SWISS AWARDS 2008: Widmer-Schlumpf und Erni: Stars des Abends

Eveline Widmer-Schlumpf ist Schweizerin des Jahres – und der Luzerner Künstler Hans Erni, der am 21. Februar 100 Jahre alt wird, wurde von alt Bundesrat Adolf Ogi für sein Lebenswerk geehrt.

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Doris und Hans Erni an der Verleihung den Swiss Award für sein Lebenswerk. Rechts im Bild: Laudator Adolf Ogi. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Doris und Hans Erni an der Verleihung den Swiss Award für sein Lebenswerk. Rechts im Bild: Laudator Adolf Ogi. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Das waren die zwei Höhepunkte gestern Abend an den Swiss Awards 2008 im Zürcher Hallenstadion. Eveline Widmer-Schlumpf wurde unter 18 Nominierten, darunter die Luzerner Kunstturnerin Ariella Kaeslin (sie wurde wie an Olympia in Peking tolle Fünfte), vom TV-Publikum erkoren. Hans Erni erhielt seinen hoch verdienten Preis wie fünf weitere Kategoriensieger von einer über 100-köpfigen Jury zugesprochen.

Begeisterte Reaktionen
«Dieser Sieg gehört uns allen», freute sich Eveline Widmer-Schlumpf, die mit überragenden 69,62 Stimmprozenten zur neue Schweizerin des Jahres gewählt wurde, sichtlich gerührt. «Das hat sie redlich verdient», attestierten unter vielen aber unisono Ex-Skirennfahrerin Maria Walliser-Anesini, Miss Schweiz Whitney Toyloy und ihre drei Vorgängerinnen Amanda Ammann, Christa Rigozzi und Bianca Sissing sowie MusicStar Fabienne Louves aus Emmenbrücke nach der grössten Party der Schweiz. Mit viel Witz und Zug wurde sie vom neuen TV-Traumduo Sandra Studer und Rainer Maria Salzgeber moderiert. Studer und Salzgeber riefen Radrennfahrer Fabian Cancellara mit 7,79 Stimmprozenten als Zweitplazierten aus. Das Comedy-Duo Ursus&Nadeschkin und die im nidwaldnerischen Hergiswil aufgewachsene Abenteurerin Evelyne Binsack belegten die weiteren Ränge. Siegerin Eveline Widmer-Schlumpf gratulierte Doris und Hans Erni persönlich: «Ich freue mich riesig mit ihnen. Ihr Schaffen beeindruckt auch mich sehr stark. Ihre Auszeichnung haben sie sich mehr als verdient!»

Ogi: «Hans Erni ist ein Vorbild»
Adlof Ogi
lobte Hans Erni, der zusammen mit seiner Ehefrau Doris vom Publikum stehende Ovationen bekam, in den höchsten Tönen und frei sprechend. «Als Mann des Winters wird mir warm ums Herz, wenn ich den Namen Erni höre», sagte Ogi. «Als ehemaliger Schweizer Meister im Langlauf, weiss ich, dass Erni auch ein Sportsmann ist, der viele seiner fantastischen Sujets im Sport gefunden hat.» Das in New York strahlende Erni-Portrait seines Freundes, dem ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan, werde er nie vergessen, meinte der frühere UNO-Sonderberater weiter und skizzierte eindrücklich das «grosse, für immer bleibende» Schaffen des Luzerner Kunstmalers.

Toleranz, Respekt und Frieden
«Das lebende, ständig beschäftigte und handelnde Denkmal Erni steht aber auch für Toleranz, Respekt vor der Natur, Menschenrechte und Frieden», schloss Ogi ab. Und rief dem Gästen und den Millionen TV-Zuschauern zu: «Frieden bracht die Welt jetzt mehr denn je – Vorbilder wie Hans Erni auch!» Erni selber war ganz gerührt: «Ich bin überrascht, dankbar und sehr bewegt.» Vor Erni wurde ist bisher übrigens erst Uhrenkönig Nicolas Hayek mit dem Lifetime-Award geehrt worden.

Die weiteren Sieger - Widmer-Schlumpfs Doppelsieg
In fünf Kategorien hat die Jury aus je drei Nominierten auch im siebten Award-Jahr die weiteren Sieger erkoren. Die Pekinger «Vogelnest»-Stadionbauer Jacques Herzog und Pierre de Meuron gewannen den Kultur-Preis, Komikzeichner Philippe Chappuis liess in der Kategorie Show überraschend Rapper Stress und das Comedy-Duo Ursus&Nadeschkin hinter sich. Der (abwesende) Nationalbank-Präsident Jean-Pierre Roth gewann die Wirtschafts-Trophäe, Ingenieur und Tunnelbauer Giovanni Lombardi den Gesellschafts-Preis. In der Kategorie Politik schliesslich schwang Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf ebenfalls oben auf und machte damit ihren Doppelsieg perfekt.

Die peinliche Reaktion der SVP
Auf diesen eindrücklichen Doppelsieg reagierte die SVP als denkbar schlechte Verliererin. «Der SwissAward ist ein Show-Event», sagte SVP-Sprecher Alain Hauert gegenüber dem «Teletext»-TV-Nachrichtendienst. «Diese Wahl ist für uns nicht repräsentativ für die Meinung der Bevölkerung und keinesfalls mit einem politischen Wahlergebnis vergleichbar.» Die SVP wertet die Wahl auch nicht als Votum gegen die Partei. «Frau Widmer-Schlumpf ist BDP-Mitglied. Bei uns hat sie nach wie vor keinen Rückhalt.» Die SVP Schweiz hatte Widmer-Schlumpf nach der Wahl zur Bundesrätin mit der Bündner SVP-Sektion ausgeschlossen.

André Häfliger, Zürich