München wies denn am Freitag auch darauf hin, dass das am Donnerstag verkündete Urteil nicht rechtskräftig sei.

Die Staatsanwaltschaft will frühestens Anfang nächster Woche bekanntgeben, ob sie Revision beantragt oder nicht. Das Urteil von dreieinhalb Jahren Haft lag zwei Jahre unter dem von der Anklage geforderten Strafmass. Sollte das Verfahren weitergezogen werden, käme der Fall vor den Bundesgerichtshof.

Bei einem Verzicht auf Resivion wird Hoeness voraussichtlich in einigen Wochen im Gefängnis im oberbayerischen Landsberg am Lech seine Strafe antreten. Die Haftanstalt war wegen der Festungshaft von Adolf Hitler vor 90 Jahren überregional bekannt geworden.

Schaden vom Club abwenden

Hoeness war am Donnerstag wegen der Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro in einem der spektakulärsten Steuerprozesse Deutschlands verurteilt worden. Seine Anwälte hatten unmittelbar nach dem Urteil noch angekündigt, in Revision zu gehen. Die Gremien des FC Bayern nahmen Beratungen auf, hatten sich aber am Tag des Urteils öffentlich nicht geäussert.

Nun machte Hoeness selbst den Weg beim Champions-League-Sieger frei und trat von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender beim FC Bayern München zurück. Mit seinem Entscheid wolle er Schaden vom Verein abwenden.

«Der FC Bayern München ist mein Lebenswerk und er wird es immer bleiben. Ich werde diesem grossartigen Verein und seinen Menschen auf andere Weise verbunden bleiben solange ich lebe. Meinen persönlichen Freunden und den Anhängern des FC Bayern München danke ich von Herzen für ihre Unterstützung», hiess es in der Erklärung von Hoeness.

Aufsichtsrat bestimmt Übergangschef

Adidas-Chef Herbert Hainer wurde noch am Freitag bis auf weiteres zum neuen Aufsichtsratschef ernannt. Der Aufsichtsrat nahm den Rücktritt von Hoeness «mit Respekt und grösster Hochachtung» zur Kenntnis und Hainer dankte Hoeness für seine «herausragende Lebensleistung».

Hoeness gehörte zur grossen Bayern-Spielergeneration der 70er Jahre mit Franz Beckenbauer und Gerd Müller. Er wurde Welt- und Europameister, gewann praktisch alle Vereinstitel.

In seiner 30-jährigen Schaffensphase als Manager entwickelte sich der FC Bayern von einem Verein mit Schulden zu einem Global Player und ist aktuell die beste Mannschaft der Welt. Im Jahr 2009 wurde Hoeness mit beeindruckenden 99,3 Prozent als Präsident inthronisiert.

Die Erklärung von Uli Hoeness im Wortlaut

«Nach Gesprächen mit meiner Familie habe ich mich entschlossen, das Urteil des Landgerichts München II in meiner Steuerangelegenheit anzunehmen. Ich habe meine Anwälte beauftragt, nicht dagegen in Revision zu gehen. Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen stelle ich mich.

Ausserdem lege ich mit sofortiger Wirkung die Ämter des Präsidenten des FC Bayern München eV und des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG nieder. Ich möchte damit Schaden von meinem Verein abwenden. Der FC Bayern München ist mein Lebenswerk und er wird es immer bleiben, solange ich lebe.

Meinen persönlichen Freunden und den Anhängern ds FC Bayern München danke ich von Herzen für Ihre Unterstützung.»

Uli Hoeness

Merkel: «Hoher Respekt» für Entscheid von Uli Hoeness

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat «hohen Respekt» für den Entscheid von Uli Hoeness geäussert, das Hafturteil wegen Steuerbetrugs zu akzeptieren und nicht in Revision zu gehen. «Ich kommentiere natürlich Gerichtsentscheidungen nicht, kann aber sagen: Die Tatsache, dass Uli Hoeness jetzt dieses Urteil so angenommen hat, nötigt mir hohen Respekt ab», sagte Merkel bei einem Termin mit den grossen Wirtschaftsverbänden in München.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüsst den Entscheid von Hoeness ebenfalls. «Seine Erklärung zeigt, dass er ein Mensch mit Format ist. Er hat sehr verantwortlich gehandelt, indem er auf die Revision verzichtet und seine Ämter niedergelegt hat.»

«Im Gefängnis gibt es keinen Promibonus», betonte derweil der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten in Deutschland, Anton Bachl, in Straubing. Hoeness werde behandelt wie jeder andere Häftling auch.

sda

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