Tell steigt von den Bergen zum Walensee herunter

Die Walenseebühne zeigt dieses Jahr «Tell - Das Musical». Ein starkes Bühnenbild, eingängige Melodien und überzeugende Darsteller prägen das Stück, das auf Schillers Klassiker basiert. Bis 25. August sind 25 Vorstellungen vorgesehen.

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Fabian Egli in seiner Rolle als Wilhelm Tell (Mitte unten) und Annette Huber als Walter Tell. (Bild: Keystone)

Fabian Egli in seiner Rolle als Wilhelm Tell (Mitte unten) und Annette Huber als Walter Tell. (Bild: Keystone)

Nein, er will nicht. Er will sich nicht den Verschwörern anschliessen - was geht ihn die Politik an? Er will auch nicht riskieren, wieder eingesperrt zu werden, war er doch eben noch wegen Wilderei im Gefängnis. Und er, der weitherum bekannte Meisterschütze, will schon gar nicht ein Held sein. Tell (Fabian Egli) hilft seinen Nachbarn, wenn sie Hilfe nötig haben. Aber ansonsten will er bloss zusammen mit seiner Familie in Frieden, «wahrhaftig, bescheiden und gerecht leben», wie er singt. Und: Er will «niemandes Herr, niemandes Knecht» sein.

Das kann nicht gut gehen unter einem Landvogt wie Gessler (Bruno Grassini), einem machtgierigen, despotischen Handlanger der Habsburger. Der vernimmt Gerüchte, wonach das Volk gegen die Unterdrückung aufmuckt, und pocht auf «Respekt, Respekt, Respekt».

Bild: Keystone
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Es kommt, wie es kommen muss: Tell verweigert den Gruss an den Hut auf der Stange (»Ich beug mich nicht vor einem Stück Filz»). Gessler zwingt ihn, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schiessen. Damit hat die Unterdrückung ganz konkret auf Tells Familie übergegriffen. Jetzt handelt er. Nach der Erschiessung Gesslers bricht der lange schon schwelende Aufstand aus. Als das Volk aber Tell als Helden feiern will, winkt er ab: «Sie sollen mich in Frieden lassen, mehr will ich nicht.»

Überzeugende Frauenfiguren

Egli stellt einen guten, bodenständigen Tell dar, dem man seine Überlegungen und Handlungen abnimmt. Grassini gibt Tells Gegenspieler Gessler Konturen: Süchtig nach Macht, ist er doch innerlich unsicher, vom Wohlwollen seiner Vorgesetzten abhängig und von Angst verfolgt. Überzeugend sind auch die beiden Frauen Hedwig Tell (Pia Lustenberger) und Gertrud Stauffacher (Sylvia Heckendorn), zwei völlig gegensätzliche Charaktere. Hedwig will nur eins: ein ruhiges, ungestörtes Familienleben. Ganz anders Gertrud: Sie macht ihrem zaudernden Mann Mut, treibt ihn an, die Unterdrückung nicht länger hinzunehmen (»unternimm etwas»), und nicht länger abzuwägen, denn, «manchmal muss man sich entscheiden!» Einen beeindruckenden Werner, Freiherr von Attinghausen gibt Florian Schneider. Er ermutigt das Bauernvolk zum Aufstand: «Man muss nur akzeptieren, was man nicht verändern kann. Alles andere packt man an».

Frische Version des Mythos

Neben den Einzelleistungen prägen schön choreografierte (Christopher Tölle) Volksszenen und Gesellschaftsanlässe des Adels das Musical «Tell». Die Kostüme (Armin Werner) haben nichts mit der eigentlichen Zeit der Handlung Ende des 13. Jahrhunderts zu tun. Sie erinnern eher an die Ära um 1900, was aber keineswegs stört.

Das Musical (Regie: Nico Rabenald, der kurz vor Ende der Proben wegen unterschiedlicher Auffassungen in künstlerischen Belangen die Produktion verliess) schildert die Entwicklung vom duldsamen Volk (»so wie es ist, so hat Gott es gewollt») bis zu Aufstand und Erneuerung des Bundes (»wir wollen sein, ein einzig Volk von Brüdern»). Das Textbuch lieferte Hans Dieter Schreeb.

Wolfgang Adenberg bezieht in seine Liedtexte immer wieder Originalzitate aus Schillers «Tell» ein. Die Musik (Komponist: Marc Schubrig, Musikalische Leitung: Andreas Felber) veranschaulicht die Handlung, setzt Akzente und betont die Charaktere.

Das Bühnenbild von Christoph Weyers nimmt gelungen den Ort der Handlung in der Innerschweizer Bergwelt auf: Aus roh behauenen Baumstämmen und grossen Granitblöcken sind stilisierte Bauernhäuser und Berge konstruiert, seitlich abgeschlossen wird die riesige Bühne von zwei Wehrtürmen.

«Tell - das Musical» reiht sich ein in die unzähligen Versionen des Tell-Mythos, der zum ersten Mal 1470 im «Weissen Buch von Sarnen» erwähnt wird. Es bringt den alten, angestaubt wirkenden Stoff in eine frische, sehenswerte Form. Das Vorpremieren-Publikum war begeistert.

Elisabeth Hausmann

Hinweis:
Infos und Tickets auf www.walenseebuehne.ch