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SÜDAFRIKA: Küstenstadt Kapstadt sitzt auf dem Trockenen

In Kapstadt wird Trinkwasser immer knapper. Die Behörden rufen die Menschen zum drastischen Wassersparen auf. In etwa zwei Monaten fliesst wohl gar kein Wasser mehr aus den Leitungen.
Wolfgang Drechsler, Kapstadt
Bewohner der Langa Township in der Nähe von Kapstadt holen Wasser bei einer Sammelstelle. (Bild: MARTIN RUETSCHI (KEYSTONE))

Bewohner der Langa Township in der Nähe von Kapstadt holen Wasser bei einer Sammelstelle. (Bild: MARTIN RUETSCHI (KEYSTONE))

Wolfgang Drechsler, Kapstadt

Inzwischen hat es die Hiobsbotschaft vom Kap in alle Welt geschafft: Südafrikas Küstenmetropole Kapstadt, so melden nun auch BBC und CNN, droht als erstem grossen Ballungsraum weltweit das Wasser auszugehen. Der Schreckenstermin rückt offenbar näher: Statt wie bislang prognostiziert am 29. April könnte «Day Zero», also der Tag, an dem hier kein Wasser mehr aus der Leitung fliesst, nun bereits am 12. April ins Haus stehen.

Dann würden die sechs Dämme, aus denen Kapstadt bislang 97 Prozent seines Wasserbedarfs erhält, nur noch zu 13 Prozent gefüllt sein – und damit für die Versorgung unbrauchbar. Um dieses Horrorszenario zu vermeiden, gelten ab 1. Februar knallharte neue Restriktionen am Kap: Jeder Bürger darf maximal noch 50 Liter am Tag verbrauchen, was einer Waschmaschinenladung oder fünf WC-Spülungen entspricht. Nicht mehr als 2 Liter sind jeweils fürs Trinken, Kochen und zur täglichen Hygiene veranschlagt. Eine Dusche darf allenfalls 90 Sekunden dauern, was etwa 15 Litern entspricht.

Wasserstellen müssen bewacht werden

Die neuen Restriktionen sind notwendig, weil bisher nur die Hälfte der vier Millionen Kapstädter die erlaubte Wassermenge verbraucht. Nun soll der Gesamtverbrauch noch einmal drastisch reduziert werden – von derzeit 600 Millionen Liter auf 450 Millionen Liter pro Tag. Vielen Kapstädtern graut vor der Vorstellung, ab «Day Zero» stundenlang vor den 200 öffentlichen Wasserstellen für nur 25 Liter Wasser pro Tag anzustehen. Sicherheitskräfte sollen darüber wachen, dass es dann nicht zu Unruhen kommt.

Doch es gilt, Perspektive zu wahren: Seit Monaten schon verbrauchen die Kapstädter immer weniger Wasser – und haben den zunächst bereits für Ende 2017 veranschlagten «Day Zero» dadurch immer weiter nach hinten geschoben. Auch ist es sicher keine schlechte Idee, die Menschen durch die jetzt von Politik und Medien gemalten Horrorszenarien zum Wassersparen zu animieren.

Inzwischen wird um jeden Tropfen gerungen: Um mit gutem Vorbild voranzugehen, hat Westkap-Premier Helen Zille erklärt, sich nur noch zweimal pro Woche kurz zu duschen und sonst wie in ihrer Kindheit einen Waschlappen zu benutzen.

Gedünstetes Gemüse statt Pasta

Auch die Gastronomie hat reagiert: So bieten einige Restaurants statt Pasta gedünstete Gemüsesorten an, die auch mit Meerwasser zubereitet werden können. Kunstlehrer malen an einigen Schulen mit ihren Kindern nicht mehr mit Wasserfarben, weil das Ausspülen der Pinsel angeblich zu viel Wasser kosten würde. Mit einer Entspannung der Lage ist frühestens zur Jahresmitte zu rechnen, weil Kapstadt 77 Prozent seines Niederschlags im Südwinter zwischen Juni und September erhält. Sollte es nach nun drei extremen Trockenjahren in Serie dann zumindest wieder normal regnen, wäre die Metropole wohl gerettet, zumal die Stadtverwaltung besser vorausgeplant hat, als viele Kritiker meinen.

So sind die Verantwortlichen seit fast zehn Jahren dabei, die Wasserversorgung der Metropole auf eine breitere Grundlage zu stellen: Dazu gehört der Bau kleiner (aber teurer) Entsalzungsanlagen sowie das Anzapfen bislang ungenutzter Grundwasserspeicher. Diese Projekte dürften bereits im April rund 250 Millionen Liter Wasser pro Tag zusätzlich ins System spülen – und Kapstadt womöglich doch noch ohne vorheriges Austrocknen in die nächste Regenzeit tragen.

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