SWISSCOR-FERIENLAGER: Ogis Ersteinsatz für «seine» Kinder

Gut anderthalb Monate nach seiner schweren Rückenoperation hat Adolf Ogi seinen ersten Einsatz hinter sich: Der alt Bundesrat hat in Moldavien die 80 Kinder des diesjährigen Swisscor-Ferienlagers abgeholt.

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Freudig und auch stolz steigt alt Bundesrat Adolf Ogi in Zürich-Kloten mit den moldavischen Swisscor-Ferienkindern aus dem Flugzeug. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Freudig und auch stolz steigt alt Bundesrat Adolf Ogi in Zürich-Kloten mit den moldavischen Swisscor-Ferienkindern aus dem Flugzeug. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Mit einem Sonderflug der Moldavian-Air landete der ehemalige UNO-Sonderberater mit dem Kindertross am Donnerstagabend in Zürich-Kolten. «Wir sind froh und stolz, dass wir hier alle wohl behalten angekommen sind», freute sich Ogi, der am 18. Juli 68 Jahre alt geworden ist. «Jetzt geht es darum, all diesen Kindern, die aus ärmsten Verhältnissen stammen und ohne Eltern in Heimen aufwachsen, bis am 12. August eine interessante Zeit zu gestalten.» Vor allem gehe es auch darum, die Kinder medizinisch zu betreuen. Es gehe in erster Linie um die Gesundheit ihrer Zähne und Ohren sowie der Ausstattung der behinderten Kinder mit Geräten wie etwa neuen Rollstühlen oder Prothesen.

Ferienlager für 220 000 Franken
Ogi erzählte es auf dem Fluggelände bei bewölktem Abendhimmel und nur 15 Grad mit seinem gewohnten Engagement – voller Elan und mit nahezu leidenschaftlicher Hingabe. Überzeugt davon, Gutes zu tun und die Welt seinem alten Credo zufolge «etwas friedlicher und besser» zu machen. Vor elf Jahren hatte Adolf Ogi, damals noch Bundesrat, die Ferienlager-Idee ins Leben gerufen. Und zwackte dafür 100 000 Franken aus seinem VBS-Budget ab. «Dieser Entscheid würde mich heute wohl via Geschäftsprüfungskommission direkt ins Gefängnis bringen», schmunzelte Ogi. «Aber ich bin immer hinter dieser Idee gestanden, denn ich habe damals das Elend der Kriegskinder im Kosovo mit eigenen Augen gesehen.» Das 220 000 Franken teure Lager mit rund 40 Betreuern und Begleitern, das für einige Jahre auch auf dem Glaubenberg organisiert wurde, wird heute von Gönnern der Swisscor-Stiftung finanziert.

Schon 1000 Kinder kamen
Die grossen Rückenschmerzen, die er immer noch hat, steckte Ogi einfach beiseite. Auf holprigen Strassen war er am Donnerstag in Moldavien noch 50 Kilometer gefahren, um ein Heim zu besuchen. «Ich hatte höllische Schmerze», gab Ogi gegenüber unserer Zeitung zu. «Aber es hat sich alles gelohnt, ich wurde auch vom Gesundheitsministerium empfangen. Und das Lächeln jedes Kindes, das ist unser Lohn.» Noch gestern Abend reisten die Kinder in ihr Schweizer Ferienlager, ins Pestalozzi-Dorf im appenzellischen Trogen. Ogis besonderer Stolz: Unter den 80 Feriengästen ist das 1000. Kind, das seit Beginn der Swissscor-Ferienlager aus östlichen Kriegsgebieten in die Schweiz reisen darf. Der grosse Empfang von Gästen und Gönnern findet dieses Jahr am 6. August in Trogen statt.

André Häfliger/Neue LZ