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STOCKHOLM: Nobelpreis-Zeremonie von Skandalen überschattet

Sexuelle Belästigungen, Lecks und Mauscheleien in der angesehenen Schwedischen Akademie: Vor der heutigen Nobelpreis-Verleihung rumort es in Stockholm.

Heute finden in Stockholm das grosse Nobelpreis-Dinner und die Preisverleihung unter dem Patronat des Königshauses statt. Doch in der schwedischen Hauptstadt wird das internationale Grossereignis von Skandalen überschattet. Nach einer Versammlung beschloss die Institution, jeglichen Kontakt zu einer bekannten «Kulturpersönlichkeit» abzubrechen. Auch am Nobelpreis-Dinner am Königshof habe die Person nichts mehr verloren. Zuvor hatten 18 Frauen über sexuelle Übergriffe des Mannes in den letzten 30 Jahren berichtet. Der Beschuldigte habe, erklärte zudem die Akademie, «Mitglieder, deren Töchter, Ehefrauen sowie Personal» belästigt. Der Fall wurde zum grössten schwedischen Skandal der «Me-too»-Kampa­gne, in der Frauen weltweit auf sexuelle Belästigungen aufmerksam machen. Nur wenige Medien nannten den Namen der beschuldigten «Kulturpersönlichkeit», doch es war rasch klar, dass es sich um Jean-Claude Arnault handelt. Die Gattin des französisch-schwedischen Fotografen und Regisseurs ist Akademie-Mitglied, er selber ist eine zentrale Figur im Stockholmer Kulturleben. Seine Projekte wurden bisher auch von der Akademie und mit staatlichen Geldern subventioniert. Der 71-Jährige wies sämtliche Vorwürfe von sich. Mittlerweile haben ihn jedoch mehrere Frauen wegen Vergewaltigung angezeigt.

Weiter schrieb die Zeitung «Dagens Nyheter», sie habe her­ausgefunden, dass Arnault offenbar in drei Fällen den Gewinner des Literaturnobelpreises vorzeitig ausgeplaudert habe. Dies berichteten drei der von ihm belästigten Frauen. Ausserdem soll ­Arnault behauptet haben, er habe die Finger im Spiel gehabt, als der Schriftsteller Jean-Marie Le Clézio 2008 den Literatur­nobelpreis erhielt.

Die Schwedische Akademie wollte sich nicht zu den Vorwürfen äussern. Sie verweist auf eine bei einem Anwaltsbüro in Auftrag gegebene Untersuchung.

Am Freitag geriet die Akademie selbst in schlechtes Rampenlicht, als Recherchen des schwedischen Rundfunks SVT veröffentlicht wurden. Demnach hat die Akademie in den letzten zehn Jahren exklusive Wohnungen in Stockholms Altstadt gekauft. Diese wurden offenbar Mitgliedern der Akademie sowie deren Familienmitgliedern zur Verfügung gestellt. Auch dazu hat sich die Akademie nicht geäussert.

Niels Anner, Kopenhagen

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