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TESSIN: Rassismusalarm im Kanton Tessin

Auf der einen Seite zwei Tessiner Politiker als Superhelden, auf der anderen Italiener als Panzerknacker: Diese Titelseite der Lega-Zeitung «Mattino della domenica» wird wohl ein Fall für die Justiz.
Kari Kälin
Die Superhelden Gobbi und Pantani kämpfen gegen Tunichtgute. (Bild: Ausriss der Titelseite des «Mattino della domenica» vom 9. April 2017)

Die Superhelden Gobbi und Pantani kämpfen gegen Tunichtgute. (Bild: Ausriss der Titelseite des «Mattino della domenica» vom 9. April 2017)

Kari Kälin

Da steht Sicherheitsdirektor Norman Gobbi, verkleidet als Superman, und hält italienische Panzerknacker davon ab, in der Schweiz ihr Unwesen zu treiben. Da steht sie, Nationalrätin Roberta Pantani, verkleidet als Wonder Women, und hilft Gobbi, die Grenze zu schützen: Die jüngste Titelseite der «Mattino della domenica» zeigt die zwei Politiker der Lega dei Ticinesi als Superhelden im Kampf gegen italienische Tunichtgute. Die Panzerknacker sind Disneyfiguren; ein italienisches Wappen ziert deren Dächlikappen.

Nicht lustig findet das Paolo Bernasconi. Der bekannte Anwalt aus Lugano ist entschlossen, gegen die Darstellung des Sprachrohrs der Lega dei Ticinesi vorzugehen. Am Sonntag erhielt Bernasconi, ehemaliger Staatsanwalt und Mafiajäger, rund ein Dutzend Anrufe von Schweizern und Italienern. Er hat sie dazu ermuntert, Strafanzeige gegen Lega-Nationalrat und «Mattino»-Direktor Lorenzo Quadri einzureichen – wegen eines Verstosses gegen das Antirassismusgesetz. Ob er es selber tun wird, weiss Bernasconi noch nicht. Er geht aber davon aus, dass einige der entrüsteten Ratsuchenden die Justiz einschalten werden. «Die Darstellung des ‹Mattino› ist rassistisch», sagt Bernasconi. Das ­Lega-Blatt stelle die Italiener pauschal als Diebe und Einbrecher dar. Die Kontroverse ist auch Thema in der italienischen Presse. Wenig angetan vom Titelblatt ist der «Corriere della sera». Es lasse wenig Interpretations­spielraum: «In Italien die Diebe, in der Schweiz die Superhelden», fasst die Zeitung die Botschaft des «Mattino» zusammen.

Drei Grenzübergänge geschlossen

Am Ursprung der Kontroverse steht der Entscheid der Schweiz, drei kleine Grenzübergänge zwischen Italien und der Schweiz während der Nacht zu schliessen. Der Tessiner Regierungsrat Norman Gobbi meinte, die Schweiz müsse sich vor kriminellen Organisationen aus dem südlichen Nachbarland schützen. Die italienischen Grenzgemeinden protestierten, und der Schweizer Botschafter musste beim Aussenministerium in Rom antraben. Dort wittert man einen Verstoss gegen das Schengener Abkommen.

Einen Missbrauch der Antirassismus-Strafnorm wittert derweil Lorenzo Quadri. Paolo Bernasconi versuche auf schäbige Weise, die Pressefreiheit zu begraben, ärgert sich der Direktor des «Mattino». Aber er werde die Zeitung nicht stoppen. Denn es brauche viel Fantasie, um im Titelblatt einen Verstoss gegen das Anti-Rassismus-Gesetz zu erkennen. «Sind Einbrecher eine Rasse», fragt sich der Nationalrat.

Der «Mattino» ist bekannt für kleinere und grössere Provokationen. Manchmal kann man schmunzeln, zum Beispiel, wenn ein Bild einer alt Bundesrätin mit Eveline Widmer «Puffo» (Puffo heisst Schlumpf auf Italienisch) beschriftet ist. Manchmal leistet sich die Zeitung auch rassistische Entgleisungen. Vor zehn Jahren fand sie, in der Schweizer Fussballnationalmannschaft spielten zu viele Schwarze mit.

Anwalt Paolo Bernasconi macht die Lega dei Ticinesi für den politischen Sittenzerfall im Südkanton verantwortlich. Seit diese Zeitung existiere, werde er von ihr attackiert. Das gleiche Schicksal teilen zahlreiche andere Amtsträger, die nicht der Lega nahestehen.

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