STIFTSSCHULE ENGELBERG: Farbige Matura-Tüpferchen

Heftig wurde gestern in Engelberg, wenn auch bei nur 13 Grad, in Erinnerungen geschwelgt. Denn Schülerinnen und Schüler der Stiftsschule feierten mit Lehrern und vielen Ehemaligen das 100-jährige Bestehen von Maturaprüfungen.

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En Guete: Stiftsschüler Markus Rüst bietet dem Rektor, Pater Robert Bürcher, sowie Zürichs Ex-Statdpräsident Elmar Ledergerber und seinem Sohn Hannes (von links) Bratwürste an. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

En Guete: Stiftsschüler Markus Rüst bietet dem Rektor, Pater Robert Bürcher, sowie Zürichs Ex-Statdpräsident Elmar Ledergerber und seinem Sohn Hannes (von links) Bratwürste an. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Unter den vielen hundert Gästen trafen sich auch einige Prominente Ex-Schüler. Zürichs Stadtpräsident Elmar Ledergerber, der sein Amt am 1. Mai abgegeben hat, kam mit seinem 1,88 Meter grossen Sohn Hannes. Er ist mit 16 Jahren schon zwei Zentimeter grösser ist als sein Vater und begeisterter Kampfsportler. Mehr Zeit für die Familie haben – so hatte der 65-jährige Ledergerber seinen Rücktritt begründet. Hat er das nun? «Dies ist ganz klar der Fall», bestätigte der Ex-SP-Polititstar, der jetzt Präsident von Zürich Tourismus ist. «Ich kann jetzt zu 50 Prozent weiter arbeiten und den Rest meiner Familie widmen, genau das wollte ich.» Und wie gestaltet sich das? «Frühstück und Abendessen mit der Familie, das ist das wichtigste. Früher konnte ich das ja mit den vielen Verpflichtungen nicht», erklärte Ledergerber. «Und natürlich ab und zu auch etwas gemeinsam unternehmen.»

Wie gestern mit dem Sohn nach Engelberg fahren, ihm die Heimat zeigen, alte Schulkameraden treffen und in Erinnerungen schwelgen. Zum Beispiel? Ledergerber: «Ich fand heraus, wie ich die langen und nervigen Studiumszeiten umgehen konnte – zum Klavierunterricht gehen. Also lernte ich dieses Instrument, später auch noch Bassgeige und Orgel. Die Stiftsschule hat mir also auch die Liebe zur Musik mitgegeben.» Was offensichtlich auch in der Familie liegt: Ledergerbers Bruder Martin Ledergerber ist Musiklehrer im Kanton Obwalden. Eugenio Rüegger, 1977 bis 1999 Direktor der Titlisbahnen, verbindet die Musik heute noch mit dem altehrwürdigen Benediktinerkloster: «Ich bin immer noch begeistert im Stiftschor mit Stiftsorgelspieler Pater Patrick Ledergerber dabei.» Selber war der Bündner Rüegger nicht Schüler in Engelberg. Aber seine Söhne Sandro sowie Roger – und ab Herbst auch sein Enkel Lukas.

Note 6 in 20 Fächern
Der 12-jährige Lukas wird die Messlatte ganz hoch setzen müssen, um einen Musterschüler unter den Gästen einzuholen: Josef Haas, herzlich begrüsst von seinem Klassenlehrer Pater Thomas Blättler, hat nämlich 1981 hier die Matura mit der blanken Bestnote 6 abgeschlossen – und das in 20 Fächern! «Ohne diese tolle Ausbildung wäre ich nie zu meinem Studium gekommen», erklärte der Bauerssohn und Geschäftsführer des Bundesamtes für Umwelt ganz dankbar. «Sepp Hess war in der Tat nicht zu übertreffen – für mich jedenfalls», schmunzelte der ehemalige Luzerner Fritschivater Philipp Gmür. «Dazu hatte ich viel zu viel Unfug im Kopf», lächelte auch Robert Ruoff. «Zuletzt bekam ich sogar ein Ultimatum vor dem Rausschmiss», erinnerte sich der Ex-TV-Kommunikationschef. «Ich hatte die Hausglocke, die uns alle immer so nervte, abmontiert?»

Rektor erinnert sich
Zwei indes schafften die Matura-Bestnote 6 in der 100-jährigen Geschichte auch: Matthias Christen, der Sohn von Engelbergs Ex-Gemeinderat Charles Christen, vor 14 Jahren. Pater Robert Bürcher erreichte die Glanzleistung 1961. Nach 28 Jahren gibt er sein Amt als Rektor jetzt ab. Und erinnert sich an andere prominente Engelberg-Maturanden: «Uniprofessor Franz Jaeger hatte immer irgendeine Wurst als Zwischenverpflegung unter dem Tisch versteckt, der ehemalige Nationalrat Guido Zäch bewies seinen Verkäufer-Instinkt als erfolgreicher Werber für günstige Bücher, Ex-SRG-Boss Antonio Riva musste mal in einem Molière-Stück eine Frau spielen. Und gegen Ex-Skirennfaherin Zoe Haas habe ich einmal den Final unseres Tennisturniers verloren – haushoch!»

André Häfliger