TENNISGOLD DIE GANZE NACHT GEFEIERT: Gestatten: Jongleur Federer und DJ Wawrinka

Die 800 treuesten Fans vor Ort harrten lange aus: Punkt 2.13 Uhr (Ortszeit) am Sonntagmorgen betraten die Olympiasieger Roger Federer und Stanislas Wawrinka das «House of Switzerland».

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Ein Lohn für die Anstrengung: Zwei Torten für die Goldboys Roger Federer (l.) und Stansislas Wawrinka morgen um 2.23 Uhr im Schweizer Haus. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Ein Lohn für die Anstrengung: Zwei Torten für die Goldboys Roger Federer (l.) und Stansislas Wawrinka morgen um 2.23 Uhr im Schweizer Haus. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Genau dann wurde es plötzlich sehr laut im schon tief verschlafenen Pekinger Künstlerviertel «798 Art Zone»: Die beiden strahlenden Goldboys wurden mit tosendem Applaus, Gesängen, Jazz- und Volksmusikklängen, schwingenden Fahnen und Hurrarufen wie zwei ranggleiche Könige empfangen. Freudig winkten sie den Fans zurück und sagten immer wieder: «Danke, danke, danke!»

Auf der Bühne wurden die beiden Gold-Olympioniken dann von Delegationschef Werner Augsburger und Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild in die Arme genommen sowie von Hauschef Manuel Salchli begrüsst. Haus-Vize Edwin Rudolf und der Schweizer China-Botschafter Dante Martinelliüberbrachten den frisch gebackenen Olympiasieger ebenso frisch gebackene Riesentorten. «Ein Traum ist für uns in Erfüllung gegangen», freute sich Wawrinka auf der Bühne. «Und wir freuen uns riesig, dies mit euch feiern zu dürfen», ergänzte Federer.

Viele Sportstars feierten mit

Unter jenen, die solange ausharrten, waren auffallend viele Sportstars. Flavia Rigamonti mit dem ganzen Schwimmteam, Bronze-Judoka Sergei Aschwanden mit seiner Aargauer Freundin Sonja Stutz, Ruderer André Vonarburg mit seiner Luzerner Freundin Sylvia Hueber. Oder die Beachvolley-Stars Sascha Heyer, Martin Laciga, Patrick Heuscher und Simone Kuhn, die Kunstturner Christoph Schärer und Claudio Capelli, Fechter Michael Kauter, die Schützen-Geschwister Irene und Simon Beyeler und auch Diplom-Radrennfahrerin Priska Doppmann erwiesen Federer und Wawrinka die Ehre.

Li unter den ersten Gratulanten

Zwei hatten die beiden bereits vor den Garderoben in den Stadion-Katakomben getroffen. René Stammbach, der Präsident von Swiss Tennis, gehörte natürlich zu den allerersten Gratulanten. Und auch Donghua Li. Dem Kunstturn-Olympiasieger von 1996 zeigte Federer seine Goldmedaille und schmunzelte: «Schau, ich hab jetzt auch eine. Gefällt sie dir?» Dreimal dürfen Sie raten, was Li sagte?

Feiern, bis die Sonne aufgeht

Die Feier im Schweizer Gästehaus, das bis am Wochenende schon 90 000 Fans besuchten, ging dann aber erst zu Ende, als die Sonne am Sonntagmorgen längst aufgegangen war. Höhepunkte waren der heisse Sound, den DJ Wawrinka zusammen mit Benjamin Blaser auflegte, die Auftritte der Musikanten aus der Zentralschweiz («Lopper-Örgeler», Hergiswil und «Marching President», Luzern) sowie die Duelle und Duos im Balljonglieren zwischen Federer und Weltrekordler Paul Sahli. Bis zu 50 Mal köpfelten sie miteinander Fussbälle, spassten mit Faust- und Tennisbällen.

Sahli: Nach Peking ist Schluss

Erst bei den Pingpong-Bällen musste Roger passen. «Aber das lag nur an seinen Schuhen», erklärte Sahli. Mit 60 will er nach Olympia hier in China aufhören. «Das hier war zum Schluss das tollste Erlebnis meiner Karriere», sagte der Solothurner ganz gerührt. Sahlis eindrücklichsten Leistungen sind Jonglieren mit einem Fussball: 14 Stunden, 17 Minuten und 40 Sekunden mit 94'360 Ballkontakten. Und mit einem Tennisball: 2 Stunden und 40 Sekunden mit 14'000 Ballberührungen. 

Röthlin als Überraschungsgast
Morgens um 7 Uhr brach Roger Federer dann auf, ging direkt zum Flughafen und flog mit dem Privatjet in Richtung New York davon. Zwei Stunden später strömten wieder Tausende von Fans ins Schweizer Gästehaus. Unter den vielen Besucherinnen und Besuchern gesellte sich am Sonntagabend auch Viktor Röthlin. Eine Woche vor seinem grossen Wettkampf hier flanierte der Obwaldner Marathon-Star mit seiner Freundin Renate Hotz gemütlich durchs Haus und genoss dann die Küche von Chef Mark Thommen und seinem 60-köpfigen Team. Zum Abschluss der ersten Olympiawoche hatte schliesslich ein Luzerner seinen grossen Auftritt. Firmenchef Walter Egli konnte den Hauptpreis des grossen Hauswettbewerbes vergeben, ein E-Bikeboard aus Luzern. 22 der coolen Elektrofahzeuge stehen dem Schweizer Team hier zur Verfügung. «Stanislas Wawrinka hat schon zwei Stück bestellt», freut sich Egli.

André Häfliger, Peking